Monatssternenhimmel

Die Jagd nach der jüngsten Mondsichel

Der Sternenhimmel im März/Frühlingsanfang am 20./Sommerzeit beginnt/Planetenreigen am Morgenhimmel

Im vor uns liegenden Monat geht das Winterhalbjahr zu Ende. Am 20. März um 17.15 Uhr überschreitet die Sonne auf ihrer Wanderung durch den Tierkreis den so genannten Himmelsäquator von Süd nach Nord, und dieses Ereignis markiert nach unserem Kalender den Frühlingsanfang. Ähnlich wie den Erdäquator auf einem Globus, kann man sich den Himmelsäquator als eine die ganze Himmelskugel umspannende Kreislinie vorstellen. Im Jahresverlauf umpendelt die Sonne bei ihrer Wanderung durch den Tierkreis den Himmelsäquator und steht dabei im Winterhalbjahr unterhalb und im Sommerhalbjahr oberhalb des Himmelsäquators. Dabei schneidet der Tierkreis den Himmelsäquator an zwei Stellen: dem Frühlingspunkt im Sternbild Fische und dem Herbstpunkt in der Jungfrau. Wenn die Sonne in einem dieser Schnittpunkte steht, beginnt der kalendarische Frühling beziehungsweise der Herbst.

Der Frühlingsanfang fällt übrigens nicht immer auf den 20. März, er kann auch am 19. oder 21. März eintreten. Das hat damit zu tun, dass ein Kalenderjahr in normalen Jahren („Gemeinjahren“, im Gegensatz zu „Schaltjahren“) eine Länge von genau 365 Tagen hat. Die Sonne benötigt aber für einen Durchgang durch den Frühlingspunkt bis zum nächsten 365,24 Tage, also rund 6 Stunden länger als ein Gemeinjahr. Daher verspätet sich der astronomische Frühlingsanfang von einem Gemeinjahr zum nächsten um einen viertel Tag und kann sich dann gelegentlich auch um einen ganzen Kalendertag verschieben. Damit diese Verschiebung im Laufe der Jahre nicht zu sehr anwächst, sieht unser Kalender (mit seltenen Ausnahmen) alle vier Jahre einen Schalttag vor, den 29. Februar. Durch diesen Schalttag bekommt die Sonne genügend Zeit, um ihre Verspätung aufzuholen. Das nächste Schaltjahr ist das kommende Jahr 2020.

Keinen astronomischen Hintergrund hat allerdings die Umstellung der Uhren von der normalen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit, die in diesem Jahr am 31. März erfolgt. An diesem Sonntagmorgen werden die Uhren um zwei Uhr Normalzeit auf drei Uhr Sommerzeit vorgestellt. Aktuell ist die Zeitumstellung wieder stark in der Diskussion, nachdem sich bei einer EU-weiten Online-Umfrage über 80 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen hatten. Mit einer einheitlichen Regelung für alle Mitgliedsländer kann aber frühestens im Jahr 2021 gerechnet werden.

In den ersten Märztagen zeigt sich die schmale abnehmende Mondsichel noch in der Morgendämmerung. Dabei steht sie am 2. halbwegs zwischen der hell strahlenden Venus und dem schwächeren Saturn. Zu sehen ist diese hübsche Konstellation ab 6 Uhr bis in die helle Dämmerung hinein, niedrig über dem Horizont im Südosten. Am nächsten Morgen findet man die Mondsichel schräg links unterhalb der Venus. Am 6. tritt Neumond im Sternbild Wassermann ein. Und mit etwas Glück kann man die extrem schmale Sichel des jungen Mondes bereits am 7. März gegen 18.30 Uhr knapp über dem westlichen Horizont erspähen – nur 25 Stunden nach Neumond. Ein Fernglas kann die Suche nach der in der Dämmerung doch recht kontrastarmen Sichel erleichtern. Manche Sternfreunde machen sich sogar einen Sport daraus, die junge Mondsichel möglichst bald nach Neumond zu entdecken. Für eine Sichtung mit bloßen Augen soll der Rekord hier bei 15,5 Stunden nach Neumond liegen.

An den folgenden Abenden setzt sich die zunehmende Mondsichel immer besser in Szene. Dabei steht sie am 11. abends in einigem Abstand beim Planeten Mars und erreicht am 14. im Sternbild Stier das Erste Viertel. Bei Sonnenuntergang zeigt sich der Halbmond an diesem Abend schon hoch im Süden. Eine Woche später, am 21., tritt der erste Frühlingsvollmond ein. Bald nach 19 Uhr erscheint die voll beleuchtete Mondscheibe über dem Osthorizont, zieht dann im Laufe der Nacht einen weiten Bogen über den Himmel und geht erst am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang im Westen unter.

Im weiteren Verlauf des Monats verspäten sich die Mondaufgänge immer mehr, so dass unser Trabant an den letzten Märztagen erst nach Mitternacht aufgeht. Dabei kommt es in den Morgenstunden des 27., einen Tag vor dem Letzten Viertel, zu einer engen Begegnung mit dem hellen Planeten Jupiter. Zwischen beiden Gestirnen liegt nur eine gute Daumenbreite (bei ausgestrecktem Arm angepeilt). Diese auffällige Konjunktion lässt sich ab 3 Uhr bei dunklem Himmel, aber auch noch gegen 5 Uhr bis in die helle Dämmerung hinein niedrig am Südhimmel beobachten. Am Morgen des 29. kommt es zu einer weiteren sehr engen Begegnung, dabei steht der noch fast halb beleuchtete Mond knapp unterhalb vom Planeten Saturn.

Neben Jupiter und Saturn, den beiden größten Planeten des Sonnensystems, ergänzt im März noch die Venus den morgendlichen Planetenreigen. Sie ist linker Hand von Jupiter und Saturn zu suchen, geht aber erst nach 5 Uhr im Südosten auf und ist dann in der zunehmenden Dämmerung nur noch sehr horizontnah zu sehen.

Wer mit dem jahreszeitlichen Wandel im Anblick des Sternenhimmels vertraut ist, erkennt jetzt an der Himmelsszenerie, dass der Winter zu Ende geht und der Frühling kommt. Gegen 22 Uhr bildet der Meridian (die Südlinie) recht genau die Grenze zwischen den Wintersternbildern und den nachrückenden Frühlingssternbildern. Die für den Winter typischen Sternbilder wie der Orion mit seinem beiden Hunden, der Stier und die Zwillinge sind inzwischen nach Südwesten abgerückt. Diese an vielen hell funkelnden Sternen reiche Himmelsgegend lässt sich im März noch gut beobachten, ehe sie dann im kommenden Monat immer mehr in den Strahlenbereich der näherrückenden Sonne gerät und unsichtbar wird. Nicht weit von der kleinen, aber auffälligen Sterngruppe der Plejaden im Stier zeigt sich mit dem rötlich getönten Mars der einzige helle Planet des Abendhimmels. Am Monatsende ist er dicht bei den Plejaden zu finden. Links vom Meridian, hoch im Südosten, ist nun mit dem einprägsamen Sternbild des Löwen schon ein typisches Frühlingssternbild zu sehen. Und wer den Großen Wagen aufsuchen möchte, findet ihn hoch am Osthimmel, linker Hand vom Löwen.

Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.03.19 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.03.19 um 0.00 Uhr MEZ.

 

Autor: Volker Kasten