Monatssternenhimmel

Hell funkelnde Sterne schmücken den Abendhimmel

Der Sternenhimmel im Januar/Späteste Sonnenaufgänge/Abendsichtbarkeit von Merkur/ Mars am Westhimmel/Roter Überriese Beteigeuze

Wenn das neue Jahr beginnt, liegt die Wintersonnenwende erst wenige Tage zurück, und so hält sich die Sonne noch in den tiefsten Regionen ihrer Jahresbahn im Sternbild des Schützen auf. Ihr vorerst nur sehr langsamer Anstieg im Tierkreis macht sich in den ersten Januartagen noch nicht bemerkbar, und wer frühmorgens schon unterwegs sein muss, wird beklagen, dass es noch nicht wieder früher hell wird. Die spätesten Sonnenaufgänge des ganzen Jahres erfolgen nämlich in den ersten Januartagen, wenn unser Tagesgestirn erst gegen 8.30 Uhr im Südosten über den Horizont kommt. Am 19. erreicht die Sonne das nächste Tierkreissternbild, den Steinbock, und etwa zu dieser Zeit macht sich dann endlich bemerkbar, dass die Tage langsam wieder länger werden.

Der Mond beginnt das neue Jahr in abnehmender Phase, ist allerdings – nur zwei Tage nach Vollmond – noch recht rundlich und steht die ganze Nacht über am Himmel. Die Mondaufgänge verspäten sich aber von Abend zu Abend, und ab dem Letzten Viertel, am 6. in der Jungfrau, geht unser Trabant erst nach Mitternacht auf. Neumond tritt am 13. ein, dabei steht der Mond am Himmel dicht bei der Sonne im Sternbild des Schützen und bleibt natürlich unsichtbar. Aber bereits am 14. kann man die haarfeine Sichel des jungen Mondes bei sehr klarer Horizontsicht wieder für kurze Zeit (um 17.20 Uhr herum) in der hellen Abenddämmerung tief im Südwesten erspähen. Rechts neben der Mondsichel zeigt sich an diesem Abend auch der selten sichtbare Merkur. Bis zum Monatsende bleibt der Mond dann ein Begleiter am Abendhimmel. Dabei erreicht er am 20. das Erste Viertel und zeigt sich am Abend des 21. in der Nähe des Planeten Mars. Am 28. tritt der Vollmond ein, dann lässt sich die gesamte der Erde zugewandte Mondhälfte überblicken. Nahe dem linken oberen Rand der Mondscheibe, im Oceanus Procellarum, liegt die Stelle, an der die chinesische Raumsonde Chang’e 5 Anfang Dezember Mondgestein aufgesammelt hat, das dann am 16. Dezember erfolgreich zur Erde zurückgebracht werden konnte und nun untersucht wird.

Nach der spektakulären „Großen Konjunktion“ im Dezember gerät das Planetenpaar Jupiter-Saturn nun in den Strahlenbereich der heranrückenden Sonne und lässt sich allenfalls noch in den ersten Januartagen in der frühen Dämmerung bald nach 17 Uhr dicht über dem Südwesthorizont erspähen. Dafür erscheint ab der Monatsmitte ebenfalls in der Abenddämmerung Merkur, der kleinste Sonnenplanet. Wer den Merkur beobachten möchte, muss aber nicht nur einen sehr klaren, dunstfreien Abend abwarten. Es kommt auch sehr auf die richtige Beobachtungszeit an, denn wenn man zu früh Ausschau hält, ist es noch zu hell, um den Planeten zu erkennen, und wenn man zu lange wartet, steht Merkur vielleicht schon zu horizontnah oder ist gar schon untergegangen. In den Tagen um den 23., wenn Merkur am leichtesten zu sehen ist, liegt das günstigste Zeitfenster etwa zwischen 17.40 Uhr und kurz nach 18 Uhr. Allerdings darf man keinen hellstrahlenden Planeten erwarten – Merkur zeigt sich nur als eher unscheinbares Lichtpünktchen in der Dämmerung, keine Faustbreite hoch über dem Südwesthorizont.

Gegen 22 Uhr, dem Zeitpunkt unserer Sternkarte, neigen sich im Westen die lichtschwachen Herbststernbilder Pegasus und Fische ihrem Untergang zu. Ein helles Gestirn fällt dort aber sofort auf: Das ist Mars, der „Rote Planet“. Besonders prachtvoll sieht es nun im Süden aus. Zu keiner anderen Jahreszeit findet man dort so viele hell funkelnde Sterne beisammen wie jetzt an Januarabenden. Im Zentrum der Szenerie steht das bekannteste Wintersternbild, der Orion. Er ist umgeben vom Stier, den Zwillingen, seinen beiden Hunden und, zu seinen Füßen, dem Hasen. Man braucht nicht viel Phantasie, um in den Umrissen des Orion eine imposante menschliche Gestalt zu sehen, und so haben denn auch viele alte Kulturvölker dieses Sternbild als Gottheit, Krieger oder anderweitigen Heroen gedeutet. Hierdurch erklären sich auch die volkstümlichen Bezeichnungen der Orionsterne. Die beiden oberen hellen Sterne nennt man die Schultersterne (Beteigeuze links, Bellatrix rechts), die drei Sterne in der Mitte der Figur werden als Gürtelsterne bezeichnet, und schließlich bilden die beiden unteren Sterne die Fußsterne des Orion (Saiph links und Rigel rechts).

Beteigeuze ist ein wahrer Riesenstern – Astronomen klassifizieren ihn als einen der wenigen „Roten Überriesen“, die an unserem Sternenhimmel zu sehen sind. Wie der Name schon sagt, sind das kühle (daher die Rotfärbung) und im Vergleich zur Sonne riesige Sterne. Im enormen Sternenkörper der Beteigeuze würden fast 3 Milliarden Exemplare unserer Sonne Platz finden! Andererseits ist das Gas in Beteigeuze dermaßen dünn verteilt, dass man den Stern fast schon als ein heißes Vakuum bezeichnen müsste, denn im Mittel beträgt die Dichte Beteigeuzes nur ein Fünfzigtausendstel der irdischen Luftdichte. Rote Riesensterne haben im Vergleich zu einem eher normalen Stern wie unserer Sonne nur ein kurzes Sternenleben von wenigen Millionen Jahren und beschließen ihr Dasein in einer spektakulären Supernovaexplosion, bei der nur noch ein winziger Neutronenstern oder gar ein Schwarzes Loch übrigbleibt. Wann es allerdings bei Beteigeuze dazu kommt, lässt sich nicht genau vorhersagen – das könnte durchaus noch hunderttausend Jahre dauern.

Unterhalb der drei Gürtelsterne erkennt man schon mit bloßen Augen ein kleines, diffuses Fleckchen – das ist der berühmte Orionnebel, eine riesige Gas- und Staubwolke in ungefähr 1300 Lichtjahren Entfernung, in der auch heute noch neue Sterne entstehen. Im Fernglas betrachtet, bietet der Orionnebel einen sehenswerten Anblick.

Erwähnt sei schließlich noch der Sternschnuppenstrom der Quadrantiden, die sich in den Morgenstunden des 3. und 4. bemerkbar machen. Sie sind allerdings immer nur für sehr kurze Zeit besonders aktiv. Leider hellt in diesem Jahr der noch ziemlich rundliche Mond mit seinem Licht den Morgenhimmel auf, so dass nur die helleren Meteore zu sehen sein werden.

 

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.01.21 um 0.00 Uhr MEZ.

Autor: Volker Kasten