Monatssternenhimmel

Eine Mondfinsternis in den Morgenstunden

Der Sternenhimmel im Januar/Hell funkelnde Wintersterne im Süden/Quadrantiden- Sternschnuppen

Wenn das neue Jahr beginnt, liegt die Wintersonnenwende erst wenige Tage zurück, und so hält sich die Sonne noch in den tiefsten Regionen des Tierkreises auf. Sie wandert zunächst durch das Sternbild des Schützen und wechselt am 20. in das nächste Tierkreissternbild, den Steinbock. Etwa zu dieser Zeit macht sich auch im Alltag bemerkbar, dass die Tage schon wieder ein wenig länger werden.

Zum Monatsanfang ist davon allerdings noch nichts zu spüren. Besonders, wer schon früh unterwegs sein muss, wird beklagen, dass es morgens immer noch nicht früher hell wird. Genaugenommen sind die ersten Januartage sogar diejenigen mit dem spätesten Sonnenaufgang des ganzen Jahres. Er erfolgt gegen 8.30 Uhr und damit zwei Minuten später als am kürzesten Tag des Jahres, zur Wintersonnenwende. Die Erklärung für dieses scheinbare Paradoxon liegt im unregelmäßigen Gang der Sonne. Als ein natürlicher Zeitanzeiger stellt sie nämlich nur eine recht unregelmäßig laufende Uhr dar. Wenn man ihren Gang mit einer modernen, gleichmäßig gehenden Uhr vergleicht, so geht die Sonnenuhr zu manchen Zeiten im Jahr um bis zu einer viertel Stunde vor, zu anderen Zeiten geht sie wieder nach. In den Tagen um den Jahreswechel fällt die Sonne hinter unserer gewöhnlichen Uhrzeit zurück und geht daher trotz des langsam wieder ansteigenden Sonnenstandes etwas später auf als zur Wintersonnenwende.

Der Mond zeigt sich in den ersten Januartagen als abnehmende Sichel am Morgenhimmel. Dabei ergibt sich am 2. ein hübscher Himmelsanblick, wenn die Mondsichel links neben der strahlend hellen Venus steht. Gegen 7 Uhr findet man beide Gestirne recht niedrig über dem Südosthorizont. Bis zum nächsten Morgen ist der Mond weitergewandert und zeigt sich nun dicht beim Jupiter, der ebenfalls auffällig hell leuchtet, auch wenn er mit der Venus an Glanz nicht ganz mithalten kann.

Der Neumond tritt am 6. im Sternbild des Schützen ein. Für diesen Tag verzeichnen die astronomischen Jahrbücher eine partielle Sonnenfinsternis, die sich aber leider von Deutschland aus nicht beobachten lässt. Der Mondschatten fällt hierbei nämlich nur auf Japan und Teile des Nordpazifiks. Bereits am 7. zeigt sich die haarfeine Sichel des jungen Mondes bald nach 17 Uhr für kurze Zeit wieder in der Abenddämmerung, tief im Südwesten. Bis in die letzte Januarwoche kann man unseren Trabanten nun in wechselnden Phasen am Abendhimmel sehen. Dabei steht er am 12. unterhalb von Mars, dem Roten Planeten, und erreicht am 14. im Sternbild der Fische das Erste Viertel.

Am 21. tritt der Vollmond ein. Und dies ist ein besonderer Vollmond, denn er steht dabei nicht nur in Erdnähe und sieht daher auffällig groß aus, sondern es kommt in den Morgenstunden dieses Tages auch zu einer bei uns sichtbaren totalen Mondfinsternis. Mondfinsternisse entstehen, wenn der Mond durch den Schattenkegel wandert, den die von der Sonne angestrahlte Erdkugel in den Weltraum wirft. Innerhalb des Erdschattens unterscheidet man den Kernschattenkegel, in den überhaupt kein direktes Sonnenlicht mehr fällt, und den Halbschattenbereich, der wenigstens teilweise noch im Sonnenlicht liegt. Nur im Kernschatten kommt es zu einer auch für das bloße Auge auffälligen Verdunkelung des Mondes. Die Mondfinsternis beginnt um 3.35 Uhr mit dem nicht wahrnehmbaren Eintritt in den Halbschatten. Interessant wird es erst um 4.34 Uhr mit dem Eintritt des Mondes in den Kernschatten. Zu dieser Zeit steht unser Trabant am Westhimmel, und man kann nun verfolgen, wie sich der dunkle Kernschatten von links her immer weiter über die Mondscheibe schiebt. Um 5.41 Uhr beginnt die totale Phase der Finsternis. Dann zeigt sich der gesamte Mond verfinstert und schimmert geheimnisvoll in einem rötlichen Licht.

Auf diese Rotverfärbung geht auch die schaurig-schöne Bezeichnung „Blutmond“ für eine totale Mondfinsternis zurück, die seit einigen Jahren in den Medien auftaucht. Diese Bezeichnung stammt aus Esoterikkreisen und wird von astronomisch Interessierten nur ungern verwendet. Interessant ist aber die Frage, woher das rötliche Licht stammt, denn eigentlich sollte ja keinerlei Sonnenlicht mehr in den Kernschattenbereich fallen. Auf indirektem Weg gelangt aber doch ein wenig Licht dort hin. Es kommt von Lichtstrahlen, die in der Erdatmosphäre gebrochen und so in den Kernschattenbereich umgelenkt werden. Dieses Licht ist rötlich, weil der blaue Anteil beim Durchgang durch unsere Lufthülle herausgestreut wird – ähnlich, wie man das von einem roten Sonnenuntergang her kennt.

Die totale Phase der Finsternis endet um 6.44 Uhr. Dann steht der Mond nur noch recht niedrig am Westhimmel und die Morgendämmerung hat bereits eingesetzt. In der folgenden Stunde lässt sich bei weiter zunehmender Dämmerung verfolgen, wie der dunkle Kernschatten langsam nach rechts unten von der Mondscheibe abzieht. Um 7.51 Uhr, beim Austritt aus dem Kernschatten, steht der Mond am inzwischen hell gewordenen Himmel dicht über dem Westhorizont und geht eine halbe Stunde später bereits unter.

Mit dem Letzten Viertel, am 27., zieht sich der abnehmende Mond an den Morgenhimmel zurück. Eine hübsche Himmelsszenerie bietet sich am 31., wenn die Mondsichel gegen 7 Uhr tief im Südosten zwischen Venus und Jupiter zu sehen ist. Diese beiden hellsten Planeten schmücken im ganzen Januar den Morgenhimmel und bilden ein auffälliges Duo, wenn sie am 22. dicht nebeneinander stehen. Ebenfalls in den Morgenstunden kann man am 4. nach Sternschnuppen des Quadrantidenstromes Ausschau halten. Wenn man ihre Bahnspuren nach rückwärts verlängert, so scheinen sie alle aus dem Sternbild des Bootes zu kommen, das hoch am Osthimmel steht.

Am Abendhimmel haben sich jetzt so viele hell funkelnde Sterne versammelt wie zu keiner anderen Jahreszeit. Gegen 22 Uhr steht der Orion, das schönste Wintersternbild, im Süden. Er ist umgeben von Stier, Furmann, den Zwillingen sowie dem Großen und Kleinen Hund. Niedrig im Südwesten leuchtet noch unser Nachbarplanet Mars. Und im Osten kommt mit dem Löwen bereits ein Vorbote des Frühlings über den Horizont.

 

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.01.19 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.01.19 um 0.00 Uhr MEZ.

Autor: Volker Kasten