Monatssternenhimmel

Der Sternenhimmel im April

Dies ist die ausführliche Übersicht für alle astronomischen Ereignisse in diesem Monat. Für die Eiligen haben wir noch das Astro-Stenogramm.

Jupiter ist der Star am Nachthimmel

Der Sternenhimmel im April/Sonde Juno erforscht Jupiter/Mond bedeckt Aldebaran

Im April wandert die Sonne zunächst durch das Sternbild der Fische und wechselt am 18. in den Widder. In diesem Abschnitt steigt der Tierkreis kräftig an, so dass der Bogen, den unser Tagesgestirn über den Himmel zieht, nun immer höher und länger wird. Die Abende bleiben zunehmend länger hell, und wer den Sternenhimmel betrachten will, muss zum Monatsende schon bis kurz nach 23 Uhr warten, ehe es am Himmel dunkel geworden ist.

Der Mond zeigt sich zum Monatsanfang in zunehmender Phase am Abendhimmel und erreicht am 3. im Sternbild der Zwillinge das Erste Viertel. Wenn die Sonne an diesem Abend untergeht, steht der Halbmond schon hoch im Süden.

Wer in der Vollmondnacht vom 10. zum 11. einen Blick zum Mond wirft, dem wird sicher ein helles Gestirn dicht neben dem Mond auffallen. Das ist der Planet Jupiter, der nur eine Daumenbreite (bei ausgestrecktem Arm betrachtet) vom Mond entfernt steht. Dieses Gestirnspaar lässt sich die ganze Nacht über beobachten. Gegen 1 Uhr stehen beide am Südhimmel.

Ab der Monatsmitte verlagern sich die Aufgänge des inzwischen abnehmenden Mondes in die Morgenstunden. Am Morgen des 17. steht der Mond links neben dem Ringplaneten Saturn, eine Begegnung, die sich ab 3 Uhr Richtung Südosten beobachten lässt, die aber bei weitem nicht so spektakulär ist wie die Begegnung mit Jupiter.

Nach dem letzten Viertel, am 19. im Schützen, kann man die immer schmaler werdende Sichel des Mondes noch ein paar Tage verfolgen, bis der Mond schließlich am 26. die Sonne am Himmel eingeholt hat und Neumond eintritt. Dabei steht der Mond im Gebiet des Walfischs. Aufmerksame Leser mag das vielleicht verwundern, wenn sie sich erinnern, dass die Sonne sich an diesem Tag nicht im Walfisch, sondern im Sternbild Widder aufhält. Dies klärt sich aber so: Mit Ausnahme der seltenen Sonnenfinsternisse steht der Neumond ja nie genau vor der Sonne, sondern hält einen gewissen Abstand zu ihr – diesmal sind es rund 5 Grad. Das Sternbild Walfisch grenzt unmittelbar an das Gebiet des Widders, und die Trennlinie zwischen beiden Sternbildern verläuft diesmal genau zwischen dem Neumond und der Sonne. So kann der Neumond im Walfisch stehen, die Sonne gleichzeitig aber im Widder.

Nach Neumond lässt sich die haarfeine Sichel des jungen Mondes bereits am Abend des 27. gegen 21 Uhr für kurze Zeit tief im Westen erspähen. Am frühen Abend des 28. kommt es zu einer Bedeckung des hellen Sterns Aldebaran durch den Mond. Ein solches Ereignis wäre ziemlich spektakulär, wenn es am dunklen Nachthimmel stattfände. Leider trifft das aber diesmal nicht zu. Denn wenn der Stern um 20.17 Uhr hinter dem linken, dunklen Mondrand verschwindet, steht die nicht weit entfernte Sonne noch knapp über dem Horizont, so dass es viel zu hell ist, um den Eintritt des Sterns zu beobachten. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse, wenn Aldebaran um 21.06 Uhr wieder am rechten Rand der Mondsichel auftaucht. Die Sonne ist dann bereits untergegangen und die Mondsichel dürfte trotz der hellen Dämmerung schon mit bloßen Augen am Westhimmel sichtbar sein. Um allerdings auch den Aldebaran bei seinem Austritt erkennen zu können, wird man wegen des hellen Himmelshintergrundes ein Fernglas benötigen.

Wie schon im Vormonat, lassen sich auch im April alle fünf hellen Planeten beobachten. Merkur beendet allerdings seine Abendsichtbarkeit und lässt sich nur noch in den ersten Apriltagen gegen 21 Uhr dicht über dem Westhorizont auffinden. Weiter links und etwas höher steht der rötlich getönte Mars, dessen Untergang den ganzen Monat über kurz nach 23 Uhr erfolgt. Saturn und die strahlend helle Venus zeigen sich am Morgenhimmel.

Der unbestrittene Star am Sternenhimmel dieses Monats ist aber der Jupiter. Er erreicht am 7. seine diesjährige Oppositionsstellung zur Sonne. Das bedeutet, dass er ihr am Himmel gesehen genau gegenüber steht und daher die ganz Nacht über als auffallend helles Gestirn zu sehen ist. Schon in der Abenddämmerung wird er am Südosthimmel sichtbar. Gegen 1 Uhr steht er mäßig hoch im Süden, unweit von Spica, dem Hauptstern der Jungfrau, und beherrscht mit seiner Helligkeit den gesamten Sternenhimmel.

Jupiter ist der größte Planet im Sonnensystem. Sein gewaltiger Körper hat einen Durchmesser vom 12-fachen unserer Erde, und seine Masse ist mehr als doppelt so groß wie die aller übrigen Planeten zusammen. Er umkreist die Sonne weit außerhalb der Erdbahn und ist dabei fünfmal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Rund zwölf Jahre braucht Jupiter, um die Sonne einmal zu umlaufen. Anders als unsere Erde und Merkur, Venus und Mars, gehört Jupiter zu den so genannten Gasplaneten. Er hat also keine feste, steinige Oberfläche, sondern ist ein riesiger Gasball, der überwiegend aus Wasserstoff und etwas Helium besteht. Nur tief in seinem Inneren vermutet man einen Gesteinskern. Mit seinen 67 bekannten Mondes bildet dieser Planetenriese eine Welt für sich. Die vier größten und schon von Galilei im Jahr 1610 entdeckten Monde Io, Europa, Ganymed und Callisto lassen sich heute bereits mit einem Fernglas erkennen. Seit dem Juli 2016 wird Jupiter auch von der NASA-Sonde Juno umkreist, die unter anderem die genaue Zusammensetzung seiner Atmosphäre und sein starkes Magnetfeld erforschen soll.

Mit dem Frühling verabschieden sich nun auch die letzten Wintersternbilder. Gegen 23 Uhr zeigen sich im Westen nur noch Fuhrmann, Zwillinge und Kleiner Hund. Hoch am Südhimmel steht jetzt das Sternbild des Löwen, das man leicht am Himmel finden wird, wenn man sich seine einprägsamen Umrisse auf unserer Karte angeschaut hat. Schräg links unterhalb vom Löwen ist das Sternbild der Jungfrau zu sehen, das mit dem hellen Jupiter ein besonderes Glanzlicht trägt. Und der Große Wagen ist jetzt zenitnah zu finden, man muss dafür also nur senkrecht nach oben schauen.

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.04.17 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.04.17 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten