Monatssternenhimmel

Der Sternenhimmel im Mai

Dies ist die ausführliche Übersicht für alle astronomischen Ereignisse in diesem Monat. Für die Eiligen haben wir noch das Astro-Stenogramm.

Der Große Wagen steht hoch am Himmel

Der Sternenhimmel im Mai/Jupiter glänzt am Nachthimmel/Mitternachtsdämmerung

Im Mai setzt die Sonne ihren Anstieg im Tierkreis fort. Sie bewegt sich dabei zunächst durch den Widder und erreicht am 14. das nächste Tierkreissternbild, den Stier. Hier im Stier liegt auch schon der höchste Punkt ihrer Jahresbahn, den sie aber erst zur Sonnenwende im kommenden Monat erreicht. Zur Mittagszeit erklimmt unser Tagesgestirn jetzt schon hochsommerliche Höhen und sinkt nachts nur noch wenig unter den Horizont. Dadurch beginnt etwa zur Monatsmitte auf unseren Breiten die Zeit der Mitternachtsdämmerung, in der es die gesamte Nacht über am Himmel nicht mehr richtig dunkel wird.

Der Mond beginnt den Mai in zunehmender Phase und steht am 3. als Halbmond am Abendhimmel. In der Nacht vom 7. zum 8. Mai kommt es zu einer auffälligen Begegnung des schon ziemlich rundlichen Mondes mit dem hellen Jupiter. Dabei steht der Mond nur eine Daumenbreite (bei gestrecktem Arm anvisiert) über dem Riesenplaneten. Gegen Mitternacht kann man dieses schöne Gestirnsduo am Südhimmel beobachten.

Der Vollmond tritt diesmal am 10. im Sternbild der Waage ein. In den folgenden Tagen zieht sich der inzwischen abnehmende Mond dann rasch vom Abendhimmel zurück und ist ab dem 14. nur noch in den Morgenstunden zu sehen. Dabei begegnet er am Morgen des 14. dem Ringplaneten Saturn und erreicht am 19. im Sternbild Wassermann das Letzte Viertel. Frühaufsteher können am 22. kurz nach 4 Uhr tief am Osthimmel die schmale Mondsichel rechts neben dem Morgenstern Venus beobachten. Nach Neumond, am 25., taucht die zunehmende Sichel des jungen Mondes erstmals wieder am 27. für kurze Zeit in der Abenddämmerung auf.

Der Planet Jupiter ist das Glanzlicht der Mainächte. Er steht als imposant helles Gestirn im Sternbild Jungfrau und ist die ganze Nacht über am Himmel zu sehen. In der zweiten Nachthälfte zeigt sich dann auch Saturn im Sternbild des Schützen. Mars ist kaum noch zu beobachten und beendet im Mai seine Sichtbarkeitsperiode. Venus geht erst in der Morgendämmerung im Osten auf und kommt daher als Morgenstern nicht recht zur Geltung.

Wegen der langen Abenddämmerung lohnt sich vor Mitternacht kaum ein Blick zum Sternenhimmel. Aber dann ist es besonders einfach, das bekannteste aller Sternbilder, den Großen Wagen zu finden. Man muss dazu nur senkrecht nach oben, zum Zenit schauen. Sieben mittelhelle Sterne bilden die einprägsame Wagenfigur, deren Deichsel von drei Sternen gebildet wird, während vier Sterne den Wagenkasten nachzeichnen. Die Wagenfigur ist eigentlich kein eigenes Sternbild, sondern offiziell ein Teil des Sternbildes „Großer Bär“ (Ursa Major), zu dem noch etliche weitere, aber eher unauffällige Sternchen zählen. In diesem Bild zeichnet die Wagendeichsel den Schwanz des Bären nach (der allerdings im Vergleich zu echten Bären viel zu lang geraten ist).

Die auffallende Sternengruppe der Wagensterne hat die Menschen schon seit jeher fasziniert und zu zahlreichen Deutungen und Mythen Anlass gegeben hat. So handelt es sich nach der griechischen Mythologie bei den Wagensternen um die Königstochter Callisto. Mit ihr hatte Göttervater Zeus einen Sohn, den Arcas, gezeugt, was bei Zeus‘ Gemahlin Hera für erheblichen Unwillen sorgte. Um sie vor Heras Zorn zu schützen und deren Blick zu entziehen, verwandelte Zeus die Callisto zunächst in einen irdischen Bären, den er später noch zum Schutz vor Jägern an den Himmel versetzte. Eine nette andere Deutung findet sich im alten Indien, wo man in den sieben Wagensternen hübsche Mädchen sah, die den Polarstern umtanzen. Profaner, aber durchaus treffend, ist die heute in Nordamerika verbreitete Bezeichnung „big dipper“ (großer Schöpflöffel).

Die Wagensterne sind zwischen 80 und 120 Lichtjahren von uns entfernt. Bis auf Alkaid (der Stern an der Deichselspitze) und dem rötlichen Dubhe (an der rechten oberen Ecke des Wagenkastens) sind die übrigen fünf Wagensterne vermutlich zusammen entstanden und ziehen auch jetzt noch gemeinsam durch die Milchstraße. Bekannt ist der mittlere Deichselstern Mizar wegen seines „Reiterleins“ oder „Augenprüfers“ – das ist ein schwaches Sternchen namens Alcor, dicht bei Mizar. Wer nicht allzu schwache Augen besitzt, sollte Alcor erkennen können, sofern der Himmel nicht allzu aufgehellt ist. Auf jeden Fall ist er im Fernglas leicht sichtbar. Mizar selbst ist ein schöner Doppelstern, wie schon in einfachen Fernrohren erkennbar wird. Spektrale Untersuchungen haben gezeigt, dass die beiden Komponenten von Mizar in sich nochmals doppelt sind, so dass es sich insgesamt sogar um ein vierfaches Sternsystem handelt.

Wer erst einmal den Großen Wagen am Himmel gefunden hat, kann von dort aus leicht andere Sterne und Sternbilder anpeilen. So gelten die beiden rechten Sterne des Wagenkastens (die der Deichsel gegenüber liegen) als „Polweiser“: Wenn man deren Verbindungslinie etwa fünfmal Richtung Nordhimmel verlängert, trifft man auf den Polarstern. Er ist der Hauptstern im Kleinen Wagen, ein eher unscheinbares Sternbild, das sich vom Polarstern ausgehend in Richtung der Deichsel des Großen Wagens erstreckt. Der Polarstern zeigt nicht nur die Nordrichtung an, sondern durch seine Höhe über dem Horizont auch die geographische Breite des Beobachtungsortes. Daher steht er zum Beispiel im hannoverschen Raum rund 52 Grad hoch am Himmel.

Wenn man den leicht geschwungenen Bogen der Wagendeichsel in Gedanken weiter verlängert, trifft man hoch im Süden auf den hellen, orange getönten Stern Arktur. Er ist der Hauptstern im Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt. Manche Mythen sehen in ihm eine Verkörperung von Arcas, also dem Sohn der Callisto, von der schon die Rede war. Wenn man den gedachten Bogen über Arktur hinaus noch weiter verlängert, kommt man zur weiß leuchtenden Spica in der Jungfrau, die allerdings an Helligkeit bei weitem von dem in der Nähe stehenden Jupiter übertroffen wird.

Weiter links am Himmel, im Osten, ist soeben das Sommerdreieck aus den hellen Sternen Wega, Deneb und Atair aufgegangen und kündigt den nahen Beginn des Sommers an.

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.05.17 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.05.17 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten