Monatssternenhimmel

Eine Sonnenfinsternis als astronomischer Höhepunkt

Der Sternenhimmel im Juni/Sommeranfang und Sonnenwende/ Mitternachtsdämmerung/Das Sommerdreieck kündigt den Sommer an

Sechs Monate sind es jetzt her, dass unsere Sonne bei der Wintersonnenwende ihren tiefsten Jahresstand im Sternbild des Schützen eingenommen hatte. Seitdem ist sie den Tierkreis ständig emporgestiegen, überquerte im März den Himmelsäquator nach Norden hin und erreicht nun am 21. Juni im Sternbild Stier ihre höchste Stellung im Tierkreis: Es ist Sommeranfang und Sonnenwende. Der Bogen, den unsere Sonne an diesem Tag über den Himmel zieht, ist der längste und höchste des ganzen Jahres. Auf unseren Breiten bleibt das Tagesgestirn dann rund 17 Stunden über dem Horizont und steigt zur Mittagszeit im Süden auf eine Höhe von 61 Grad, das ist viermal so hoch wie der Sonnenstand zur Wintersonnenwende.

Dieser hohe Sonnenstand ist allerdings zumindest für Sternfreunde mit einem erheblichen Nachteil verbunden. Denn nachts sinkt die Sonne bei uns nun nicht mehr tief genug unter den Horizont, um es am Himmel richtig („astronomisch“) dunkel werden zu lassen. Es ist die Zeit der Mitternachtsdämmerung, und so treten die schwächeren Sternchen gar nicht mehr hervor, und auch Lieblingsobjekte der Amateurastronomen wie lichtschwache Galaxien oder Gasnebel sind im Fernrohr nur schwer erkennbar. Am dunkelsten ist es in Juninächten übrigens nicht gegen Mitternacht, wie man vielleicht denken sollte, sondern – vor allem wegen der Verschiebung durch die Sommerzeit – erst kurz nach 1 Uhr.

Je weiter man geografisch nach Süden geht, umso tiefer sinkt die Sonne nachts unter den Horizont, und so gibt es zum Beispiel schon in Bayern keine Mitternachtsdämmerung mehr. Andererseits bleiben die Nächte noch heller und werden zu den so genannten „Weißen Nächten“, je höher man in den Norden kommt. Und ab dem nördlichen Polarkreis, das ist der Breitenkreis auf 67 Grad nördlicher Breite, der unter anderem durch die nördlichen Gebiete der skandinavischen Länder verläuft, geht die Sonne überhaupt nicht mehr unter. Hier kann man also das faszinierende Schauspiel der Mitternachtssonne erleben.

Der Mond ist zu Beginn des Monats in abnehmender Phase am Morgenhimmel zu sehen. Dabei steht er am Morgen des 1. in der Nähe des Planeten Jupiter und erreicht am 2. im Sternbild Wassermann das Letzte Viertel. Am 10. tritt Neumond ein, und dabei kommt es zu einer Sonnenfinsternis, die auch von unserem Gebiet aus zu sehen ist und die für viele Sternfreunde sicher den astronomische Höhepunkt dieses Monats darstellt.

Im hannoverschen Raum spielt sich das Ereignis nach folgendem Zeitplan ab. Es beginnt um 11.28 Uhr, wenn der dunkle Neumond die Sonne am rechten oberen Rand berührt und dann langsam auf die Sonnenscheibe vorrückt. Allerdings wird sich der Mond nicht vollständig vor die Sonne schieben, es ist also keine totale Finsternis, sondern in unserem Gebiet nur eine partielle. Am weitesten auf die Sonnenscheibe vorgedrungen ist der schwarze Mond zum Höhepunkt der Finsternis um 12.31 Uhr, wenn 15 Prozent der Sonnenfläche durch den Mond abgedeckt sind. Am oberen Sonnenrand ist dann ein kräftiger schwarzer „Ausbiss“ zu erkennen. In der Folgezeit zieht sich der Mond dann wieder langsam nach links oben von der Sonnenscheibe zurück, und am Ende der Finsternis, um 13.38 Uhr, ist auch der letzte Rest des Mondes am Sonnenrand verschwunden. Die nächste, von Deutschland aus sichtbare Sonnenfinsternis findet am 25. Oktober 2022 statt.

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man bei der Sonnenfinsternis nicht ungeschützt mit bloßen Augen oder gar mit einem Fernglas in die grelle Sonne blicken darf, auch wenn sie teilweise verfinstert ist! Gut geeignet zur Beobachtung sind aber zum Beispiel die Sonnenfinsternisbrillen, die vielleicht von früheren Gelegenheiten her noch in manchem Haushalt zu finden sind. Gefahrlos lässt sich die Finsternis auch mit einer Projektionsmethode verfolgen, bei der man etwa mit einem Fernglas das Sonnenbild hinter dem Okular auf einer weißen Pappe oder ähnlichem auffängt. Oder man nutzt das Prinzip einer Lochkamera: In eine lichtundurchlässige Pappe wird ein kleines Loch gebohrt, dann lässt sich dahinter ein Sonnenbild auf einem weißen Karton auffangen.

In astronomischen Jahrbüchern wird diese Finsternis übrigens als eine „ringförmige“ klassifiziert. Denn selbst auf der Zentrallinie, von der aus gesehen der Mond tatsächlich über die Mitte der Sonnenscheibe wandert und die über Kanada, Grönland und auch den Nordpol verläuft, kommt es diesmal nicht zu einer totalen Finsternis. Der Mond steht nämlich gerade in den erdfernen Teilen seiner Umlaufbahn. Daher ist die Mondscheibe recht klein und reicht nicht aus, um die gesamte Sonne zu bedecken. Und so bleibt rings um den schwarzen Mond immer noch ein gleißend heller Ring aus Sonnenlicht übrig, was die Bezeichnung „ringförmig“ erklärt.

Nach Neumond erscheint die schmale Mondsichel bald wieder in der Abenddämmerung. Dabei zeigt sie sich am 12. Juni gegen 22.30 Uhr tief im Nordwesten nahe der Venus, die in der hellen Dämmerung aber nicht recht zur Geltung kommt. Einen Abend später begegnet der Mond dem Mars, dessen Monate lange Abendsichtbarkeit nun zur Monatsmitte zu Ende geht. Am 18. erreicht der Mond das Erste Viertel in der Jungfrau, und am 24. tritt Vollmond im Sternbild des Schützen ein. In den letzten Junitagen geht unser Trabant erst nach Mitternacht auf und begegnet am Morgen des 27. dem Saturn und am 29. dem Jupiter.

Wer gegen Mitternacht am leicht dämmrigen Himmel nach den Sternbildern Ausschau hält, findet den Großen Wagen hoch am Westhimmel. Darunter neigt sich das Frühlingssternbild des Löwen dem Untergang zu, und ein Stück weiter links von der Wagendeichsel leuchtet der helle Arktur im Sternbild Bärenhüter. Niedrig im Süden funkelt Antares, der rötliche Hauptstern des Skorpions, und darüber sind die zahlreichen, aber schwachen Sternchen des großflächigen Sternbilds Schlangenträger zu sehen. Am Osthimmel kündigt das Sommerdreieck aus den hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler den nahenden Sommer an.

 

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.06.21 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.06.21 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten