Monatssternenhimmel

Verfinsterter Mond neben Saturn und Jupiter

Der Sternenhimmel im Juli/Leuchtende Nachtwolken/Saturn in Opposition/Großer Wagen im Nordwesten

Wenn der Juli beginnt, steht die Sonne im Sternbild der Zwillinge, nicht weit vom Sommerpunkt entfernt, den sie zur Sonnenwende durchlaufen hatte. Sie ist nun auf dem Abstieg im Tierkreis und erreicht am 21. das nächste Tierkreissternbild, den Krebs. Im täglichen Leben macht sich ihr Abstieg zunächst allerdings kaum bemerkbar, wenn auch die Sonne am Monatsende morgens eine halbe Stunde später aufgeht als zum Monatsanfang und abends entsprechend früher untergeht. Ab den letzten Julitagen wird es nachts für kurze Zeit am Sternenhimmel wieder richtig dunkel, denn die Zeit der Mitternachtsdämmerung geht zu Ende.

Schon am noch dämmrigen Abend- oder auch Morgenhimmel kann sich in diesem Monat ein Blick zum Nordhimmel lohnen. Bei klarem Wetter und mit etwas Glück lassen sich dort über dem Horizont helle, bläulich oder silbrig schimmernde Wolken beobachten – die sogenannten Leuchtenden Nachtwolken, kurz auch NLC’s (Noctilucent Clouds) genannt. Sie bewegen sich nur sehr langsam über den Himmel, wirken manchmal faserig wie Cirruswolken oder zeigen langezogene Wellenmuster. Diese Wolken bilden sich in den Sommermonaten vor allem über hohen nördlichen Breiten in gut 80 Kilometern Höhe, also weit über der sogenannten Troposphäre, in der sich unsere gewöhnlichen Wetterwolken aufhalten. In diesen großen Höhen verglühen auch die Sternschnuppen, und der dabei entstehende meteoritische Staub liefert Kondensationskeime für die feinen Eiskristalle, aus denen die Nachtwolken bestehen. Die Wolken schimmern hell, weil sie aufgrund ihrer Höhe auch dann noch im Sonnenlicht liegen, wenn die Sonne für uns auf dem Erdboden schon untergegangen ist. Bereits in den letzten Wochen ließen sich auch von hannoverschem Gebiet aus ungewöhnlich schöne Leuchtende Nachtwolken beobachten.

Der Mond zieht zu Neumond, am 2., zusammen mit der Sonne über den Taghimmel.

Erstmals am 4. wird man die junge Mondsichel dann wieder kurz in der Abenddämmerung tief im Nordwesten erspähen können. Am 9. erreicht der Mond das Erste Viertel im Sternbild Jungfrau, und in der Nacht vom 13. zum 14. kommt es zu einer ziemlich auffälligen Begegnung des schon recht rundlich gewordenen Mondes mit dem hell strahlenden Planeten Jupiter. Dabei steht der Mond nur eine gute Daumenbreite (bei ausgestrecktem Arm anvisiert) über dem Riesenplaneten. Zwei Tage später, in der Nacht vom 15. zum 16., zeigt sich der nun schon fast volle Mond rechts vom Ringplaneten Saturn.

Am 16. Juli tritt der Vollmond ein, und diesen Termin sollten sich Sternfreunde vormerken, denn in der Nacht vom 16. zum 17. kommt es zu einer partiellen Mondfinsternis. Mondfinsternisse können generell nur bei Vollmond auftreten. Dann steht nämlich – räumlich gesehen – die Erde zwischen Mond und Sonne, so dass der Schatten, den die von der Sonne angestrahlte Erdkugel wirft, auf den Mond fällt. Hierfür müssen allerdings Sonne, Erde und Mond ziemlich genau auf einer Geraden stehen. Das ist nicht bei jedem Vollmond der Fall, so dass es auch nicht jedesmal bei Vollmond zu einer Mondfinsternis kommt.

Innerhalb des Erdschattens lassen sich zwei Bereiche unterscheiden. In den innersten Bereich, den sogenannten Kernschattenkegel, fällt überhaupt kein direktes Sonnenlicht mehr. Umschlossen wird dieser Bereich vom Halbschatten, in den wenigstens teilweise noch Sonnenlicht fällt. Zu Beginn einer Mondfinsternis dringt der Mond zunächst in den Halbschattenbereich ein, was allerdings zu einer kaum merklichen Verminderung seiner Helligkeit führt. Interessant wird es für Beobachter erst, wenn der Mond in den Kernschatten wandert, der sich dann dunkel auf der Mondscheibe abzeichnet. Dabei sieht die Begrenzung des Kernschattens kreisrund aus, und dies führte bereits der griechische Gelehrte Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christi als Beweis dafür an, dass die Erdgestalt eine Kugel (und keine Scheibe) ist, deren Schatten bei einer Finsternis auf den Mond projiziert wird. Tritt nun der Mond im weiteren Verlauf der Finsternis vollständig in den Kernschatten eintritt, so spricht man von einer totalen Finsternis. Wird er dagegen nur teilweise vom Kernschatten erfasst (wie bei der bevorstehenden Mondfinsternis), nennt man die Finsternis „partiell“.

Am Finsternisabend des 16. Juli erreicht der Mond um 22.01 Uhr den Kernschatten, der sich dann zunächst als kleiner, dunkler Ausbiß links auf der Mondscheibe zeigt. Zu diesem Zeitpunkt steht der Mond allerdings erst sehr niedrig über dem Horizont im Südosten. Zur Mitte der Finsternis, um 23.31 Uhr, ist die Mondscheibe dann gut zur Hälfte vom Kernschatten überzogen. Anschließend zieht sich der Kernschatten nach rechts oben vom Mond zurück, und um 1.00 Uhr am Morgen des 17. verschwindet auch der letzte Rest des Kernschattens am Mondrand.

Während der Finsternis lohnt sich auch ein Blick auf die umgebende Himmelsszenerie. Nur eine Faustbreite rechts vom verfinsterten Mond leuchtet der Ringplanet Saturn. Er stand am 9. in Opposition zur Sonne und ist daher im gesamten Juli am Nachthimmel zu sehen. Noch ein gutes Stück weiter rechts von Saturn steht der imposant helle Jupiter, und schräg rechts unterhalb von ihm funkelt der rötliche Hauptstern des Skorpions, Antares. In den Tagen nach der Finsternis verspäten sich die Aufgänge des Mondes immer mehr, und in der letzten Juliwoche geht der Mond erst nach Mitternacht auf. Dabei zeigt er sich am 25. als abnehmender Halbmond am Morgenhimmel.

Wer sich gegen Mitternacht am Sternenhimmel umsieht, findet den Großen Wagen halbhoch am Nordwesthimmel. Nach links schließt sich der Bootes (Bärenhüter) mit seinem hellen, orange getönten Hauptstern Arktur an. Bei dunstfreiem Horizont erkennt man tief im Süden das Tierkreissternbild des Schützen, das wegen seiner Form profan aber zutreffend auch als teapot (Teekanne) bezeichnet wird und in dem sich zur Zeit als hellstes Objekt der Saturn aufhält. Hoch im Südosten stehen die drei hellen Sterne Wega, Deneb und Atair. Sie sind die Hauptsterne von Leier, Schwan beziehungsweise Adler und bilden ein ziemlich großes Dreieck am Himmel, das oft als Sommerdreieck bezeichnet wird.

 

 

Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.07.19 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über der Sternwarte am 15.07.19 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten