Es brodelt in der Gerüchteküche

Derzeit kochen in der internationalen Gemeinschaft der Astronomen und Kosmologen die Gerüchte über eine möglicherweise spektakuläre Entdeckung hoch. Nach bislang unbestätigten Berichten hat ein Mikrowellen-Teleskop names BICEP am Südpols erstmals Spuren der sogenannten Inflationsphase des Universums nachgewiesen.

Die Entstehung und Entwicklung des Universums (schematisch). Die möglichen neuen Beobachtungen betreffen die Inflationsphase Sekundenbruchteile nach dem Urknall. Unser bislang tiefster Blick in die Vergangenheit des Universums reicht nur bis 380.000 Jahre an den Urknall, wo sich die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung beobachten lässt. Bild: NASA / WMAP Science Team

Die Entstehung und Entwicklung des Universums (schematisch). Die möglichen neuen Beobachtungen betreffen die Inflationsphase Sekundenbruchteile nach dem Urknall. Unser bislang tiefster Blick in die Vergangenheit des Universums reicht nur bis 380.000 Jahre an den Urknall, wo sich die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung beobachten lässt. Bild: NASA / WMAP Science Team

Nach dem allgemein anerkannten Bild entstand unser Universum vor rund 13,8 Milliarden Jahren im Urknall und dehnte sich in Sekundenbruchteilen danach enorm aus. Je nach zugrunde liegenden Annahmen begann sie mit dem Beginn des Urknalls selbst oder 10−35 Sekunden danach und dauerte bis zu einem Zeitpunkt zwischen 10−33 Sekunden und 10−30 Sekunden nach dem Urknall. (10−30 Sekunden sind eine Tausendstel Milliardstel Milliardstel Milliardstel Sekunde). Dabei dehnte sich das Universum um einen Faktor von bis zu einer Billion aus.

Noch ist dies alles reine Theorie, direkt ließen sich bisher noch nie Spuren der Inflation beobachten, denn im Bereich elektromagnetischer Wellen (Licht, Mikrowellen, Röntgenstrahlung und Co.) können wir  frühestens einen Zeitpunkt sehen, der 380.000 Jahre nach dem Urknall liegt – weit, weit nach der Inflationsphase. Dieser Zeitpunkt wird vom Mikrowellenhintergrund abgebildet, dem berühmten „Babyfoto des Universums“.

Nach den aktuellen Gerüchten haben nun Wissenschaftler des Harvard Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) mit dem BICEP-Teleskop Spuren in eben diesem Mikrowellenhintergrund entdeckt, die auf die Inflation hin deuten. Gravitationswellen, von Einstein vorhergesagte Verzerrungen der Raumzeit haben danach ihre eindeutigen Abdrücke im Mikrowellenlicht (genauer: in dessen Schwingungsebene oder „Polarisation“) hinterlassen. Diese Gravitationswellen entstanden als Folge des Inflation. Damit wäre die Messung – sofern zweifelsfrei bestätigt – ein wichtiger Durchbruch, der durchaus mit einem Nobelpreis belohnt werden könnte.

Das Weltraumteleskop Planck, das uns den bislang genauesten Blick auf den Mikrowellenhintergrund lieferte, könnte ebenfalls in der Lage sein, ganz ähnliche Messungen zu machen. Bislang hat das Planck-Team noch keine Polarisationsmessungen veröffentlicht, aber die Ergebnisse könnten noch in diesem Jahr folgen.

Die Auflösung des Gerüchterätsels findet heute Abend ab 17:00 Uhr MEZ  statt, denn dann werden die CfA-Forscher eine Pressekonferenz per Video-Livestream abhalten und ihre Ergebnisse präsentieren, über die derzeit so viel diskutiert wird. Dann werden wir sehen, ob die Messungen tatsächlich so eindeutig und klar sind, oder ob es sich hierbei um einen weiteren Medien-Hype handelt.

Weitere Informationen zu den Gerüchten findet ihr in den folgenden Links und den Links darin:

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/03/15/spekulation-zum-wochenende-was-ist-die-grosse-entdeckung-die-am-montag-bekannt-gegeben-wird/

http://www.theguardian.com/science/2014/mar/14/gravitational-waves-big-bang-universe-bicep

http://trenchesofdiscovery.blogspot.de/2014/03/a-major-discovery-bicep2-and-b-modes.html

Update: Inzwischen ist im Internet eine Email von einem der leitenden Forscher aufgetaucht, aus der hervorgeht, dass die wissenschaftliche Veröffentlichung bereits vor der Pressekonferenz ab 15:45 Uhr MEZ auf dieser Seite http://bicepkeck.org verfügbar sein wird.

Autor: B. Knispel

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