Vorwarnung vor möglichem Polarlicht

Nach einer Eruption auf der Sonne am Mittwochabend ist eine Teilchenwolke in Richtung der Erde unterwegs. Bei ihrer Ankunft am Freitag könnte sie zu Polarlichtern führen, die sogar bis nach Deutschland sichtbar sein könnten.

Auf der Sonne kommt es regelmäßig zu sogenannten koronalen Materieauswürfen (KMA). Dabei wird im starken Magnetfeld der Sonne gespeicherte Energie freigesetzt, mit der dann große Wolken des Sonnengases (Plasma) mit hoher Geschwindigkeit ins All geschleudert werden.

Häufig gehen diese Ausbrüche mit sogenannten Flares einher; dabei leuchtet das durch die freigesetzte Energie erhitzte Sonnengas im UV- und Röntgenbereich auf. Ein solcher Flare der stärksten Klasse (X) wurde am Mittwochabend auf der Sonne beobachtet, hier der Blick des NASA-Satelliten SDO.

Die Sonne bei einer Wellenlänge von 13,1 Nanometer (extrem kurzwelliges UV) am Abend des 10.9.2014 um 19:58 MESZ. (Bild: NASA/SDO/AIA)
Die Sonne bei einer Wellenlänge von 13,1 Nanometer (extrem kurzwelliges UV) am Abend des 10.9.2014 um 19:58 MESZ. (Bild: NASA/SDO/AIA)

Im Laufe der Nacht zeigten weitere Beobachtungen der Sonne mit einem weiteren Sonnenobservatorium im Weltraum, dass der Flare mit einem KMA einherging. Dabei wurde offenbar Sonnenplasma mit einer Geschwindigkeit von rund 1400 Kilometer pro Sekunde ins All geschleudert. Da die aktive Region auf der Sonne genau mittig auf der Sonnenscheibe sitzt, ist der resultierende KMA geoeffektiv, d.h. genau in Richtung der Erde unterwegs.

Nach Modellrechnungen des NASA Goddard Space Flight Center wird die Erde in allen simulierten Fällen getroffen. Die Ankunftszeiten des KMA liegen zwischen 6:16 MESZ am 12.9. und 23:39 UTC am selben Tag und damit in den Tageslichtstunden für Mitteleuropa. Die durchschnittliche Ankunftszeit aus dem Ensemble der Modellrechnungen  ist 15:39 MESZ. Danach wird es vermutlich auf eine mögliche Polarlichtaktivität in der Nacht von Freitag auf Samstag hinauslaufen. Folgende Animation zeigt die Ausbreitung des KMA aus den Modellrechnungen:

Simulierte Ausbreitung des koronalen Materieauswurfs in Richtung Erde. Links der Blick auf das Sonnensystem senkrecht zur Erdbahnebene, mittig in der Erdbahnebene, rechts ein Schnitt in Erdentfernung. (Bild: NASA GSFC)
Simulierte Ausbreitung des koronalen Materieauswurfs in Richtung Erde. Links der Blick auf das Sonnensystem senkrecht zur Erdbahnebene, mittig in der Erdbahnebene, rechts ein Schnitt in Erdentfernung. (Bild: NASA GSFC)

Das Polarlicht entsteht, wenn die geladenen Teilchen des Materieauswurfs in die Erdatmosphäre eindringen und dort die Lufthülle zum Leuchten anregen. Da die Ausbreitung der geladenen Teilchen des Sonnenplasmas vom Erdmagnetfeld beeinflusst werden, lassen sich Polarlichter üblicherweise nur in einem Ring um die magnetischen Pole der Erde beobachten. Bei sehr intensiven Materieauswürfen kann die Plasmawolke jedoch das Erdmagnetfeld auch weiter südlich durchdringen, so dass die Polarlichter auch weiter südlich sichtbar werden können.

Zur Beobachtung von Polarlichtern ist ein dunkler Standort von Vorteil, auch darf der Himmel selbstverständlich nicht bewölkt sein. Letzteres könnte im Raum Hannover in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Problem darstellen. Zusätzlich wird der helle Mond nur wenige Tage nach Vollmond die Beobachtungen stören.

Autor: B. Knispel

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