Monatssternenhimmel

Eine Halbschattenfinsternis in den Abendstunden

Der Sternenhimmel im Januar/Venus ist strahlender Abendstern/Funkelnde Wintersterne im Süden/Viele Sternschnuppen

Wenn das neue Jahr beginnt, liegt die Wintersonnenwende erst ein paar Tage zurück. Seitdem hat sich die Sonne zwar theoretisch schon wieder an den Aufstieg im Tierkreis gemacht, aber davon ist im täglichen Leben zunächst kaum etwas zu spüren. Unser Tagesgestirn wandert durch das Sternbild des Schützen und erreicht am 20. das nächste Tierkreissternbild, den Steinbock. Dies ist ungefähr auch die Zeit, in der man merkt, dass die Tage langsam wieder länger werden.

Dass die Sonne im Laufe eines Jahres einmal alle Tierkreissternbilder durchläuft, ist ein perspektivischer Effekt. Wir befinden uns ja als Beobachter auf der Erde, und wenn wir an irgendeinem Tag des Jahres zur Sonne blicken würden und dabei die Tageshelligkeit einfach „abstellen“ könnten, so dass auch die Sterne sichtbar würden, dann sähen wir die Sonne vor dem Hintergrund eines der Tierkreissternbilder – zum Jahresbeginn also vor den Sternen des Schützen. Wenn nun die Erde im Laufe des Jahres auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne vorankommt, dann ändert sich unsere Blickrichtung zur Sonne, und damit ändert sich auch der Hintergrund, vor dem die Sonne steht. So könnten wir sie ab dem 20. Januar im Steinbock sehen, später dann im Wassermann und so weiter, bis sie nach einem Jahr den gesamten Tierkreis durchlaufen hat.

Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist nicht genau kreisförmig, sondern leicht elliptisch, so dass ihr Abstand zur Sonne im Jahresverlauf variiert. Den sonnennächsten Punkt ihrer Umlaufbahn, das sogenannte Perihel, durchläuft die Erde am 5. Januar und ist dann 147,1 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das Apohel, den sonnenfernsten Bahnpunkt, erreicht sie am 4. Juli, dann beträgt die Entfernung zur Sonne 152,1 Millionen Kilometer. Dass die Erde ausgerechnet dann der Sonne am nächsten steht, wenn bei uns Winter ist, mag vielleicht manchem paradox vorkommen. Die Jahreszeiten haben aber nichts mit dem Abstand zur Sonne zu tun. Es ist vielmehr die Neigung der Erdachse, die für wechselnde Jahreszeiten sorgt.

Der Mond ist zum Monatsbeginn in zunehmender Phase am Abendhimmel zu sehen und erreicht am 3. im Sternbild des Walfischs das Erste Viertel. Der Vollmond tritt am 10. im Sternbild der Zwillinge ein. Dies ist ein besonderer Vollmond, denn es kommt dabei zu einer sogenannten Halbschattenfinsternis. Generell entsteht eine Mondfinsternis ja dadurch, dass der Mond mehr oder weniger tief in den Schattenbereich eindringt, den die von der Sonne angestrahlte Erde in den Weltraum wirft. In diesem Schattenbereich kann man zwei Zonen unterscheiden. Da ist der kegelförmige Kernschatten, in den überhaupt kein direktes Sonnenlicht fällt. Wenn der Mond in diesen Kernschatten eindringt, können wird eine partielle (teilweise) oder im besten Fall sogar totale Mondfinsternis bewundern. Umgeben ist der Kernschattenkegel vom sogenannten Halbschattenbereich, in den immer noch etwas Sonnenlicht fällt. Man spricht von einer Halbschattenfinsternis, wenn der Mond nur den Halbschatten durchquert, ohne den Kernschatten zu erreichen. Solch eine Halbschattenfinsternis ist kein spektakuläres Himmelsereignis, denn die Lichtminderung auf der Vollmondscheibe ist dabei ziemlich gering, so dass man schon genauer hinschauen muss, um die Finsternis überhaupt zu bemerken. Immerhin ist die bevorstehende Halbschattenfinsternis aber für Deutschland die einzige Finsternis dieses Jahres, die sich gut beobachten lässt.

Der Mond tritt am Abend des 10. um 18.06 Uhr in den Halbschatten ein, aber das ist am Mond nicht zu beobachten. Erfolgversprechend ist dagegen einige Zeit um die Finsternismitte gegen 20.10 Uhr. Zu der Zeit steht der Mond am Osthimmel und der Halbschatten wird sich dann als leichte, aber doch merkliche Lichtminderung auf dem unteren Teil der Mondscheibe abzeichnen. Manchmal ist dieser Effekt im Fernglas deutlicher zu sehen, auch hinreichend gezoomte Mondaufnahmen werden die Verfinsterung zeigen, wobei zur Aufnahme natürlich ein Fotostativ benutzt werden muss.

Nach dem Letzten Viertel, am 17. in der Jungfrau, zeigt sich der abnehmende Mond dann nur noch am Morgenhimmel. Dabei ergibt sich am 20. ein hübscher Himmelsanblick, wenn die Mondsichel bei Mars und Antares steht und mit diesen beiden ein nettes Dreieck bildet. Etwa ab 6.15 Uhr kann man nach diesem Gestirnstrio niedrig im Südosten Ausschau halten.

Bald nach dem Neumond, am 24. im Steinbock, erscheint die junge Mondsichel wieder am Abendhimmel. Dabei zeigt sie sich am 28. in der Dämmerung links neben Venus, dem Abendstern. Diese hübsche Begegnung lässt sich bis gegen 20 Uhr über dem Westhorizont bewundern.

Die Venus ist den ganzen Januar über ein imposant strahlender Abendstern. Sie wird schon in der hellen Dämmerung als erstes Gestirn am Himmel sichtbar, leuchtet mit abnehmender Dämmerung immer auffälliger und geht erst nach Anbruch der Dunkelheit unter. Wer ein Fernglas besitzt, sollte sich den Abend des 27. vormerken. Dann kann Venus nämlich als Wegweiser zum Planeten Neptun dienen. Neptun ist der entfernteste der acht Sonnenplaneten. Wir erwähnen ihn hier selten, weil er so lichtschwach ist, dass man zum Auffinden nicht nur ein Fernglas benötigt, sondern normalerweise auch noch eine gute Aufsuchekarte, um diesen kleinen Lichtpunkt unter vielen ähnlich schwachen Sternchen identifizieren zu können. Aber am 27. kommt man dank Venus ohne Sternkarten aus – der ferne Planet steht dann als mattes Lichtpünktchen dicht oberhalb vom Abendstern.

Wer an Januarabenden gegen 22 Uhr nach den Sternbildern Ausschau hält, findet den Großen Wagen am Nordosthimmel. Hoch im Süden steht nun das schönste Wintersternbild, der Orion. Er ist umgeben vom Stier mit den Sterngruppen der Plejaden und Hyaden, den Zwillingen und dem Großen Hund, dessen funkelnder Hauptstern Sirius der hellste Fixstern des gesamten Himmels ist. Sternschnuppenfreunde können in den Morgenstunden des 4. nach den Quadrantiden Ausschau halten. Sie gehören zu den stärksten Meteorströmes des Jahres, ihr Ausstrahlungspunkt liegt in der Nähe der Wagendeichsel im heute nicht mehr gebräuchlichen Sternbild Quadrant.

 

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.01.2020 um 0:00 MEZ

Autor: Volker Kasten