Monatssternenhimmel

Schimmernde Sternwolken der Sommermilchstraße

Der Sternenhimmel im September/Gaia vermisst die Galaxis/Mond beim Roten Planeten/Venus ist Morgenstern

In diesem Monat geht das Sommerhalbjahr zu Ende. Die Sonne überquert am 22. September im Sternbild der Jungfrau den Himmelsäquator von Norden nach Süden, und dieses Ereignis markiert nach unserem Kalender den Beginn des Herbstes. Man spricht auch von der Tag- und Nachtgleiche, weil sich die Sonne an diesem Tag jeweils rund 12 Stunden über und unter dem Horizont aufhält. Im anschließenden Winterhalbjahr wird sie sich durch die niedrigen Teile des Tierkreises unterhalb des Himmelsäquators bewegen.

Der Mond steht am 2. September als Vollmond die ganze Nacht über am Himmel. Kurz vor 21 Uhr kommt seine voll beleuchtete Scheibe an diesem Tag im Osten über den Horizont und versinkt erst am nächsten Morgen bald nach Sonnenaufgang wieder im Westen. Auf seinem weiteren Weg im Tierkreis begegnet der inzwischen abnehmende Mond in der Nacht vom 5. auf den 6. dem „Roten Planeten“ Mars. Gegen 22 Uhr sind die beiden Gestirne bereits dicht über dem Osthorizont zu sehen, wobei Mars eine halbe Faustbreite (bei ausgestrecktem Arm anvisiert) links neben dem Mond leuchtet. Spektakulärer ist der Anblick noch in den Morgenstunden des 6., wenn der Mond dichter an den Roten Planeten herangerückt ist. Frühaufsteher können dieses enge Gestirnspaar gegen 4.30 Uhr, wenn soeben die Dämmerung einsetzt, hoch am Südhimmel bewundern.

Mars wird im kommenden Monat in Opposition zur Sonne stehen und dabei auch der Erde recht nah kommen. Schon jetzt ist er nach Venus (und natürlich dem Mond) das zweithellste Gestirn am Nachthimmel. Nach dem Letzten Viertel am 10. zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück. Dort ergibt sich am 14. ein hübscher Anblick, wenn die schmal gewordene Mondsichel über dem strahlend hellen Morgenstern Venus steht. Bald nach 3 Uhr kommen beide Gestirne über den Osthorizont, sie lassen sich aber auch gegen 6 Uhr noch am dämmrig gewordenen Himmel erkennen. Nach Neumond, am 17. in der Jungfrau, erscheint der zunehmende Mond bald wieder am Abendhimmel und erreicht am 24. im Schützen das Erste Viertel. An diesem Abend ist links vom Mond das auffällige Planetenpaar Jupiter (der hellere) und Saturn zu sehen, und am nächsten Abend zeigt sich der Mond unterhalb vom Ringplaneten.

Wer gegen 22 Uhr nach den Sternbildern Ausschau hält, findet den Großen Wagen am Nordwesthimmel. Hoch oben, nahe dem Zenit, erkennt man die strahlend weiße Wega im kleinen Sternbild der Leier. Zusammen mit Deneb (im Schwan) und Atair (im Adler) bildet sie das Sommerdreieck. Durch Schwan und Adler ziehen sich die Sternwolken der Sommermilchstraße bis hinab zum Schützen am Südwesthorizont. Allerdings ist in unseren lichtdurchfluteten Städten nichts von dieser hübschen Himmelserscheinung zu erkennen. Man braucht schon einen dunklen Landhimmel, und auch der Mond sollte den Nachthimmel nicht aufhellen. Dann aber gehört das Band der Milchstraße zu den ästhetisch schönsten Eindrücken, die der Sternenhimmel zu bieten hat.

Schon seit Jahrtausenden haben sich die Menschen Gedanken über die Milchstraße gemacht, und so rankten sich viele Mythen um diese Himmelserscheinung. Als erster hatte wohl der griechische Philosoph Demokrit im 4. Jahrhundert vor Christi die Idee, dass dieses milchig schimmernde Band in Wirklichkeit aus vielen einzelnen Sternchen bestehen könnte, die allerdings so eng beeinander stehen, dass ihr Licht zu einem Gesamteindruck verschmilzt. Dass diese Vermutung richtig war, konnte allerdings erst Galilei Galileo beweisen, der im Jahr 1609 mit seinem bescheidenen Fernrohr erkannte, dass die Milchstraße tatsächlich aus vielen Einzelsternchen besteht. Es dauerte dann aber noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, ehe die Astronomen nach und nach Klarheit über die räumliche Struktur und Ausdehnung der Milchstraße gewannen. So weiß man, dass ihre vielleicht 200 Milliarden Sterne vor allem in einer riesigen, über 100000 Lichtjahre großen flachen Scheibe angeordnet sind. Von oben betrachtet, zeigt diese Scheibe Spiralarme, die vor allem von Sternentstehungsgebieten und rötlich schimmernden Gaswolken nachgezeichnet werden. Unsere Sonne mitamt ihren Planeten befindet sich ebenfalls in dieser Scheibe – jedoch nicht im Zentrum, sondern etwa 26000 Lichtjahre davon entfernt. Das Zentrum unserer Galaxie (Milchstraße) liegt am irdischen Himmel gesehen weit hinter dem Sternbild des Schützen. Dort befindet sich, wie bei vielen anderen Galaxien auch, ein zentrales Schwarzes Loch mit der enormen Masse von vier Millionen Sonnenmassen.

Die bisher genaueste Bestandsaufnahme der Milchstraße führt zur Zeit noch die 2013 gestartete ESA-Sonde Gaia (ESA = European Space Agency) durch. Gaia misst unter anderem die Entfernungen, Bewegungsrichtungen und das Spektrum von Milliarden von Sternen in bislang unerreichter Genauigkeit. Der vor zwei Jahren veröffentlichte Katalog Gaia DR2 enthält bereits eine riesige Zahl an Messdaten. Durch Gaias Beobachtungen konnten zum Beispiel die Entfernungen sogenannter Cepheiden-Sterne genauer als bisher bestimmt werden. Damit werden auch deren wahren Leuchtkräfte besser bekannt, und das ist wichtig, weil Cepheiden als „Standardkerzen“ eine wichtige Rolle bei der Ausmessung des Kosmos spielen. Wenn man zum Beipiel in einer fernen Galaxie einen solchen Cepheidenstern findet und seine scheinbare Helligkeit (wie er uns am Himmel erscheint) mit der wahren Leuchtkraft dieser Standardkerze vergleicht, so lässt sich daraus sofort die Entfernung des Sterns und damit der ganzen Galaxie berechnen.

Sind auf diese Weise schon die Entfernungen einiger Galaxien bestimmt, so lassen sich im nächsten Schritt auch die wahren Leuchtkräfte der gewaltigen Supernova-Explosionen vom Typ Ia ermitteln, sofern sie in einer Galaxie mit bereits bekannter Entfernung aufleuchten. Diese Supernovae können dann ebenfalls als Standardkerzen verwendet werden, die aufgrund ihrer großen Leuchtkraft noch in viel größeren Entfernungen als die Cepheiden zu erkennen sind und damit ermöglichen, Galaxienentfernungen bis zu mehreren Milliarden Lichtjahren zu bestimmen. Anhand von Supernovabeobachtungen entdeckten im Jahr 1998 zwei Forschergruppen die beschleunigte Expansion des Kosmos, eine Entdeckung, die im Jahr 2011 mit dem Nobelpreis für Physik gewürdigt wurde.

 

 

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.09.20 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.09.20 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten