Monatssternenhimmel

Merkur zieht über die Sonnenscheibe

Der Sternenhimmel im November/Drei Planeten in der Abendämmerung/ 20 neue Saturnmonde entdeckt

Im November setzt die Sonne ihren Abstieg im Tierkreis fort. Sie wandert zunächst durch die Waage, durchquert dann in der Woche vom 23. bis 30. den Skorpion und erreicht am Monatsletzten das Gebiet des Schlangenträgers. Ihr Tagesbogen über den Himmel wird jetzt immer flacher und kürzer, und am Monatsende ist der Sonnenstand fast schon so niedrig wie zur Wintersonnenwende.

Der Mond zeigt sich zu Beginn des Monats als zunehmende Sichel am Abendhimmel und steht am 2. links neben dem Saturn. Das Erste Viertel wird am 4. im Steinbock erreicht, und am 12. ist unser Trabant als Vollmond die ganze Nacht über am Himmel zu sehen. Nach dem Letzten Viertel, am 19. im Sternbild Löwe, zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück. Dort begegnet er am 24. dem Mars und am 25. dem Merkur. Bald nach Neumond, am 26. im Skorpion, erscheint die junge Mondsichel wieder in der Abenddämmerung. Dabei ergibt sich am 28. ein besonders hübscher Anblick, wenn die Mondsichel ab 17 Uhr tief im Südwesten zwischen den hellen Planeten Venus und Jupiter zu sehen ist. Gegen 17.45 Uhr geht dieses Gestirnstrio allerdings schon unter, so dass man nicht zu spät Ausschau halten darf. Die Begegnung des Mondes mit Saturn am folgenden Abend ist dagegen weniger spektakulär.

Merkur, der kleinste Planet des Sonnensystems, sorgt für das astronomische highlight des Monats. Seine Umlaufbahn um die Sonne verläuft weit innerhalb der Erdbahn, und so kann er in seltenen Fällen auch genau zwischen Erde und Sonne hindurchlaufen. Von der Erde aus gesehen, zieht er dann langsam als winziges schwarzes Scheibchen über die Sonnenscheibe. Ein solcher Merkurdurchgang ereignet sich nun am Nachmittag des 11. November. Mit bloßen Augen (auch wenn sie durch eine Sonnenfinsternisbrille geschützt sind) lässt sich dieses Ereignis allerdings nicht beobachten, dafür ist das Merkur-scheibchen einfach viel zu klein – fast zweihundertmal kleiner als die Sonnenscheibe!

Man braucht also optische Hilfsmittel, um den Merkur vor der Sonne zu erkennen. Schon ein handelsübliches Fernglas reicht dafür aus. Aber natürlich darf man damit auf keinen Fall ungeschützt in die Sonne schauen! Dass dies schon mit bloßen Augen schmerzhaft ist, weiß wohl jeder. Und wenn man bedenkt, dass ein Fernglas die hundertfache Lichtmenge oder mehr ins Auge lenkt, ist klar, dass irreparable Augenschäden drohen, wenn man damit ungeschützt in die Sonne blickt. Eine gefahrlose Beobachtungsmethode ist es dagegen, wenn man sein Fernglas auf ein Stativ montiert und das Sonnenbild hinter dem Okular mit einem weißen Karton auffängt. Um doppelte Sonnenbilder zu vermeiden, kann man noch eines der beiden Objektive des Feldstechers abdecken. Wenn das Sonnenbild dann scharf gestellt ist, sollte Merkur darauf als schwarzes Pünktchen zu erkennen sein. Diese Projektionsmethode lässt sich bei Amateurfernrohren natürlich ebenso anwenden. Manche besser ausgerüstete Amateure haben für ihr Fernrohr spezielle Filter, die das Sonnenlicht so extrem dämpfen, dass man dann auch gefahrlos direkt in die Sonne schauen kann.

Merkurdurchgänge gehören zu den eher seltenen Himmelserscheinungen, sie treten 13 oder 14 mal im Jahrhundert auf. Zuletzt konnte man den Merkur im Mai 2016 über die Sonne wandern sehen, der nächste Durchgang ist erst im Jahr 2032 zu erwarten. Der diesjährige Transit am 11. November erfolgt nach folgendem Zeitplan: Um 13.35 Uhr tritt Merkur am linken Sonnenrand ein und beginnt seine langsame Wanderung über die Sonnenscheibe. Gegen 16.20 Uhr befindet er sich etwa in der Mitte der Sonne. Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne bei uns allerdings bereits kurz vor ihrem Untergang, der um 16.36 erfolgt. Daher kann man den weiteren Ablauf des Ereignisses bis zum Austritt Merkurs um 19.04 Uhr von unserem Gebiet aus leider nicht mehr verfolgen.

Nach dem Transit entfernt sich der Merkur dann (am Himmel gesehen) wieder von der Sonne, und in der letzten Monatsdekade zeigt sich dieser selten sichtbare Planet zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr wieder tief im Südosten in der Morgendämmerung. Dabei steht die haarfeine Sichel des abnehmenden Mondes am Morgen des 25. dicht neben Merkur und kann so als Aufsuchehilfe dienen. Schräg rechts oberhalb von Merkur lässt sich auch der Mars entdecken. Dieser nach Merkur zweitkleinste Sonnenplanet beginnt im November eine neue Sichtbarkeitsperiode, die bis ins Jahr 2021 andauern wird.

Weitere helle Planeten sind am frühen Abend zu beobachten. Jupiter und Saturn, die beiden Gasriesen, zeigen sich den ganzen Monat über in der Dämmerung tief im Südwesten. Dabei steht der hellere Jupiter ein Stück weit rechts von Saturn, er geht allerdings am Monatsende bereits gegen 17.30 Uhr unter. Saturn machte kürzlich Schlagzeilen, weil Forscher mit dem Subaru Teleskop auf Hawaii gleich 20 neue, allerdings jeweils nur ein paar Kilometer große Saturnmonde entdeckt haben, so dass nun insgesamt 82 Monde des Ringplaneten bekannt sind. Jupiter und Saturn stehen anfangs allein am Dämmerungshimmel, aber etwa ab der Monatsmitte taucht schräg rechts unterhalb von Jupiter auch die Venus auf, die eine neue Periode als Abendstern beginnt. Sie läuft auf Jupiter zu, den sie am 24. überholt. An diesem Abend bilden Venus und Jupiter ein spektakuläres Planetenpaar, das sicher viele Blicke auf sich ziehen wird. Ab 17 Uhr lohnt es sich, nach diesem Planetenduo tief im Südwesten Ausschau zu halten. Eine dreiviertel Stunde später sinken beide Gestirne aber schon unter den Horizont.

Wer später am Abend, etwa gegen 22 Uhr, nach den Sternbildern suchen will, findet den Großen Wagen in niedrigster Stellung am Nordhimmel. Weiter links, im Westen, zeigen sich noch die Sterne des Sommerdreiecks. Hoch im Süden stehen das kleine Sternbild Widder und noch höher die Sternenkette der Andromeda. Prächtiger sieht es nun am Osthimmel aus: Dort sind schon der Orion und viele Wintersternbilder mit ihren hell funkelnden Sternen aufgegangen.

 

 

Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.11.19 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.11.19 um 0.00 Uhr MEZ.

Autor: Volker Kasten