Monatssternenhimmel

Der Sternenhimmel im September

Dies ist die ausführliche Übersicht für alle astronomischen Ereignisse in diesem Monat. Für die Eiligen haben wir noch das Astro-Stenogramm.

Ein hübscher Gestirnsreigen am Morgenhimmel

Der Sternenhimmel im September/Herbstanfang/Raumsonde Cassini wird in den Saturn gesteuert

Mit der Tag- und Nachtgleiche am 22. September beginnt für die Nordhalbkugel der Erde der Herbst. Ebenso wie auch der Beginn der übrigen Jahreszeiten wird dieser Termin vom Lauf der Sonne bestimmt. Wenn sie auf ihrer jährlichen Wanderung durch den Tierkreis den Himmelsäquator im sogenannten Herbstpunkt überquert, ist nach unserem Kalender Herbstanfang.

Der Tierkreis ist wohl zumindest dem Namen nach vielen Lesern vertraut. Wenn man ihn auf einem Himmelsglobus einzeichnet, stellt er einen den ganzen Globus umfassenden sogenannten Großkreis dar, der durch die bekannten Tierkreissternbilder verläuft. Auch der Himmelsäquator ist ein solcher Großkreis, der durch bestimmte Sternbilder verläuft und senkrecht auf der Erdachse steht. Diese beiden für die Astronomie wichtigen Kreise schneiden sich an zwei Stellen, dem Frühlingspunkt im Sternbild der Fische und dem Herbstpunkt in der Jungfrau. Wenn die Sonne auf ihrem Jahreslauf einen dieser Kreuzungspunkte erreicht, ist Frühlings- beziehungsweise Herbstanfang.

Der Mond steht zu Beginn des September in zunehmender Phase am Abendhimmel und erreicht am 6. Vollmond im Wassermann. Mit dem Letzten Viertel, am 13. im Sternbild Stier, zieht er sich an den Morgenhimmel zurück. Nach Neumond am 20. zeigt sich die schmale Sichel des jungen Mondes erstmals am 22. wieder für kurze Zeit in der Abenddämmerung. Bis zum Monatsende ist der Erdbegleiter dann am Abendhimmel zu finden und erreicht am 28. das Erste Viertel.

Am 26. kann der Mond als Wegweiser zum Saturn dienen. Wenn es an diesem Abend dunkel genug geworden ist, zeigt sich der Planet links neben dem Erdtrabanten. Seit nunmehr dreizehn Jahren befindet sich die Raumsonde Cassini im Umlauf um den Ringplaneten und hat in dieser Zeit hunderttausende spektakuläre Aufnahmen von Saturn, seinem Ringsystem und zahlreichen Monden geliefert. Ein Schwerpunkt lag auf der Erforschung des größten Saturnmondes Titan, der mit seinen Flußläufen und Seen aus Methan einzigartig im Sonnensystem ist. Nun aber steht das Ende dieser erfolgreichen Mission bevor: Cassini wird planmäßig am 15. September in den Gasplaneten gesteuert und in der Saturnatmosphäre verglühen.

Frühaufstehern bieten sich in den Tagen vom 10. bis 20. September viele hübsche Himmelsszenen in der Morgendämmerung. Dort haben sich über dem Osthorizont mit der hellstrahlenden Venus sowie Merkur und Mars (beide links unterhalb von Venus) gleich drei Planeten versammelt. Hinzu kommt noch der Löwenstern Regulus und auch die abnehmende Mondsichel gesellt sich hinzu. Am Morgen des 10. zeigen sich kurz vor 6 Uhr Merkur und Regulus dicht nebeneinander. Noch enger ist die Begegnung von Merkur und Mars am 17. September – beide stehen dann weniger als einen Vollmonddurchmesser voneinander entfernt. Ein besonders hübscher Anblick ergibt sich am 18. etwa ab 5:15 Uhr, wenn die schmale Mondsichel unterhalb von Venus und dicht unter Regulus steht. Nur bei klarer Horizontsicht wird man die haarfeine Mondsichel am nächsten Morgen noch unter dem Paar Merkur-Mars erspähen können. Der Gestgirnsreigen schließt am 20., wenn die imposant leuchtende Venus dicht neben Regulus steht.

Unsere Karte zeigt den Anblick des Sternenhimmels, wie er sich an Septemberabenden gegen 22 Uhr bietet. Manche sternkundliche Laien, die sich an Hand der Karte am Himmel zurechtfinden möchten, haben Probleme mit der richtigen Orientierung. So wird öfter gefragt, ob die Markierung der Himmelsrichtungen am Rand der Sternkarte nicht verkehrt angebracht ist. Dies ist aber nicht der Fall. Die Karte gibt den Himmelsanblick korrekt wieder, wenn man sie – so wie ein Himmelsgewölbe – senkrecht über sich hält. Dabei lässt sie sich auch noch so drehen, dass die am Kartenrand angegebenen Richtungen (N,O,S,W) mit den tatsächlichen Himmelsrichtungen übereinstimmen.

Natürlich ist es unzweckmäßig, die Karte in dieser Weise zu halten. Wenn man sie aber nicht über sich hält, sondern sie vielleicht vor sich auf den Tisch legt, wird das Kartenbild gespiegelt – Norden und Süden sind vertauscht, und die Richtungsmarkierungen am Kartenrand lassen sich nun nicht mehr mit den wahren Himmelsrichtungen zur Deckung bringen. Für die Beobachtungspraxis stellt dies aber kein wirkliches Problem dar. Denn man wird ohnehin jeweils nur einen Ausschnitt des gesamten Himmels beobachten wollen, also zum Beispiel nur den Westhimmel. Dann hält man die Karte zum Vergleich mit dem Himmel am besten vor sich und dreht sie so, dass die Markierung „W“ (Westen) am Kartenrand unten steht. Über dem „W“ sind nun die Sternbilder des Westhimmels zu sehen.

Dort im Westen neigt sich zu unserer Beobachtungszeit der Bootes mit dem orange leuchtenden Arktur schon dem Untergang zu. Weiter rechts, im Nordwesten, zeigen sich die sieben hellen Sterne des Großen Wagens. Hoch am Südhimmel steht das Sommerdreieck. Seine Eckpunkte werden durch die auffälligen Sterne Atair im Adler, Wega in der Leier und Deneb im Schwan markiert. Zwar kann Deneb an Helligkeit nicht ganz mit Wega und Atair mithalten, aber das täuscht über seine wahre Leuchtkraft. Denn während Wega und Atair mit Entfernungen von 25 beziehungsweise 16 Lichtjahren zu den Sternen der Sonnenumgebung gehören, ist Deneb rund hundertmal so weit von uns entfernt. Tatsächlich ist Deneb ein sogenannter Überriese mit einer Leuchtkraft vom 50000-fachen unserer Sonne. Stünde er uns so nahe wie Wega, so würde er unsere Nächte mondhell erleuchten und wäre auch leicht am hellen Tag zu sehen.

Durch Schwan und Adler zieht sich die Sommermilchstraße bis hinab zum Horizont im Südwesten. Ihre schimmernden Sternwolken gehören zu den faszinierendsten Eindrücken, die der Sternenhimmel zu bieten hat – aber nur, wenn der Himmel nicht durch den Mond oder den Lichtdom naher Städte aufgehellt wird. Mit einem Fernglas lassen sich die Milchstraßenwolken in ein beeindruckendes Gewimmel schwacher Sternchen auflösen. Unter guten Bedingungen, etwa im Gebirge oder an der See, kann man auch die schwächeren Milchstraßenpartien erkennen, die sich vom Schwan über die Cassiopeia und den Perseus bis zum Horizont im Nordwesten erstrecken.

Der Sternenhimmel über Hannover am 15. September 2017 um 0:00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15. September 2017 um 0:00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten