Monatssternenhimmel

Der Sternenhimmel im Juni

Dies ist die ausführliche Übersicht für alle astronomischen Ereignisse in diesem Monat. Für die Eiligen haben wir noch das Astro-Stenogramm.

Mitternachtsdämmerung lässt die Sterne verblassen

Der Sternenhimmel im Juni/Sonnenwende am 21./Mond bei Jupiter/Saturn in Opposition

Nach ihrem sechsmonatigen Anstieg im Tierkreis erreicht die Sonne nun zur Sonnenwende am 21. Juni den höchsten Punkt ihrer Jahresbahn und markiert damit nach unserem Kalender den Sommeranfang. An diesem längsten Tag des Jahres bleibt unser Tagesgestirn rund 17 Stunden lang über dem Horizont und steht zur Mittagszeit 61 Grad hoch im Süden, das ist viermal so hoch wie beim Winteranfang.

Eine Folge des hohen Sonnenstandes ist allerdings auch, dass die Sonne in den Juninächten nur wenig unter den Horizont sinkt, so dass es auf unseren Breiten nachts nicht mehr völlig (astronomisch) dunkel wird. Je weiter man auf der Erdkugel nach Norden kommt, umso heller sind diese „weißen Nächte“. Und ab dem Polarkreis, der auf einer geographischen Breite von 67 Grad unter anderem durch die nördlichen Teile von Finnland, Schweden und Norwegen verläuft, sinkt die Sonne am Tag der Sonnenwende überhaupt nicht mehr unter den Horizont. Dort kann man also das Schauspiel der Mitternachtssonne erleben. Direkt am Nordpol ist dies allerdings kein besonderes Ereignis, denn dort geht die Sonne das gesamte Sommerhalbjahr über nicht unter.

In unseren Tagen ist die Sommersonnenwende vor allem Anlass zu fröhlichen Festen, besonders in Nordeuropa, und mancherorts auch zu esoterisch motivierten Veranstaltungen. In früher Zeit haben jedoch die Sonnenwenden (im Sommer wie im Winter) für die Menschen, die ja viel stärker als wir von den Jahreszeiten und dem Sonnenlauf abhängig waren, eine große Bedeutung gehabt. Jahrtausende alte Zeugnisse belegen, dass die damaligen Menschen bereits den Sonnenlauf beobachtet und versucht haben, die Zeitpunkte der Sonnenwenden zu bestimmen.

Vielleicht eines der ältesten Zeugnisse astronomischer Beobachtungen ist der Turm von Jericho im Westjordanland, der ja auch in der Bibel erwähnt wird. Dieses acht Meter hohe Bauwerk wurde im Jahr 1952 im Zuge archäologischer Ausgrabungen freigelegt und dürfte vor etwa elftausend Jahren erbaut worden sein. Im Inneren befindet sich eine Treppe, die so orientiert ist, dass sie in die Richtung zeigt, in der dort die Sonne am Tag der Sommersonnenwende untergeht. Archäologen der Universität Tel Aviv vertreten daher die Ansicht, dass der Turm erbaut wurde, um den Tag der Sonnenwende festzustellen.

Rund siebentausend Jahre alt ist das Sonnenobservatorium von Goseck nahe Naumburg in Sachsen-Anhalt. Es wurde erst im Jahr 1991 auf Luftaufnahmen entdeckt und besteht aus zwei konzentrischen Palisadenringen, in denen drei Tore den Blick nach Norden, Südosten und Südwesten freigeben. In den letzten beiden Öffnungen zeigt sich die Sonne am Tag der Wintersonnenwende bei ihren Auf- beziehungsweise Untergang.

Auch die bis zu fünftausend Jahre alte und gut hundert Meter große Anlage von Stonehenge in England könnte der Sonnenbeobachtung gedient haben, wenn auch ihre genaue Bedeutung weiterhin umstritten ist. Einer der Steinblöcke, der so genannte Fersenstein, zeigt die Richtung zum Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende an. Wer das Programm Google Earth auf seinem Computer hat, kann sich übrigens diese Anlage wie auch die von Goseck gut auf dem Monitor betrachten.

Der Mond beginnt den Juni in zunehmender Phase und steht gleich am 1. als Halbmond am Abendhimmel. Ein hübscher Anblick bietet sich in der Nacht vom 3. zum 4. Juni, wenn der inzwischen schon etwas rundlichere Mond dicht beim hellen Jupiter steht. Am 9. ist Vollmond erreicht. Dabei steht unser Trabant im Sternbild Schlangenträger, also in den tiefsten Regionen des Tierkreises, und zieht daher nur einen kurzen und flachen Bogen über den Nachthimmel. In der Nacht zum 10. steht die voll beleuchtete Mondscheibe dicht über dem Saturn, der dabei aber wegen des hellen Mondlichtes kaum zur Geltung kommt.

Ab dem 13. zieht sich der inzwischen abnehmende Mond an den Morgenhimmel zurück und erreicht am 17. im Sternbild Wassermann das Letzte Viertel. In der Morgendämmerung des 21. zeigt sich die nun schon sehr schmale Mondsichel gegen 4 Uhr tief im Osten unterhalb von Venus. Am 24. hat der Mond schließlich die Sonne am Himmel eingeholt und zieht dann als Neumond gemeinsam mit ihr über den Taghimmel. Nach Neumond erscheint die junge Mondsichel wohl erstmals wieder am 26. in der Abenddämmerung.

Spät am Abend, wenn die Dämmerung genügend fortgeschritten ist, wird mäßig hoch am Südwesthimmel der Planetenriese Jupiter sichtbar. Er ist nach Venus, die im Juni aber in der Morgendämmerung steht und dadurch nicht recht zur Geltung kommt, der hellste aller Planeten und daher auch in den aufgehellen Juninächten bis zu seinem Untergang in den frühen Morgenstunden noch ein auffälliges Gestirn.

Auch der Ringplanet Saturn steht in den kurzen Juninächten am Himmel. Er zählt zwar durchaus zu den hellen Gestirnen, kann es aber an Helligkeit bei weitem nicht mit Jupiter aufnehmen. Gegen 1 Uhr findet man ihn niedrig im Süden, im Sternbild Schlangenträger. Saturn erreicht am 15. seine diesjährige Oppositionsstellung zur Sonne, steht ihr dann also am Himmel gesehen genau gegenüber.

Die Beobachtung der Sternbilder leidet bei uns im Juni unter der Mitternachtsdämmerung, die schwächere Sternchen erst gar nicht erkennen lässt. Vor Mitternacht lohnt sich daher kaum ein Blick zum gestirnten Himmel, am dunkelsten ist es erst kurz nach ein Uhr. Dann zeigen sich die Sterne des Großen Wagens hoch am Nordwesthimmel. Auf gleicher Höhe, aber weiter links leuchtet der orange getönte helle Stern Arktur, der Hauptstern im Bootes. Darunter und schon horizontnah ist die Jungfrau mit dem strahlend hellen Jupiter zu finden. Tief im Süden funkelt der rötliche Antares im Sternbild Skorpion, das allerdings auf unseren Breiten nie ganz über den Horizont kommt. Wenn man senkrecht nach oben schaut, fällt dort Wega in der Leier als heller, weiß leuchtender Stern auf. Sie ist der rechte obere Eckstern des Sommerdreiecks, zu dem auch noch Deneb (im Schwan) und Atair (im Adler) gehören.

 

Der Sternenhimmel am 15.06.17 überDer Sternenhimmel über Hannover am 15.06.17 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.06.17 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten