Monatssternenhimmel

Venus ist der Star des Abendhimmels

Der Sternenhimmel im März/Frühlingsanfang und Zeitumstellung/Hübsche Begegnungen von Mond und Planeten

Am 20. März erreicht die Sonne den Frühlingspunkt ihrer Jahresbahn. Dieser fiktive Punkt liegt im Sternbild der Fische und ist die Stelle, an der die Sonne auf ihrer jährlichen Wanderung durch den Tierkreis den Himmelsäquator von Süden nach Norden überquert. Für uns Bewohner der Nordhalbkugel der Erde markiert dieses Ereignis den Frühlingsanfang. Und weil die Sonne an diesem Tag jeweils rund 12 Stunden über und unter dem Horizont verbringt, spricht man auch von der Tag- und Nachtgleiche. Nichts mit dem Sonnenlauf hat dagegen die Umstellung auf Sommerzeit zu tun. Am Morgen des 29. werden unsere Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt.

Mit dem Frühlingsanfang beginnt auch das Sommerhalbjahr. Es ist mit 186 Tagen etwas länger als das Winterhalbjahr mit 179 Tagen, und man mag sich fragen, warum eigentlich die beiden Halbjahre nicht genau gleich lang sind. Denn immerhin haben ja die Abschnitte des Tierkreises, die die Sonne im Sommerhalbjahr beziehungsweise im Winterhalbjahr durchläuft, gleiche Länge. Es ist aber so, dass sich die Sonne auf diesen beiden Teilabschnitten nicht gleich schnell fortbewegt – im Sommer kommt sie ein wenig langsamer voran als im Winter. Dies liegt eigentlich nicht an der Sonne, sondern hierin spiegelt sich die ungleichförmige Bahngeschwindigkeit der Erde wider, von der aus wir ja in Richtung Sonne blicken und sie vor dem Hintergrund der Tierkreissternbilder wandern sehen. Im Sommerhalbjahr durchläuft unser Planet die sonnenferneren Teile seiner Umlaufbahn und ist deshalb entsprechend Johannes Keplers zweitem Planetengesetz etwas langsamer unterwegs als im Winterhalbjahr.

Der Mond ist in den ersten beiden Märzwochen am Abendhimmel zu sehen. Am 2. erreicht er das Erste Viertel und am 9. tritt Vollmond ein. Dabei wird die Vollmondscheibe diesmal besonders groß am Himmel stehen, weil sich unser Trabant kurz vor seiner Erdnähe befindet. Ab dem Letzten Viertel am 16. zeigt sich der Mond dann nur noch am Morgenhimmel. Dabei bietet sich am 18. ein besonders hübscher Anblick, wenn die Mondsichel dicht neben dem Planetenpaar Mars und Jupiter steht – zu sehen ab 4.40 Uhr tief im Südosten. Am nächsten Morgen zeigt sich die Mondsichel unter dem Ringplaneten Saturn. Für weitere interessante Begegnungen am Morgenhimmel sorgt der schnelle Mars: Er überholt den Jupiter am Morgen des 20., wobei die beiden ein auffälliges Planetenpaar bilden. Und am Monatsletzten hat Mars auch den Saturn eingeholt. Kurz nach Neumond (am 24.) kommt es am Abend des 28. zu einem weiteren, besonders reizvollen Himmelsanblick, wenn die zunehmende Mondsichel beim hell strahlenden Abendstern Venus steht. Nachdem es genügend dunkel geworden ist, erkennt man oberhalb der Venus als Zugabe auch noch die bekannte Sterngruppe der Plejaden.

Die Venus ist in diesem Monat der unbestrittene Star am Abendhimmel. Schon in der Dämmerung wird sie am Westhimmel sichtbar und entwickelt sich dann mit zunehmender Dunkelheit zu einem imposant leuchtenden, weiß strahlenden Gestirn. Ihr Untergang erfolgt am Monatsanfang gegen 22.20 Uhr, zum Monatsende sinkt sie erst kurz vor Mitternacht unter den Horizont. Als Wandelstern war Venus den Menschen schon seit Urzeiten bekannt. So verehrten bereits im dritten Jahrtausend vor Christi Sumerer und auch Ägypter die Venus als Abend- oder Morgenstern und schrieben sie verschiedenen Göttinnen zu.

Obwohl also Venus schon seit Jahrtausenden beobachtet wurde, so hat es doch lange gedauert, ehe man mit wissenschaftlichen Methoden Näheres über dieses Gestirn in Erfahrung bringen konnte. Zwar wusste man schon seit sich das heliozentrische Weltbild im 17. Jahrhundert durchgesetzt hatte, dass Venus auf einer nahezu kreisförmigen Bahn innerhalb der Erdbahn um die Sonne läuft. Und Fernrohrbeobachtungen ließen auch den Durchmesser unseres Nachbarplaneten bestimmen, der nur wenig kleiner als die Erde ist. Aber leider verhinderte eine dichte Wolkendecke jeden Blick auf die Oberfläche. Erst mit Hilfe der Radartechnik und durch Raumsonden konnten ab der Mitte des letzten Jahrhunderts die Geheimnisse der Venus langsam entschlüsselt werden.

Heute wissen wir, dass sich Venus äußerst langsam um ihre Achse dreht, nämlich nur einmal in 224 Tagen. Dabei steht sie im Vergleich zu den übrigen Planeten sozusagen auf dem Kopf, was vielleicht auf die Kollision mit einem anderen Himmelskörper in der Frühzeit des Planetensystems zurückzuführen ist. Die dichte Venusatmosphäre besteht fast gänzlich aus Kohlendioxid, und eine geschlossene Wolkendecke aus Tröpfchen von Schwefelsäure verhindert den Blick auf die Oberfläche. Die mittels Radartechnik gewonnene und bislang beste Kartierung der Venusoberfläche gelang der amerikanischen Sonde Magellan, die im Jahr 1990 in eine Umlaufbahn um Venus einschwenkte. So konnte man eine Venuskarte erstellen, die sanft gewellte Ebenen, aber auch Krater, Vulkane und einige kontinentartige Plateaus zeigt. Die höchste Erhebung stellen die Maxwell-Berge dar, die sich fast 11000 Meter über das mittlere Venusniveau erheben.

Wahrhaft außerirdisch sind die Verhältnisse auf der steinigen Oberfläche. Die Landschaft liegt bei einer Bruthitze um 460 Grad in einem rötlichen Dämmerlicht, und der Luftdruck ist dort so groß, wie er auf der Erde in einer Wassertiefe von rund 900 Metern herrscht. Im Jahr 1970 landete mit der sowjetischen Sonde Venera 7 erstmals ein Raumflugkörper auf der Venus und konnte für kurze Zeit noch Daten von der Oberfläche senden. Später glückte die Landung weiterer Venerasonden, die auch einige Fotos von ihrer Umgebung übermittelten. Wer einen optischen Eindruck von dieser unwirtlichen Welt bekommen möchte, findet diese Venerafotos leicht im Internet.

Am Sternenhimmel des März sind gegen 22 Uhr im Südwesten noch alle Wintersternbilder versammelt. Dabei sollte man noch einmal nach der rötlichen Beteigeuze, dem linken Schulterstern des Orion sehen, die ja in den letzten Monaten einen immer noch rätselhaften Helligkeitseinbruch erlebte (wir berichteten darüber). Im Südosten steht jetzt mit dem Löwen bereits ein Vorbote des Frühlings. Und wer den Großen Wagen suchen möchte, findet ihn hoch am Osthimmel.

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.03.20 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.03.20 um 0.00 Uhr MEZ.

Autor: Volker Kasten