Monatssternenhimmel

Neuer Bote aus einem fernen Sonnensystem

Der Sternenhimmel im Oktober/ Interstellarer Komet Borisov/ Orioniden-Sternschnuppen/ Sommerzeit endet am 27.

 

Im Oktober setzt unsere Sonne ihren Abstieg im Tierkreis fort. Sie durchquert dabei das Sternbild der Jungfrau und erreicht am Monatsletzten die Waage. In diesen Wochen macht sich besonders deutlich bemerkbar, dass die Tage kürzer werden. Und wenn am 27. die Sommerzeit endet und die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt werden, tritt die Dunkelheit abends schlagartig noch eine Stunde früher ein.

Der Mond ist in den ersten Oktobertagen als zunehmende Sichel am Abendhimmel zu sehen. Dabei steht er am 3. dicht neben dem hellen Jupiter und beim Ersten Viertel, am 5., dicht neben Saturn. Vollmond tritt am 13. im Sternbild Walfisch ein. Ab dem Letzten Viertel, am 21. in den Zwillingen, geht der Mond erst nach Mitternacht auf. Nach dem Neumond am 28. erscheint die junge Mondsichel bereits am 29. gegen 17 Uhr wieder für kurze Zeit in der Abenddämmerung und steht dabei über der Venus, die allerdings wegen ihrer Horizontnähe wohl nur im Fernglas zu erkennen ist. Ein hübscher Anblick bietet sich am frühen Abend des 31., wenn die Mondsichel zum zweiten Mal in diesem Monat dicht neben dem hellen Jupiter steht.

Wer gegen 22 Uhr nach den Sternbildern Ausschau hält, wird vielleicht als erstes den Großen Wagen aufsuchen wollen: Dieses bekannteste aller Sternbilder steht jetzt in seiner niedrigsten Stellung am Nordhimmel. Weiter links, hoch im Südwesten, sind die drei hellen Sterne Wega, Deneb und Atair des Sommerdreiecks zu sehen. Den Südhimmel nehmen die ziemlich lichtschwachen Sternbilder des Herbstes ein, wie Wassermann und Pegasus. Weil sie keine auffällig hellen Sterne enthalten, kommen sie nur unter einem dunklen Landhimmel zur Geltung. Am leichtesten ist dabei noch das sogenannte Pegasusquadrat zu finden, das manchmal auch „Herbstviereck“ genannt wird. Es wird von vier mittelhellen Sternen gebildet, die zum Sternbild Pegasus gehören. Interessanter sieht es dann Richtung Osten aus, wo Perseus, Andromeda und Cassiopeia hoch am Himmel stehen. Darunter ist soeben der Stier mit den Plejaden aufgegangen.

Mit der allgemeinen Umdrehung des Sternenhimmels ändert sich die Himmelsszenerie im weiteren Verlauf der Nacht aber beträchtlich, und so ergibt sich morgens kurz vor 6 Uhr, wenn die Dämmerung gerade einsetzt, ein völlig anderes Bild. Am Südhimmel bietet sich dann ein Anblick, wie man ihn von Winterabenden kennt. Im Zentrum steht dort der Orion, umgeben vom Großen und Kleinen Hund, dem Stier und den Zwillingen.

Im Gebiet zwischen dem Orion und den Zwillingen liegt der Ausstrahlungspunkt der Orioniden-Sternschnuppen, die sich in jedem Jahr für einige Tage um den 21. Oktober herum bemerkbar machen. Die Orioniden sind „Grüße“ vom berühmten Halleyschen Kometen, der sich selbst zur Zeit weit entfernt in den äußeren Bereichen unseres Planetensystems aufhält und erst 2061 wieder in Sonnennähe zurückkehren wird. Er hat aber zahllose Staubpartikel längs seiner gesamten Umlaufbahn verstreut, und wenn die Erde jedesmal im Oktober diese Staubbahn durchquert, verglühen die Partikel als Sternschnuppen in unserer Atmosphäre. So zahlreich wie die bekannteren Perseiden vom August sind die Orioniden allerdings nicht, so dass man schon etwas Geduld braucht, wenn man nach ihnen Ausschau halten will. Am besten eignen sich hierfür die Stunden vor Beginn der Morgendämmerung.

Zu dieser frühen Morgenstunde steht am Osthimmel mit dem Löwen bereits ein Sternbild, das eigentlich für den Abendhimmel im Frühjahr typisch ist. Durch den Löwen wandert jetzt im Oktober ein Objekt, das zwar viel zu lichtschwach ist, um mit bloßen Augen erkannt zu werden, das aber in jüngster Zeit für Schlagzeilen gesorgt hat und noch weiter sorgen wird. Am 30. August entdeckte der ukrainische Amateurastronom Gennady Borisov einen schwachen Kometen, der die wissenschaftliche Bezeichnung Bezeichnung C/2019 Q4 erhielt. Kometenentdeckungen sind heutzutage eigentlich etwas fast Alltägliches. Aber eine erste Bahnbestimmung zeigte, dass man es hier mit etwas ganz Besonderem zu tun hatte. Die Flugbahn dieses Kometen ist nämlich keine Ellipse um die Sonne, wie man es von den Planeten her kennt, sondern eine offene Bahn, eine Hyperbel. Das bedeutet, dass dieses Objekt nicht zu unserem Sonnensystem gehört, sondern ein interstellarer Bote ist, der vermutlich von einem anderen, fernen Sonnensystem stammt und nach einem Flug von Millionen von Jahren nun zufällig in unser Sonnensystem gelangt ist. Man kannte bislang nur ein einziges ähnliches Objekt, ‚Oumuamua genannt, das im Herbst 2017 durch unser Sonnensystem flog und dessen genaue Natur damals nicht sicher festgestellt werden konnte. Weil Komet Borisov aber bereits einen kurzen Schweif zeigt, ist die Kometennatur bei diesem interstellaren Objekt klar. Zur Zeit befindet sich der Komet noch im Anflug. Seinen sonnennächsten Bahnpunkt (das sogenannte Perihel) durchläuft er Anfang Dezember und steht dabei etwas außerhalb der Marsbahn. Anschließend wird er unser Sonnensystem wieder verlassen. Im Internet findet man einen Wikipedia Beitrag hierzu unter de.wikipedia.org/wiki/C/2019_Q4_(Borisov).

Ebenfalls im Gebiet des Löwen befindet sich ein Objekt ganz anderer Art, das jüngst ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hat. Es handelt sich um ein schwaches, nur in größeren Teleskopen sichtbares Sternchen mit der Katalogbezeichnung K2-18, einen sogenannten Roten Zwergstern in 124 Lichtjahren Entfernung. Schon im Jahr 2015 entdeckte das Weltraumteleskop Kepler einen Planeten, der um diesen Stern kreist und der die Bezeichnung K2-18b erhielt. Dieser Exoplanet ist etwa doppelt so groß wie unsere Erde und bewegt sich in der sogenannten „habitabilen Zone“ um seinen Stern, einem Bereich, in dem wenigstens von der Temperatur her flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche möglich wäre. Aufsehen erregte dieser Planet nun kürzlich, weil Astronomen mit Hilfe des Hubble Weltraumteleskops Spuren von Wasserdampf in seiner Atmosphäre nachweisen konnten, zum ersten Mal überhaupt bei einem Exoplaneten. Damit sei dieser Planet ein „viel versprechender Kandidat“ bei der Suche nach außerirdischem Leben, wie einer der beteiligten Wissenschaftler sagte. Auch hierzu gibt es einen Wikipedia Beitrag unter de.wikipedia.org/wiki/K2-18

 

Der Himmel über der Sternwarte am 15.10.19 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.10.19 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten