Venustransit 2012

Das Jahr 2012 bietet allen Sternfreunden ein Jahrhundertereignis, das sich erst in 105 Jahren wiederholen wird. Aus unserer irdischen Perspektive wandert die Venus vor der Sonne als schwarze Scheibe entlang. Das letzte Mal ereignete sich ein solcher Venustransit im Jahr 2004 und war damals bei bestem Wetter vollständig von Deutschland aus zu sehen. Wer das Himmelsspektakel vor acht Jahren verpasste, hat nun die letzte Gelegenheit, es nachzuholen. Am frühen Morgen des 6. Juni 2012 ist es wieder so weit: Die Volkssternwarte Hannover Geschwister Herschel e.V. öffnet ihre Türen zu diesem besonderen Anlass.

Wenn die Sonne gegen 5 Uhr MESZ an diesem Tag über Hannover aufgeht, ist der Venustransit bereits im Gange, unser innerer Nachbarplanet kann mit Finsternisbrillen und ansonsten bloßem Auge als schwarzes Scheibchen vor der Sonne erspäht werden. Bis 6:55 Uhr MESZ lässt sich beobachten, wie die Venus langsam vor unserem Zentralgestirn entlang wandert und schließlich das Angesicht der Sonne wieder verlässt. Die Venus scheint dabei rund ein Dreißigstel des Sonnendurchmesser groß.

Der Venustransit in seiner Gesamtheit ist in der folgenden Abbildung dargestellt, die obere Linie ist der Transit dieses Jahres, die untere Linie der des Jahres 2004.

Gesamtverlauf des Venustransit vom 6. Juni 2012 (Fred Espenak / NASA / GSFC)

In der Volkssternwarte können Sie bei gutem Wetter das Himmelsereignis beobachten. Erfahren Sie im Gespräch mit fachkundigen Mitgliedern der Sternwarte mehr über unseren Nachbarplaneten, der zwar fast genau so groß wie Erde, aber dennoch vollkommen anders ist. Die Sternwarte öffnet dafür an diesem besonderen Tag bei gutem Wetter von 5 Uhr bis 7 Uhr MESZ. Vom Dach des Wasserhochbehälters wird die Sonne im Nordosten über der „Skyline“ Hannovers aufgehen und zum Ende des Venustransits eine Höhe von rund 10 Grad über dem Horizont erreichen.

Von Deutschland aus ist nur das Ende des insgesamt rund sechsstündigen Transit sichtbar, bessere Bedingungen herschen in Ostasien, im Pazifik oder im hohen Norden. Dort ist dann bereits die Zeit der Mitternachtssonne, so dass zum Beispiel aus Nordnorwegen der gesamte Transit sichtbar ist. Wer also noch kurzfristige Reisepläne hat, kann sich mit dem folgenden Diagramm einen Überblick verschaffen.

Globale Sichtbarkeit des Venustransits 2012 (Fred Espenak / NASA / SuW-Grafik)

Zum Ende des Transits ab etwa 6:35 Uhr MESZ wird es für teleskopische Beobachter besonders spannend. Zuerst lässt sich das Phänomen des „Schwarzen Tropfens“ erspähen, bei dem die kreisrunde Venusscheibe tropfenförmig auseinander gezogen erscheint, bevor sie den Sonnenrand berührt. Dies ist dem Zusammenspiel aus der Randverdunklung der Sonne, der Luftunruhe und der Abbildungsqualität des Teleskops zu verdanken. Der „Schwarzen Tropfen“ macht es sehr schwer, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem die Venusscheibe erstmals den Sonnenrand berührt.

Nur wenig später, ist es möglich, die Venusatmosphäre im Durchlicht zu sehen. Der so genannte Lomonossow-Effekt tritt auf, wenn bereits ein kleiner Teil der Venus über den Sonnenrand hinausragt während der größte Teil noch vor der Sonnenscheibe steht. Da Licht des Taggestirns wird dann durch die dichte Gashülle der Venus gebrochen, so dass der Rand des Planetenscheibchens hell aufleuchtet.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und hoffen auf gutes Wetter am Morgen des 6. Juni 2012 zum Venustransit. Kurzfristige Infos erhalten Sie auch in unserem Twitterfeed.

Wichtiger Warnhinweis: Betrachten Sie die Sonne niemals mit bloßem Auge. Ernsthafte Augenschäden bis zur Erblindung sind möglich. Für die gefahrlose Beobachtung des Venustransits mit bloßen Auge benutzen Sie bitte eine Sonnenfinsternisbrille. Verwenden sie keine berußten Scheiben, Rettungsfolie, CD-Rohlinge oder ähnliches. Diese lassen Teile der Infrarot- und Ultraviolettstrahlung der Sonne passieren, die ihre Augen schädigen können, auch wenn die Helligkeit ungefährlich erscheint. Wollen Sie mit Fernglas oder Teleskop beobachten, verwenden Sie Objektivsonnenfilter aus spezieller Filterfolie oder Glas. Wenden Sie sich an uns, wenn Sie dazu Fragen haben. Sollten Sie gemeinsam mit anderen Personen und Kindern beobachten, stellen Sie sicher, dass alle Filter gegen Herunterfallen und unbefugtes Entfernen gesichert sind.

Autor: Benjamin Knispel

6 Gedanken zu „Venustransit 2012

  1. Hallo,
    und vielen Dank für die vielen guten Infos.

    Wir möchten (2 – 3 Personen) gern den Venustransit 2012 in der Volkssternwarte beobachten.
    Ist das kostenlos ? Sollten wir uns anmelden ? (Wenn ja, soll dies unsere Anmeldung sein.) Müssen wir Brillen mitbringen ?

    1. Lieber Herr Gehrken,
      Sie können den Venustransit 2012 gerne bei uns beobachten, der Eintritt ist frei. Sofern das Wetter mitspielt, können Sie einfach vorbeikommen und gemeinsam mit uns beobachten. Sie brauchen sich auch nicht anzumelden, schauen Sie einfach bei uns vorbei. Wenn Sie eigene Finsternisbrillen haben, können Sie diese gerne mitbringen. Bei uns können sie den Venustransit auch durch Teleskope und Ferngläser beobachten.

      Viele Grüße, Ihr Team der Volkssternwarte Hannover

  2. Ich würde mir gerne den Venustransit anschauen und benötige dazu die von Ihnen empfohlene Sonnenfinsternisbrille. Meine Nachfrage in verschiedenen Optikergeschäften im Wohnort Lehrte fiel negativ aus. Bitte teilen Sie mir mit, wo ich diese Spezialbrille bekomme.
    Ich freue mich auf eine Nachricht und sende beste Grüße
    Karin Brandt

    1. Liebe Frau Brandt,
      Sie könnten versuchen, bei den Optikern in Hannovers Innenstadt nachzufragen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, im Internet zu bestellen. Beispielsweise beim Versandhandel Astromedia können Sie die Brille bestellen (Direktlink zum Produkt: http://astromedia.eu/Astronomie-zum-Anfassen/Die-AstroMedia-Sonnen-Sicht-Brille::178.html). Bei uns in der Sternwarte könne Sie außerdem durch Teleskope und Ferngläser beobachten.

      Viele Grüße, das Team der Volkssternwarte Hannover

  3. Hallo,
    Das Wetter scheint ja morgen eher nicht mitzuspielen. Wird die Sternenwarte trotzdem geöffnet sein, um vielleicht den einen oder anderen Blick auf den Transit zu erhaschen?

    1. Hallo,
      die Sternwarte wird morgen trotz allem zwischen 5 und 7 Uhr MESZ geöffnet sein. Es sieht in der Tat so aus, als würde das Wetter nicht mitspielen, im Zweifelsfall zeigen wir Livestreams von Observatorien aus aller Welt und bieten Kurzvorträge an.

      Bis morgen früh, viele Grüße,
      das Team der Volkssternwarte Hannover e.V.

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