Monatssternenhimmel

Der Rote Überriese Antares funkelt tief im Süden

Der Sternenhimmel im Juni/Sonnenwende und helle Nächte/Halbschattenfinsternis ist schwierig zu beobachten

Am 20. Juni um 23.44 Uhr erreicht die Sonne im Sternbild Stier die höchste Stelle ihrer Jahresbahn. Dieses Ereignis markiert nach unserem Kalender den Sommeranfang. Und weil sich das Tagesgestirn anschließend gleich wieder an den Abstieg im Tierkreis macht, spricht man auch von der Sommersonnenwende. An diesem längsten Tag des Jahres erreicht die Sonne auf unserem Breitengrad eine Mittagshöhe von 61 Grad und steht damit viermal so hoch wie zum Winteranfang. Nachts sinkt sie dagegen nur wenig unter den Horizont und sorgt zum Leidwesen der Sternfreunde dafür, dass unsere Nächte von der Mitternachtsdämmerung durchgehend aufgehellt werden.

Je weiter man von uns aus nach Norden kommt, umso heller, weißer werden die Nächte. Der berühmte russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski hat diese „Weißen Nächte von St. Petersburg“ in einer gleichnamigen Novelle aus dem Jahr 1848 beschrieben. Und auf dem nördlichen Polarkreis, das ist der Breitenkreis von 67 Grad nördlicher Breite, der unter anderem durch Norwegen, Schweden und Finnland verläuft, geht die Sonne am Tag der Sonnenwende überhaupt nicht mehr unter, sie tangiert dann als Mitternachtssonne den nördlichen Horizont.

Wenn man dagegen von uns aus gen Süden reist, nehmen die Mittagshöhen der Sonne zu, und zwar pro Breitengrad auch jeweils um ein Grad an Höhe. So steht die Sonne etwa in München, auf einer Breite von 48 Grad, mittags schon um 4 Grad höher als in Hannover, das auf dem 52.ten Breitengrad liegt. Man kann sich dann leicht ausrechnen, wo die Mittagssonne zur Sonnenwende genau senkrecht im Zenit steht: Das ist der Fall auf dem 23.ten Breitengrad, der auch „Nördlicher Wendekreis“ genannt wird und der unter anderem durch Nordafrika verläuft.

Dass das Sonnenlicht je nach Breitengrad unterschiedlich steil einfällt, ist eine Folge der Kugelgestalt unserer Erde. Bei einer flachen Erdscheibe, wie sie sich die ganz frühen Kulturen vorstellten, wäre die Sonnenhöhe überall die gleiche. Aber schon im antiken Griechenland hatte man die richtige Vorstellung, dass die Erde Kugelgestalt haben müsste. Und im später 3.ten Jahrhundert vor Christi hat der griechische Gelehrte Eratosthenes diese Breitenabhängigkeit des Sonnenstandes dazu verwendet, um den Umfang der gesamten Erdkugel schon recht genau zu bestimmen.

Der Mond zeigt sich zu Beginn des Juni in zunehmender Phase am Abendhimmel und steht am 5. als Vollmond im Sternbild Schlangenträger. Für diesen Abend verzeichnen die astronomischen Jahrbücher eine sogenannte Halbschattenfinsternis des Mondes. Dabei wandert unser Trabant nur durch die äußeren und im Gegensatz zum dunklen Kernschatten nur wenig abgedunkelten Bereiche des Erdschattens. Entsprechend gering ist die Lichtminderung, die sich dabei auf der Vollmondscheibe abzeichnet. Daher muss man bei Halbschattenfinsternissen schon genau hinschauen, um überhaupt einen Finsterniseffekt zu bemerken. Erschwerend kommt diesmal noch hinzu, dass der Mond auf dem Höhepunkt der Finsternis um 21.25 Uhr, wenn er etwa zur Hälfte in den Halbschatten eingetaucht ist, bei uns soeben aufgeht. Vielleicht lässt sich aber anschließend, nachdem der Mond etwas an Höhe gewonnen hat, doch noch eine leichte Lichtminderung rechts unten auf der Mondscheibe wahrnehmen. Manchmal ist diese geringe Abschattung auf Fotos auch deutlicher zu sehen als mit bloßen Augen, so dass es sich vielleicht lohnt, den Mond kurz nach seinem Aufgang einmal zu fotografieren. Dabei sollte man möglichst den Kamerazoom benutzen und dann natürlich ein Stativ verwenden, um ein Verwackeln zu vermeiden. Beim Austritt des Mondes aus dem Halbschatten (um 23.07 Uhr) ist von der Finsternis aber längst nichts mehr erkennbar.

Bald nach Vollmond zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück. Dort kommt es in den Morgenstunden des 9. zu einem hübschen Himmelsanblick, wenn der abnehmende Mond nahe beim Planetenpaar Jupiter-Saturn steht. Bald nach Mitternacht kommt dieses Gestirnstrio im Südosten über den Horizont und ist gegen 3.30 Uhr, wenn die Dämmerung schon recht weit fortgeschritten ist, niedrig im Süden zu sehen. Jupiter und Saturn, die beiden größten Planeten des Sonnensystems, sind den ganzen Juni über ab den späteren Nachtstunden am Himmel zu beobachten und bilden ein auffälliges Gestirnspaar. Dabei steht der Ringplanet Saturn kaum eine Faustbreite (anvisiert bei ausgestreckten Arm) links neben dem imposant hellen Jupiter.

Noch ein gutes Stück weiter links von diesem Planetenduo zeigt sich in den Morgenstunden mit Mars ein weiterer Planet. Am 13. steht der abnehmende Halbmond direkt unterhalb des Roten Planeten. Auf seinem weiteren Weg trifft der Mond am 19. auf die Venus und zieht dabei in den Vormittagsstunden über den Planeten hinweg. Es kommt also zu einer seltenen Venus-Bedeckung, die jedoch nur von gut ausgerüsteten Spezialisten beobachtet werden kann, weil sie am hellen Taghimmel stattfindet. Mit bloßen Augen kann die Venus erst wieder in den letzten Junitagen aufgefunden werden, wenn sie in der Morgendämmerung am Osthimmel auftaucht.

Neumond wird diesmal am 21. erreicht, und dabei kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Sie ist aber leider von Mitteleuropa aus nicht zu beobachten, der Mondschatten wandert von Afrika über Asien nach Osten bis zum Pazifik. Bald nach dem Neumond zeigt sich der zunehmende Mond dann wieder in den Abendstunden und erreicht am 28. das Erste Viertel im Sternbild Jungfrau.

Gegen Mitternacht ist die Dämmerung genügend fortgeschritten, um nach den Sternbildern Ausschau halten zu können. Dann findet man hoch im Nordwesten die bekannte Figur des Großen Wagens. Wenn man die gekrümmte Linie der Wagendeichsel nach links hin verfolgt, trifft man im Südwesten auf den hellen Stern Arktur im Bootes und im weiteren Verlauf auf Spica in der Jungfrau. Tief im Süden funkelt der rötliche Hauptstern des Skorpions, Antares. Astronomen klassifizieren diesen etwa 600 Lichtjahre entfernten Stern als Roten Überriesen, der etwa 700 mal so groß wie unsere Sonne ist. Und rechtzeitig zum Sommeranfang ist hoch am Osthimmel das Sommerdreieck zu sehen, das von den drei hellen Sternen Wega, Deneb und Atair gebildet wird.

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.05.20 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.05.20 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten