Monatssternenhimmel

Der Planetenriese Jupiter kommt in Opposition

Der Sternenhimmel im Mai/Venus ist strahlender Abendstern/Mitternachtsdämmerung beginnt

 

In Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten wird der Monat Mai mit den Worten besungen: „Vom Widder strahlt die helle Sonn‘ auf uns herab, nun weichen Frost und Dampf, nun schweben laue Lüft umher…“. Tatsächlich wandert die Sonne in der ersten Maihälfte zunächst durch das Sternbild Widder, ehe sie dann am 14. in das nächste Tierkreissternbild, den Stier hinüberwechselt. Ihre ohnehin schon großen Mittagshöhen nehmen dabei noch weiter zu und erreichen zum Monatsende mit rund 60 Grad bereits sommerliche Werte.

Der Mond beginnt den Mai in abnehmender Phase und geht ab dem 3. erst nach Mitternacht auf. Am Morgenhimmel begegnet er am 5. dem Saturn und steht am 6. bei Mars. Das Letzte Viertel wird am 8. im Steinbock erreicht. Nach Neumond, am 15. im Stier, zeigt sich die junge Mondsichel erstmals wieder am 17. in der Abenddämmerung. Schräg rechts über ihr leuchtet dabei der Abendstern Venus. Bis zum Monatsende lässt sich der Mond nun am Abendhimmel sehen. Dabei erreicht er am 22. im Löwen das Erste Viertel. Ein hübscher Himmelsanblick ergibt sich am 27., wenn der schon fast volle Mond dicht beim hellen Jupiter steht. Zwei Tage später tritt der Vollmond ein.

Wenn abends im Nordwesten noch die Venus am Himmel steht, zeigt sich gegenüber niedrig im Südosten bereits der zweithellste Planet, Jupiter. Dieser Gasriese kommt am 9. in Opposition zur Sonne. Das bedeutet, dass Jupiter am Himmel gesehen der Sonne dann genau gegenüber steht. Er geht also auf, wenn die Sonne untergeht, bleibt dann die ganze Nacht über am Himmel, und geht erst am nächsten Morgen unter, wenn die Sonne wieder aufgeht. Die Zeit um die Opposition bietet Sternfreunden also die beste Gelegenheit, den größten Planeten des Sonnensystems zu beobachten. Schon im Fernglas zeigt sich Jupiter als ein winziges Scheibchen, umgeben von den vier hellen Jupitermonden Io, Europa, Ganymed und Callisto. In Amateurfernrohren werden dann bei höheren Vergrößerungen Einzelheiten der Jupiteratmosphäre erkennbar: Dunkle Wolkenbänder, die sich mit hellen Zonen abwechseln. Und wenn man Glück hat, steht auch der berühmte Große Rote Fleck gerade auf der Vorderseite des Planeten und ist als matt orangefarbenes „Auge“ am südlichen Äquatorialband zu erkennen.

Nach Mitternacht kommen mit Saturn und Mars zwei weitere Planeten über den Horizont.Saturn steht im Gebiet des Schützen, und der immer heller werdende Mars – seine Opposition im Juli kündigt sich an – bewegt sich vom Schützen in den Steinbock.

Während so helle Gestirne wie Venus oder Jupiter auch bereits in der Dämmerung zu sehen sind, muss man an Maiabenden schon lange warten, ehe es am Himmel dunkel genug ist, um auch nach den Sternbildern Ausschau halten zu können. In den ersten Maitagen beginnt die „astronomische“ Dunkelheit erst gegen 23.30 Uhr und dauert bis kurz nach 3 Uhr am nächsten Morgen. Zur Monatsmitte ist diese für Sternfreunde wichtige Zeitspanne schon auf 0.40 Uhr bis 2.10 Uhr geschrumpft. Und in den letzten Maitagen beginnt auf unseren Breiten die Zeit der Mitternachtsdämmerung, dann bleibt es die gesamte Nacht über am Himmal leicht dämmrig.

Gegen Mitternacht erkennt man beim Blick zum Sternenhimmel tief im Nordwesten mit der hellen Capella im Fuhrmann und den beiden Zwillingssternen Castor und Pollux noch die allerletzten Vertreter des Winterhimmels. Mäßig hoch im Südwesten zeigt sich das schöne Frühlingssternbild des Großen Löwen mit seinem Hauptstern Regulus. Nach links schließt sich das ziemlich unübersichtliche Sternbild der Jungfrau an, das aber mit der bläulich-weißen Spica einen auffälligen Stern besitzt. Darüber und hoch im Süden steht das Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt. Sein gelblich-orange leuchtender Hauptstern heißt Arktur. Dieser Name geht auf das griechische Wort „arktos“ für „Bär“ zurück. Arktur ist der vierthellste Fixstern des gesamten Sternenhimmels und zählt mit einer Entfernung von 37 Lichtjahren zu unseren Sternnachbarn in der Milchstraße. Er gehört zu den so genannten „Roten Riesen“ und ist 25 mal so groß wie unsere Sonne.

Als Kusiosum sei noch erwähnt, dass man im Jahr 1933 mit Hilfe von Arktur das Flutlicht auf der damaligen Chicagoer Weltausstellung angeschaltet hat. Dazu wurde das Sternenlicht mit mehreren großen Fernrohren aufgefangen und in ein elektrisches Signal verwandelt, das dann den Schalter zur Lichtanlage aktiviert hat.

Halbwegs zwischen dem Löwen und Arktur liegt das unscheinbare Sternbild Coma Berenices (lateinisch für Haar der Berenice). Unter einem dunklen Landhimmel ohne störendes Licht kann man in diesem Sternbild einen matten Schimmer vieler schwacher Sternchen ausmachen, den Coma Sternhaufen. Wer ein Fernglas zu Hilfe nimmt, erkennt hier ein hübsches Gewimmel einzelner Sterne. Der Comahaufen gehört mit seiner Entfernung von etwa 280 Lichtjahren zu den nächsten der zahlreichen sogenannten offenen Sternhaufen, die unser Milchstraßensystem bevölkern.

Nach links schließt an den Bootes das kleine, aber durch seine Halbkreisform durchaus hübsche Sternbild der Nördlichen Krone an. Die sieben Sterne, die dieses Halbrund bilden, sind allerdings meist recht schwach und kommen nur unter dunklem Himmel zur Geltung. Nur der Hauptstern der Nördlichen Krone sticht heraus. Er heißt Gemma (lateinisch für Edelstein) oder auch Alphecca. Gemma ist 76 Lichtjahre von uns entfernt und etwas heißer und größer als unsere Sonne. Und obwohl Gemma am Himmel gesehen recht weit vom Großen Wagen entfernt steht, der jetzt hoch oben in Zenitnähe zu finden ist, so ist dieser Stern doch mit den Wagensternen physikalisch verwandt. Er gehört nämlich zusammen mit den meisten Sternen des Großen Wagens und noch etlichen weiteren zum sogenannten Bärenstrom, einer weit verstreuten Gruppe von Sternen, die vor rund 500 Millionen Jahren gemeinsam entstanden sind und jetzt noch gemeinsam durch die Milchstraße ziehen.

Im Osten ist soeben das Sommerdreieck aus den hellen Sternen Wega, Deneb und Atair aufgegangen und kündigt den nahenden Sommer an.

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.05.2018 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.05.2018 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten