Monatssternenhimmel

Venus trifft Jupiter in der Morgendämmerung

Der Sternenhimmel im November/Mond bedeckt Aldebaran/Erste Wintersternbilder aufgegangen

 

Im November setzt die Sonne ihren Abstieg im Tierkreis fort. Dabei hält sie sich bis zum 23. im Sternbild Waage auf, wechselt dann in den Skorpion und erreicht am 29. den Schlangenträger. Der Bogen, den die Sonne über den Taghimmel zieht, wird im Monatsverlauf immer flacher und kürzer. So gehen ihre mittäglichen Höhen weiter zurück, und die Dauer der hellen Tagstunden nimmt um anderthalb Stunden ab.

Wir beschreiben an dieser Stelle den Sonnenlauf stets mit den realen Sternbildern, durch die der Tierkreis (die jährliche Sonnenbahn) verläuft. Oft werden die Tierkreissternbilder allerdings mit den so genannten Tierkreiszeichen verwechselt, wie sie etwa Horoskope verwenden, und die unglücklicherweise die gleichen Namen tragen wie die Tierkreissternbilder. Die Tierkreiszeichen sind rein abstrakte Konstruktionen, bei denen der gesamte Tierkreis schematisch in 12 gleichlange Abschnitte eingeteilt wird, die dann vom Frühlingspunkt angefangen der Reihe nach mit Widder, Stier und so weiter bezeichnet werden. Man kann die Tierkreiszeichen also am Himmel nicht in Form von Sternbildern sehen und sie fallen auch nicht mit den Sternbildern gleichen Namens zusammen. So steht die Sonne bis zum 23. November im Tierkreiszeichen Skorpion und wechselt dann in das Zeichen des Schützen.

Wenn der November beginnt, zeigt sich der Mond bereits in recht rundlicher Phase am Abendhimmel und steht am 4. als Vollmond die ganze Nacht über am Himmel. Wer den Mond öfter einmal betrachtet, wird vielleicht schon bemerkt haben, dass er bei Vollmond besonders hell strahlt. Das liegt nicht nur daran, dass eine voll beleuchtete Mondscheibe die irdische Umgebung natürlich stärker erhellt als etwa eine Mondsichel. Was sich um den Vollmondtermin herum aber kurzfristig auch erhöht, ist die so genannte Flächenhelligkeit, also wie hell ein fester kleiner Ausschnitt der Mondfläche bei Vollmond im Vergleich zu anderen Mondphasen wirkt. Dass es bei Vollmond zu einem deutlichen Anstieg dieser Flächenhelligkeit kommt, liegt unter anderem daran, dass Staub und Steine der Mondoberfläche dann keinerlei lichtmindernde Schatten mehr werfen, denn das Sonnenlicht fällt ja bei Vollmond senkrecht auf die Mondoberfläche.

In den Morgenstunden des 6. kommt es zu einem interessanten Himmelsschauspiel: Der Mond zieht vor Aldebaran, dem Hauptstern des Stiers, vorüber. Diese Sternbedeckung beginnt für den hannoverschen Raum um 3.50 Uhr mit dem Verlöschen des Sterns am linken Mondrand. Nachdem sich der Mond ein Stück weiterbewegt hat, gibt er den Aldebaran um 4.37 Uhr wieder frei und der Stern leuchtet dann schlagartig am unteren Mondrand auf. Leider ist der Mond bei der bevorstehenden Bedeckung noch fast vollständig beleuchtet, so dass es sein grelles Licht schwierig macht, den Stern bis an den Mondrand zu verfolgen. Mit Hilfe eines Fernglases sollte das aber bei dunstfreiem Himmel möglich sein.

Nach dem Letzten Viertel, am 10. im Sternbild Löwe, zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück, wo es zu hübschen Begegnungen mit Planeten kommt. So zeigt sich die abnehmende Mondsichel am Morgen des 15. dicht neben dem Mars – zu sehen ab 5 Uhr über dem Osthorizont. Am 17. bildet die Mondsichel mit Venus und Jupiter ein enges Dreieck, eine Konstellation, die einen spektakulären Anblick böte, wenn sie vor dunklem Himmel stattfände. Aber leider gehen die drei Gestirne erst in der Dämmerung auf und haben erst gegen 6.45 Uhr genügend Höhe erreicht, um tief im Südosten sichtbar zu werden.

Bereits am Tag darauf hat der Mond die Sonne am Himmel eingeholt und zieht mit ihr als Neumond über den Taghimmel. Nach Neumond erscheint die schmale Sichel des jungen Mondes erstmals am 20. wieder für kurze Zeit in der Abenddämmerung. Gegen 17.30 Uhr findet man sie an diesem Abend tief im Südwesten, rechts neben dem Saturn. Der Ringplanet wird dabei jedoch in der noch hellen Dämmerung kaum mehr zur Geltung kommen, seine Abendsichtbarkeit geht im November zu Ende. Bis zum Monatsende ist der zunehmende Mond dann am Abendhimmel zu sehen und erreicht am 26. im Wassermann das Erste Viertel.

Nach dem frühen Untergang Saturns erscheinen weitere Planeten erst in den Morgenstunden. Als erster kommt der mittelhelle Mars im Osten über den Horizont. Der Rote Planet wandert durch das Sternbild Jungfrau und geht zur Monatsmitte gegen 4 Uhr auf. Die Rolle der Venus als strahlender Morgenstern geht um die Monatsmitte zu Ende. Am Morgen des 13. zieht sie in nur einem halben Monddurchmesser Abstand am nicht ganz so hellen Jupiter vorbei. Leider spielt sich diese enge Begegnung sehr horizontnah ab, aber bei dunstfreiem Horizont wird man diesen auffälligen „Doppelplaneten“ etwa ab 6.30 Uhr dicht über dem Osthorizont erspähen können. Während sich Venus im weiteren Monatsverlauf auf die Sonne zu bewegt und in deren Strahlenbereich unsichtbar wird, lässt sich Jupiter zunehmend besser beobachten. Sein Aufgang erfolgt am Monatsletzten bereits um 5.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn der Morgendämmerung.

Der Monat November bietet uns meist nur wenige wolkenfreie Nächte, die aber dann besonders nach dem Durchzug einer Kaltfront oft einen sehr klaren, dunstfreien Blick auf den Sternenhimmel erlauben. In solchen Nächten kann man auch einmal versuchen, die ausgedehnten und lichtschwachen Sternbilder Wassermann, Fische und Walfisch aufzufinden, die zu unserer Beobachtungszeit gegen 22 Uhr im Süden und Südwesten stehen. Etwas auffälliger ist das darüber stehende Viereck des Pegasus, an das sich nach links die Sternenkette der Andromeda anschließt. Etwas über dem zweiten Stern der Andromedakette von links steht der berühmte Andromedanebel, eine 2,6 Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxie unserer Milchstraße. Im Fernglas erscheint sie als eine langgestreckte Lichtwolke mit hellerem Kern und ist an dunklen Standorten sogar mit bloßen Augen als schwacher Lichtfleck zu erkennen. Im Osten zeigen sich nun schon die ersten glanzvollen Wintersternbilder. Dort ist der Orion gerade aufgegangen, und darüber stehen Stier, Fuhrmann und Perseus schon hoch am Himmel.

 

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.11.2017 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.11.2017 um 0.00 Uhr MEZ.

Autor: Volker Kasten