Monatssternenhimmel

Hell funkelnde Sterne am Winterhimmel

Der Sternenhimmel im Januar/Zweimal Vollmond/Mars wandert dicht an Jupiter vorbei

 

Wenn das neue Jahr beginnt, liegt die Wintersonnenwende erste wenige Tage hinter uns, und so hält sich die Sonne noch in den tiefsten Regionen des Tierkreises auf. Sie wandert zunächst durch den Schützen und erreicht erst am 20. mit dem Steinbock das nächste Tierkreissternbild. Am Neujahrstag zeigt sich die Sonne bei klarem Wetter kaum acht Stunden lang am Himmel, zum Monatsende bleibt es dann schon eine Stunde länger hell.

Wer die Winterzeit nicht so schätzt und eher die warmen Sommertage liebt, mag sich vielleicht damit trösten, dass der Winter die kürzeste der vier Jahreszeiten ist: Er ist fünf Tage kürzer als die längste Jahreszeit, der Sommer. Dies hat etwas mit der Umlaufbahn der Erde um die Sonne zu tun. Diese Bahn sieht zwar ziemlich kreisförmig aus, ist aber genaugenommen doch leicht abgeflacht (elliptisch). Dadurch schwankt die Entfernung unseres Planeten zur Sonne im Laufe eines Jahres etwas. Den geringsten Sonnenabstand hat die Erde jeweils um den 3. Januar in ihrem sogenannten Perihel mit 149 Millionen Kilometern. Der größte Abstand, das Apohel, wird mit 152 Millionen Kilometern am 6. Juli erreicht. Nun hatte schon Johannes Kepler zu Beginn des 17. Jahrhunderts entdeckt, dass Planeten in den sonnennahen Teilen ihrer Ellipsenbahn schneller laufen als in den sonnenfernen (zweites Keplersches Gesetz). Daher besitzt die Erde im Winter eine etwas höhere Bahngeschwindigkeit als im Sommer und durchläuft das zum Winter gehörige Bahnstück in kürzerer Zeit als den Abschnitt des Sommers.

Der Mond steht zu Beginn des Neuen Jahres in zunehmender Phase am Abendhimmel und erreicht am 2. Vollmond im Sternbild der Zwillinge. Wenn sich die voll beleuchtete Mondscheibe an diesem Abend kurz nach 17 Uhr im Nordosten über den Horizont erhebt, wird sie wie schon im Vormonat besonders groß erscheinen, denn der Mond befand sich am Vortag wieder im erdnächsten Punkt (dem Perigäum) seiner Umlaufbahn.

Mit dem Letzten Viertel, am 8. in der Jungfrau, zieht sich der Erdtrabant an den Morgenhimmel zurück. Dort kommt es in den Morgenstunden des 11. zu einem hübschen Himmelsanblick, wenn die Sichel des abnehmenden Mondes oberhalb des Planetenpaares Jupiter-Mars steht. Dabei ist Jupiter der wesentlich hellere von beiden und leuchtet gelblich, während der lichtschwächere Mars etwas rötlich getönt ist. Wer sich diese Szenerie nicht entgehen lassen möchte, kann nach den drei Gestirnen ab 4.30 Uhr in Richtung Südosten Ausschau halten, bis sie bald nach 7 Uhr in der hellen Morgendämmerung verblassen. Solche Gestirnstreffen bieten immer auch lohnende Fotomotive, die man leicht mit handelsüblichen Kameras einfangen kann. Wegen der geringen Himmelshelligkeit sind dabei allerdings Belichtungszeiten von einigen Sekunden notwendig, so dass man für die Aufnahmen ein Stativ verwenden muss.

Nach Neumond, am 17. im Sternbild Schütze, zeigt sich die haarfeine Sichel des jungen Mondes bereits am 18. wieder für kurze Zeit tief im Südwesten in der Dämmerung. Bis zum Monatsende bleibt der Mond nun ein Begleiter am Abendhimmel. Dabei wird am 24. im Walfisch das Erste Viertel erreicht, und am 31. tritt zum zweiten Mal in diesem Monat der Vollmond ein.

Dass es gleich zweimal im selben Monat Vollmond gibt, ist nicht besonders selten. Im englischsprachigen Raum bezeichnet man dann den zweiten Vollmond oft auch als „Blue Moon“. Die Lichtgestalten (Phasen) des Mondes wiederholen sich ja durchschnittlich alle 29,5 Tage, so dass, wenn der erste Vollmond ganz zu Anfang eines Monats liegt, auch der nächste Vollmond noch in diesen Monat fallen kann. Dies führt im kommenden Februar mit nur 28 Tagen dazu, dass dann überhaupt kein Vollmond eintritt, sondern erst wieder Anfang März.

Gegen 22 Uhr haben sich im Januar alle Wintersternbilder am Südhimmel versammelt. Zu keiner anderen Jahreszeit hat der abendliche Sternenhimmel so viele hell funkelnde Sterne zu bieten, wie jetzt. Im Zentrum der Szenerie steht der Orion, das nach dem Großen Wagen wohl bekannteste Sternbild. Die griechische Mythologie sah in dieser einprägsamen Sternfigur einen mächtigen Jäger, und auch heute noch spricht man ja von den drei Gürtelsternen des Orion, den beiden Schultersternen Beteigeuze und Bellatrix und den Fußsternen Saiph und Rigel. Begleitet wird der Himmelsjäger vom Großen Hund, dessen strahlender Hauptstern Sirius der hellste Fixstern des gesamten Himmels ist, und dem Kleinen Hund mit Prokyon als Hauptstern. Bei dunstfreiem Himmel kann man unterhalb vom Orion noch das wenig bekannte und eher unscheinbare Sternbild des Hasen erkennen. Rechts oberhalb vom Orion ist der Stier mit dem rötlichen Aldebaran zu sehen, ebenfalls ein jahrtausende altes und schon den Sumerern bekanntes Sternbild. Links oberhalb des Orion stehen die Zwillinge mit den beiden ähnlich hellen Sternzwillingen Castor und Pollux. Und senkrecht über sich findet man das Vieleck des Fuhrmanns, der mit der gelblich leuchtenden Capella einen der hellsten Sterne des Himmels enthält. Wer ein Fernglas besitzt, findet in dieser Himmelsgegend eine Vielzahl hübscher Beobachtungsobjekte wie Sternhaufen und Gasnebel. Besondere Highlights sind dabei die bläulich glänzenden Plejadensterne im Stier und der diffus schimmernde Orionnebel (unterhalb der Gürtelsterne).

Lohnend ist in diesem Monat auch der Blick zum Morgenhimmel. Gegen 6 Uhr bietet sich dort ein typischer Frühjahrshimmel mit der Jungfrau und dem Bootes im Süden, und Richtung Südosten zeigen sich mit dem imposant hellen Jupiter und Mars auch zwei Planeten. Dabei zieht Mars, der „Rote Planet“, am 7. dicht an Jupiter vorüber – eine auffallende und enge Konjunktion, bei der die beiden Planeten kaum einen halben Monddurchmesser voneinander entfernt sind. In den ersten Januartagen zeigt sich kurz nach 7 Uhr auch noch der eher unauffällige Merkur tief im Südosten. Sternschnuppenfreunde können am Morgen des 4. nach den Meteoren des Quadrantiden-Stromes Ausschau halten. Allerdings dürften die schwächeren Exemplare in diesem Jahr leider vom hellen Licht des noch fast vollen Mondes überstrahlt werden.

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.01.2018 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.01.2018 um 0.00 Uhr MEZ.

 

 

 

Autor: Volker Kasten