Monatssternenhimmel

Der Rote Riesenstern Beteigeuze gibt Rätsel auf

Der Sternenhimmel im Februar/Warum wieder ein Schalttag eingelegt werden muss/Venus ist strahlender Abendstern

Im Februar setzt die Sonne ihren Anstieg im Tierkreis fort. Sie wandert dabei zunächst durch den Steinbock und erreicht am 17. das nächste Tierkreissternbild, den Wassermann.

Der zunehmende Sonnenstand macht sich jetzt deutlich am Längerwerden der Tage bemerkbar. So bleibt unser Tagesgestirn zum Monatsende schon rund zwei Stunden länger über dem Horizont als am Monatsanfang.

Das laufende Jahr 2020 ist nach unserem Kalender ein Schaltjahr, mit dem 29. Februar als zusätzlichem Schalttag. Schon der von Julius Caesar im Jahr 45 vor Christi im Römischen Reich eingeführte Julianischer Kalender sah alle vier Jahre einen derartigen Schalttag vor. Unser heutiger Gregorianischer Kalender, der im Jahr 1582 von Papst Gregor XIII. mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ eingeführt wurde, sieht noch etwas verfeinerte Schaltregeln vor. Demnach ist zwar ebenfalls alle vier Jahre ein Schalttag einzulegen, nämlich in den Jahren, deren Jahreszahl (wie bei 2020) durch vier teilbar ist. Von dieser Regel gibt es aber Ausnahmen für die vollen Jahrhunderte. Obwohl deren Jahreszahl ja stets durch vier teilbar ist, sollen diese vollen Jahrhunderte nur jedes vierte Mal einen Schalttag besitzen. So waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, aber das Jahr 2000 zählte wieder zu den Schaltjahren.

Bei Kalendern wurde also schon immer große Mühe auf die Aufstellung geeigneter Schaltregeln verwandt, und man mag sich fragen, warum überhaupt Schaltregeln nötig sind. Der Grund dafür ist der verständliche Wunsch, dass der Kalender mit seinen festgelegten Terminen für Frühling, Sommer, Herbst und Winter möglichst noch über viele Jahrhunderte hinweg mit dem tatsächlichen Stand der Sonne zusammenpassen soll. Wenn zum Beispiel im März nach dem Kalender Frühlingsanfang ist, dann sollte doch die Sonne auch wirklich frühlingshafte Höhen am Himmel erreichen und die Natur zu ergrünen beginnen. Ohne Schaltregeln würde das aber auf Dauer nur gehen, wenn die Sonne nach genau 365 Tagen auch wieder denselben Stand am Himmel erreicht. Leider tut sie das nicht, und hier liegt das Problem.

Für einen vollen Umlauf im Tierkreis (etwa vom Frühlingspunkt bis wieder zum Frühlingspunkt) benötigt sie nämlich 365,24 Tage, also rund einen viertel Tag länger als ein Normaljahr mit 365 Tagen. Ohne Schaltjahre würde das dazu führen, dass die Sonne nach vier Jahren schon eine „Verspätung“ von einem ganzen Tag gegenüber unserem Kalender hätte. Das mag wenig erscheinen, aber ein Kalender ist ja für lange Zeiträume konzipiert. Nach 120 Jahren läge der Sonnenstand schon um einen ganzen Monat gegenüber dem Kalender zurück, und nach 460 Jahren ergäbe sich bereits eine Diskrepanz von einem viertel Jahr – dann hätten wir beim kalendarischen Frühlingsanfang im März einen tiefen Sonnenstand wie im Winter! Schalttage werden also benötigt, damit die Sonne ihren Rückstand aufholen kann.

Der Mond zeigt sich zum Monatsbeginn in zunehmender Phase am Abendhimmel und erreicht am 2. im Sternbild Widder das Erste Viertel. Vollmond tritt am 9. im Sternbild des Löwen ein. Anders als bei der Halbschattenfinsternis im Januar, zieht der Vollmond diesmal oberhalb vom Erdschatten vorüber, so dass es zu keiner Mondfinsternis kommt. Ein Blick zum Mond lohnt sich aber trotzdem. Weil er kurz vor seiner Erdnähe (am 10.) steht, wird der Vollmond diesmal am Himmel besonders groß erscheinen. Das ist besonders auffällig, wenn die Mondscheibe kurz nach ihrem Aufgang (um 17.33 Uhr) dicht über dem Horizont steht. Ab dem Letzten Viertel, am 15. in der Waage, ist unser Trabant nur noch am Morgenhimmel zu sehen. Dabei begegnet er am 18. Mars, dem „Roten Planeten“, und am Morgen des 20. steht die schon recht schmal gewordene abnehmende Mondsichel zwischen Jupiter und Saturn. Allerdings ist dieses Gestirnstreffen erst ab etwa 6.40 Uhr tief im Südosten zu sehen. Dann ist die Dämmerung schon recht hell geworden, so dass man den lichtschwächeren Saturn links vom Mond wohl nur mit dem Fernglas erspähen kann. Erst in den kommenden Monaten werden sich Mars, Jupiter und auch Saturn besser in Szene setzen können.

Bald nach Neumond, am 23. im Sternbild Wassermann, erscheint die schmale Sichel des jungen Mondes wieder am Abendhimmel. Dabei ergibt sich am 27. ein hübscher Himmelsanblick, wenn die Mondsichel unterhalb der Venus steht. Venus wird den ganzen Februar über als imposant strahlender Abendstern die Blicke auf sich ziehen. Sie geht anfangs gegen 21 Uhr und zum Monatsende kurz nach 22 Uhr unter. Auch der sonnennächste Planet Merkur hat in der ersten Monatshälfte eine Abendsichtbarkeit. Dieser kleinste Sonnenplanet ist allerdings viel lichtschwächer als die Venus und daher nicht sehr auffällig. Er ist anfangs gegen 18 Uhr, zur Monatsmitte gegen 18.30 Uhr schräg recht unterhalb von Venus und dicht über dem Horizont zu suchen.

Gegen 22 Uhr lassen sich noch alle Wintersternbilder mit ihren hell funkelnden Sternen am Himmel bewundern. Im Südwesten steht der Orion, dessen Sterne eine menschliche Gestalt mit drei Gürtelsternen, zwei Schultersternen und zwei Fußsternen nachzeichnen. Beteigeuze, der linke Schulterstern des Orion, hat in der letzten Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Sie ist ein so genannter Roter Überriese mit einem Durchmesser vom tausendfachen unserer Sonne und rund 600 Lichtjahre von uns entfernt. Nach Rigel, dem rechten Fußstern, ist Beteigeuze der zweithellste Stern im Orion. Ihre Helligkeit schwankte allerdings schon immer etwas, lag aber meistens deutlich über der von Aldebaran, dem weiter rechts am Himmel stehenden Hauptstern des Stiers. Im letzten Herbst hat nun ein ungewöhnlicher Helligkeitsabfall eingesetzt und inzwischen leuchtet Beteigeuze merklich schwächer als Aldebaran. In manchen Medien wurde schon spekuliert, dass sich hierdurch eine bevorstehende Supernovaexplosion ankündigt, bei der der Stern mondhell am irdischen Himmel stünde. Tatsächlich dürfte Beteigeuze ihr Sternenleben einmal mit einer solchen Katastrophe beenden, aber die meisten Astronomen glauben, dass dies erst in einigen hunderttausend Jahren geschehen wird.

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.02.20 um 0:00 MEZ

Autor: Volker Kasten