Monatssternenhimmel

Enttäuschung und Hoffnung für Kometenfreunde

Der Sternenhimmel im Mai/Die Mitternachtsdämmerung beginnt/Großer Vollmond/Jupiter und Saturn bilden Planetenpaar

Im Mai wandert die Sonne zunächst durch den Widder und wechselt am 14. in das nächste Tierkreissternbild, den Stier. Während sie tagsüber nun immer größere Höhen am Himmel erreicht, sinkt sie nachts nur noch wenig unter den Horizont. Daher bleiben Sternfreunden leider nur noch wenige Nachtstunden für eine Beobachtung des Sternenhimmels. So dauert die astronomische Dunkelheit zwar zu Monatsbeginn noch von 23.30 Uhr bis 3.15 Uhr, aber ab den letzten Maitagen wird es auf unseren Breiten überhaupt nicht mehr „astronomisch“ dunkel – die Zeit der Mitternachtsdämmerung beginnt.

Unser Tagesgestirn, die Sonne, erscheint uns am Himmel als eine gleißend helle Scheibe. Wir sehen dort ihre fast 6000 Grad heiße, strahlende „Oberfläche“, die sogenannte Photosphäre der Sonne. Die Sonne besitzt aber auch so etwas wie eine Atmosphäre. Bei Sonnenfinsternissen oder auch mit geeigneten Instrumenten kann man nämlich beobachten, dass sie noch von einem großen, schwach schimmernden Strahlenkranz umgeben ist, der sogenannten Korona (lateinisch Corona, für Krone oder Kranz). Beim Wort „Corona“ werden die meisten Menschen in dieser schwierigen Zeit allerdings eher an das Coronavirus denken. Diese Namensgleichheit scheint auch nicht rein zufällig zu sein. Im Jahr 1968 hat nämlich ein Team von Virologen einer neu entdeckten Virusgruppe den Namen „Coronaviren“ gegeben, weil sie in ihrem Aussehen entfernt an die Sonnenkorona erinnern.

Der zunehmende Mond steht zu Monatsbeginn am Abendhimmel und erreicht am 7. im Sternbild der Waage Vollmond. Weil unser Trabant am Vortag den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn durchlaufen hat, steht er uns auch am Vollmondstag noch ziemlich nahe, so dass die voll beleuchtete Mondscheibe am Himmel recht groß erscheinen wird, besonders, wenn sie sich kurz nach ihrem Aufgang (um 21.07 Uhr) niedrig über dem Südosthorizont zeigt. Schon in den beiden Vormonaten war die Situation ähnlich, und manche Medien werden auch dieses Mal wieder mit der Ankündigung eines „Supermondes“ bei Laien viel zu große Erwartungen wecken.

Bald nach Vollmond zieht sich unser Trabant an den Morgenhimmel zurück. Dort zeigt sich der abnehmende Mond in den Morgenstunden des 12. und auch nochmals am 13. bei den hellen Planeten Jupiter und Saturn. Dieses hübsch anzuschauende Gestirnstreffen kann man ab 2.30 Uhr tief im Südosten beobachten, so lange, bis die zunehmende Dämmerung die Planeten verblassen lässt. Jupiter, der hellere von beiden, und Saturn bilden den ganzen Monat über ein auffälliges Planetenduo in den Morgenstunden. Sie stehen am Himmel gesehen nur eine halbe Faustbreite (bei ausgestrecktem Arm anvisiert) auseinander. Bis zum Dezember werden sie sich weiter annähern, dann kommt es zu einer seltenen „Großen Konjunktion“ dieser beiden Planetenriesen des Sonnensystems.

Am 14. steht der Mond im Letzten Viertel, und am Morgen darauf, dem 15., begegnet er mit Mars einem weiteren Planeten. Nach dem Neumond, am 22. im Stier, zeigt sich die haarfeine Sichel des jungen Mondes erstmals wieder am 24. für kurze Zeit in der Abenddämmerung. An diesem Abend steht sie links neben dem selten sichtbaren Merkur und kann so als Aufsuchehilfe dienen. Schräg rechts unterhalb von Merkur leuchtet auch noch die Venus. Um diese drei Gestirne zu beobachten, ist das Zeitfenster allerdings eng. Am günstigsten ist es, gegen 22.20 Uhr Ausschau zu halten. Mond, Merkur und Venus stehen dann dicht im Nordwesten über dem Horizont und gehen schon bald nach 23 Uhr unter.

Die jetzige Sichtbarkeitsperiode von Merkur dauert etwa vom 18. bis 28. Mai und ist die letzte Abendsichtbarkeit für dieses Jahr. Er hält sich dabei in der Nähe der Venus auf und steht am 22. dicht neben dem viel helleren Abendstern. Die imposant strahlende Venus war in den letzten Monaten am Abendhimmel zu bewundern, nun geht ihre Abendsternperiode in den letzten Maitagen zu Ende. Am Himmel gesehen, bewegt sie sich rasch auf die Sonne zu und wird schließlich in deren Strahlenbereich unsichtbar. Räumlich gesehen, vom Weltall aus, steht sie jetzt fast zwischen Erde und Sonne und zeigt daher eine Sichelgestalt, ganz ähnlich wie auch der Mond kurz vor oder nach Neumond. Daher lohnt es sich in diesem Monat, die Venus auch einmal im Fernglas anzuschauen. Wenn man das Glas scharf eingestellt hat, zeigt sich unser Nachbarplanet als eine hübsche, aber winzig kleine weiß strahlende Sichel.

Kometenfreunde erleben zur Zeit ein Wechselbad der Gefühle. Noch vor einigen Wochen machte der Ende Dezember entdeckte Komet C/2020 Y4 Atlas endlich wieder einmal Hoffnung auf eine helle Kometenerscheinung am Maihimmel. Aber dann kam Anfang April die große Enttäuschung – der Kometenkern zerbrach in mehrere Teile und die Kometenhelligkeit fiel stark hinter den Erwartungen zurück. Selbst wenn der Komet sich nicht völlig auflösen sollte, so wird er doch keine nennenswerte Kometenerscheinung mehr liefern.

Ein Ende März neu entdeckter Komet weckt jedoch wieder Hoffnung. Er trägt die wissenschaftliche Bezeichnung C/2020 F8 Swan und könnte in der letzten Maidekade wenigstens so hell werden, dass man ihn tief am Nordhimmel auch mit bloßen Augen erspähen kann. Er wandert dann vom Perseus hinüber zum Fuhrmann und steht am Monatsletzten in der Nähe von Capella, die gegen Mitternacht eine Faustbreite hoch über dem Nordhorizont als heller Stern zu sehen ist. Allerdings ist die Helligkeit besonders von neu entdeckten Kometen immer schwer vorhersagbar, und so weiß zur Zeit noch niemand, ob dieser Komet die Erwartungen erfüllt. Für tagesaktuelle Informationen sollte man sich daher am besten im Internet informieren (nach C/2020 F8 googeln).

Gegen Mitternacht steht der Große Wagen hoch im Nordwesten. Löwe und Jungfrau sind schon nach Südwesten abgerückt, und hoch am Südhimmel leuchtet der gelblich getönte Arktur im Sternbild Bärenhüter (Bootes), der dritthellste Stern des gesamten Sternenhimmels. Im Osten zeigt sich nun schon das Sommerdreieck mit den auffälligen Sternen Wega, Deneb und Atair.

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.05.20 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.05.20 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten