Monatssternenhimmel

Die Perseiden bescheren sternschnuppenreiche Nächte

Der Sternenhimmel im August/Die Tage werden kürzer/Sirius und die Hundstage/ Planetenriese Jupiter beherrscht den Nachthimmel

Seit der Sommersonnenwende im Juni befindet sich unser Tagesgestirn auf dem absteigenden Ast im Tierkreis und wandert im August vom Krebs in das Sternbild Löwe. Das hat sich im Juli noch kaum bemerkbar gemacht, wird aber nun auch im täglichen Leben deutlich spürbar. Der tägliche Bogen, den die Sonne über den Himmel zieht, wird im Lauf des August merklich flacher und auch kürzer. So liegen am Monatsende zwischen dem Auf- und Untergang der Sonne bereits eindreiviertel Stunden weniger als noch zum Monatsanfang. Und während die Sternfreunde in den ersten Augusttagen noch bis gegen Mitternacht warten müssen, ehe es am Himmel vollständig dunkel geworden ist, so tritt die astronomische Dunkelheit zum Monatsende bereits gegen 22.20 Uhr ein.

Trotz des sinkenden Sonnenstandes kommt es im August häufig noch zu heißen Tagen, und man spricht dann manchmal auch von den „Hundstagen“. Dies hat tatsächlich einen astronomischen Hintergrund und bezieht sich auf das Sternbild Großer Hund mit seinem strahlenden „Hundsstern“ Sirius. Schon im altägyptischen Kalender nahm Sirius eine wichtige Rolle ein: Wenn er im Sommer erstmals wieder in der Morgendämmerung sichtbar wurde, kündigte er das für die Landwirtschaft wichtige Nilhochwasser an. Im antiken Griechenland machte man den Hundsstern für die sommerliche Hitze und Dürre verantwortlich. Die alten Römer nannten die Tage vom 23. Juli bis 23. August „dies caniculares“, also Hundstage. In unserer Zeit dürfte man von den Hundstagen eigentlich erst ab Anfang September sprechen, denn erst dann erscheint heutzutage der Sirius wieder in der Morgendämmerung. Der jahreszeitliche Anblick des Sternenhimmels hat sich nämlich von der Antike bis heute etwas verschoben.

Der Mond zeigt sich in den ersten Januartagen in abnehmender Phase am Morgenhimmel und erreicht am 8. im Sternbild Krebs die Neumondstellung. Nach Neumond erscheint die haarfeine, junge Mondsichel dann erstmals am 10. wieder für kurze Zeit in der Abenddämmerung, tief im Westen. Am folgenden Abend, dem 11., ist die Mondsichel oberhalb von Venus zu sehen. Allerdings kommt der Abendstern in der hellen Dämmerung nicht recht zur Geltung, und das bleibt leider auch den ganzen Monat über so. Bis zum Monatsende lässt sich der Mond dann in wechselnden Phasen am Abendhimmel beobachten. Dabei steht er am 15. im Ersten Viertel und begegnet kurz vor Vollmond den beiden Planetenriesen Saturn (in der Nacht vom 20. zum 21.) und Jupiter (in der Vollmondnacht vom 21. zum 22.). Die Mondaufgänge erfolgen dann von Abend zu Abend später, so dass der abnehmende Halbmond am 30. erst gegen 23.20 Uhr aufgeht.

Beim Blick zum Sternenhimmel zeigt sich gegen 23 Uhr der Große Wagen im Nordwesten, und links daneben ist der Bootes zu sehen. Hoch am Südhimmel stehen die drei hellen Ecksterne Wega, Deneb und Atair des Sommerdreiecks. Den Nachthimmel beherrscht aber der imposant strahlende Planetenriese Jupiter, recht niedig im Südosten. Eine Handspanne weiter rechts steht mit dem deutlich lichtschwächeren, wenn auch immer noch recht hellen Saturn ein weiterer Planet am Himmel. Mit seinem Durchmesser vom Elffachen unserer Erde ist Jupiter der größte Planet im Sonnensystem, dicht gefolgt vom Ringplaneten Saturn. Beide gehören zu den Gasriesen im Planetensystem. Sie haben keine feste Oberfläche und bestehen überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Schon Amateurfernrohre zeigen dunkle Zonen und helle Bänder in der Jupiteratmosphäre, und auch den berühmten Großen Roten Fleck, einen riesigen Wirbelsturm, der schon seit Jahrhunderten beobachtet wird. Die vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto sind bereits in besseren Ferngläsern zu erspähen. Weiter außen kreist aber noch eine Vielzahl meist sehr kleiner Monde um den Riesenplaneten. Davon sind bislang 79 Objekte bekannt, aber man schätzt, dass sogar einige hundert Minimonde um Jupiter kreisen könnten. Auch Saturn ist ein Vorzeigeobjekt in Amateurfernrohren, vor allem beeindruckt natürlich sein wundervoller Ring. Beide Planeten kommen im August in Opposition zur Sonne. Sie stehen dem Tagesgestirn dann also am Himmel genau gegenüber und sind daher die ganze Nacht über zu sehen.

Der August gilt als „der“ Sternschnuppenmonat des ganzen Jahres. Und hier ist es vor allem der Meteorstrom der Perseiden, der für sternschnuppenreiche Nächte sorgt. Schon in den ersten Augusttagen tauchen einige Meteore dieses Stromes auf, zahlreicher sind sie aber erst in den Nächten vom 10. bis 14. August, mit einem deutlichen Maximum in der Nacht vom 12. zum 13.. Der namensgebende Ausstrahlungspunkt (Radiant) dieser Meteore liegt im Sternbild Perseus. Aber wer nach Perseiden Ausschau halten will, braucht sich gar nicht am Perseus zu orientieren, denn die Perseiden können überall am Himmel auftauchen. Nur wenn man ihre Bahnspur in Gedanken nach rückwärts verlängert, kommt man zum Sternbild Perseus.

Allerdings erwecken manche Medienberichte, die über 100 Sternschnuppen pro Stunde ankündigen, bei Laien viel zu große Erwartungen. Natürlich gibt es Glückspilze, die eher zufällig einmal ins Freie treten und sofort eine schöne Perseide verglühen sehen. Aber besonders in den Abendstunden machen sich die Perseiden oft auch rar. Da kann man schon einmal eine viertel Stunde zum Himmel blicken, ohne eine einzige Sternschnuppe zu sichten. Generell erscheinen in den Morgenstunden mehr Perseiden, weil ihr Ausstrahlungspunkt dann höher am Himmel steht. Dann kann man bei einigermaßen dunklem Beobachtungsort im Maximum etwa alle zwei bis drei Minuten eine Perseide verglühen sehen. Die besonders hellen Objekte zeigen oft einen Rauchschweif, der noch für einige Sekunden sichtbar bleibt.

Sternschnuppen sind keine „fallenden Sterne“, es sind meist nur millimetergroße Partikel, die im Sonnensystem mit hohen Geschwindigkeiten umherfliegen und dann, wenn sie zufällig auf die Erde treffen, durch Reibung in unserer Lufthülle in 80 bis 100 Kilometern Höhe verglühen. Viele dieser Teilchen wurden ursprünglich von Kometen längs ihrer Umlaufbahn verstreut. So stammen die Perseiden vom Kometen 109P/ Swift-Tuttle, der nur alle 133 Jahre zur Sonne zurückkehrt, wie zuletzt im Jahr 1992.

 

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.08.21 um 0.00 Uhr MESZ
Der Himmel über der Sternwarte am 15.08.21 um 0.00 Uhr MESZ

Autor: Volker Kasten