Monatssternenhimmel

Venus wird zum strahlenden Morgenstern

Der Sternenhimmel im November/Die Sternbilder der Perseus-Sage/Leoniden Sternschnuppen

Im November wandert die Sonne zunächst durch das Sternbild der Waage, hält sich dann ab dem 23. für eine Woche im Gebiet des Skorpions auf und erreicht am letzten Tag des Monats den Schlangenträger. Sie setzt dabei ihren Abstieg im Tierkreis fort, und das macht sich am immer flacher werdenden Tagesbogen und dem Kürzerwerden der hellen Tagstunden bemerkbar. Am Monatsende erreicht die Sonne zur Mittagszeit kaum noch größere Höhen am Himmel als zur Wintersonnenwende.

Der Mond zeigt sich in den ersten Novembertagen in abnehmender Phase am Morgenhimmel. Dabei steht er am 2. dicht bei Regulus, dem Hauptstern des Löwen. Am 6. zeigt sich die schon sehr schmal gewordene Mondsichel links oberhalb vom Morgenstern Venus. Dieses hübsche Gestirnstreffen lässt sich in der Dämmerung etwa ab 6.30 Uhr tief im Südosten beobachten. Am Tag darauf tritt bereits der Neumond ein. Nach Neumond erscheint die schmale Sichel des jungen Mondes erstmals wieder am 9. für kurze Zeit in der Abenddämmerung. Ein nettes Bild ergibt sich am Abend des 11., wenn die zunehmende Mondsichel dicht über dem Saturn steht. Am 15. und 16., dem Tag des Ersten Viertels, zeigt sich der Mond in einigem Abstand vom Mars und steht am Abend des Vollmondtages (23. November) dicht bei Aldebaran im Stier. Nach Vollmond zieht sich der Mond langsam vom Abendhimmel zurück und geht beim Letzten Viertel am 30. erst nach Mitternacht auf.

Wenn die Abenddämmerung genügend weit fortgeschritten ist, wird niedrig im Süden ein rötlich getöntes Gestirn sichtbar: Das ist Mars, der „Rote Planet“. Auch wenn unser Nachbarplanet nicht mehr so eindrucksvoll strahlt wie noch zu seiner Opposition im Juli, so gehört er doch immer noch zu den hellsten Gestirnen des Himmels. Inzwischen haben sich Erde und Mars allerdings wieder weit voneinander entfernt, und so lassen sich mit üblichen Amateurfernrohren jetzt kaum noch Details auf dem winzigen Marsscheibchen erkennen. Mars wandert im Monatsverlauf vom Steinbock in den Wassermann und geht kurz vor Mitternacht unter. Auch Saturn lässt sich am frühen Abend noch beobachten, allerdings geht seine Sichtbarkeitsperiode im November zu Ende. Bei Einbruch der Dunkelheit steht der Ringplanet niedrig im Südwesten und sinkt am Ende des Monats bereits kurz nach 18 Uhr unter den Horizont.

Unsere Karte zeigt den Anblick des Sternenhimmels gegen 22 Uhr. Zu dieser Zeit steht der Große Wagen in seiner tiefsten Stellung am Nordhimmel. Leicht zu finden ist auch das Sternbild der Cassiopeia: Man muss nur senkrecht nach oben (zum Zenit) schauen, wo fünf mittelhelle Sterne ein deutliches „W“ formen. Unscheinbarer ist der Cepheus, der sich an die Cassiopeia nach Norden hin anschließt. Auf der anderen Seite der Cassiopeia, Richtung Südosten, findet man den Perseus. Hoch am Südhimmel stehen die recht unauffälligen Sternbilder Pegasus und Andromeda, und darunter ist das ausgedehnte Sternbild Walfisch zu sehen. Alle diese Sternbilder symbolisieren Figuren aus der griechischen Perseus-Sage. Demnach war Perseus ein Halbgott, und um seinen Mut zu beweisen, zog er gegen die Gorgonen – schreckliche Wesen mit Schlangenhäuptern, die jeden zu Stein erstarren ließen, der sie nur anblickte. Durch einen Trick gelang es Perseus jedoch, der einzig sterblichen unter den Gorgonen, Medusa, das Haupt abzuschlagen. Aus ihrem Blut soll ein geflügeltes Ross entsprungen sein: der Pegasus. Auf dem Rückweg von diesem Abenteuer begegnete Perseus der wunderschönen Andromeda, Tochter von Cassiopeia und Cepheus. Sie war an eine Felsklippe geschmiedet und sollte aus Gründen, die hier nicht von Interesse sind, dem Meeresungeheuer (Walfisch!) zum Opfer gebracht werden. Natürlich befreite Perseus die Andromeda aus dieser misslichen Lage und nahm sie später zur Frau. Auch um den großen Jäger Orion, dessen Sternbild gerade im Osten aufgeht und den nahenden Winter ankündigt, ranken sich viele antike Mythen.

Im November lohnt auch ein Blick an den Morgenhimmel. Die Dämmerung setzt erst zwischen 5.20 Uhr (zum Monatsanfang) und 6 Uhr (am Monatsende) ein. Zu dieser Zeit sind die typischen Wintersternbilder um den Orion schon nach Südwesten gerückt, und hoch im Südosten zeigt sich mit dem einprägsamen Löwen bereits ein Sternbild, das eigentlich für Frühlingsabende typisch ist. Mit etwas Geduld wird man besonders am Morgen des 19. November gelegentlich auch eine Sternschnuppe des Leonidenstromes verglühen sehen. Diese Meteore sind nach dem Sternbild Löwe (lateinisch leo) benannt, in dem auch ihr Ausstrahlungspunkt liegt. Die nur millimetergroßen Partikel, die hierbei in unserer Atmosphäre verglühen, wurden vor langer Zeit von einem Kometen namens Tempel-Tuttle längs seiner Bahn verstreut.

Ebenfalls frühmorgens taucht auch die Venus im Südosten am Himmel auf. Sie beginnt in den ersten Novembertagen eine neue Sichtbarkeitsperiode als Morgenstern. Kommt sie anfangs erst gegen 5.15 Uhr im Südosten über den Horizont, so erfolgt ihr Aufgang am Monatsletzten bereits um 4.22 Uhr. Bald nach ihrem Aufgang entwickelt sie sich zu einem imposant hellen, weiß strahlenden Himmelsobjekt, das gar nicht zu übersehen ist. Einige Tage um den 15. November hält sie sich dicht neben Spica, dem Hauptstern der Jungfrau auf. Es ist auch interessant, Venus einmal mit dem Fernglas zu betrachten. Dabei zeigt sie sich im November als eine hübsche, wenn auch winzig kleine Sichel. Sie zeigt nämlich im Laufe von Monaten ähnliche Phasen wie unser Mond – nur eben auf Grund ihrer größeren Entfernung erheblich kleiner. Bereits im Jahr 1610 hat Galileo Galilei mit seinem selbstgebauten Fernrohr die Phasen der Venus beobachtet und auch gesehen, dass sie nicht nur Sichelformen zeigte, sondern machmal sogar fast eine „Vollvenus“. Das hatte erhebliche weltanschauliche Konsequenzen, widersprach diese Beobachtung doch dem zu Galileis Zeiten durchaus noch populären geozentrischen Weltbild des griechischen Astronomen Claudius Ptolemäus, der im 2. Jahrhundert in Alexandria lebte. Nach seinen Vorstellungen kreiste die Venus um die Erde und hätte niemals eine volle Lichtphase zeigen dürfen.

 

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.11.18 um 0.00 Uhr MEZ
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.11.18 um 0.00 Uhr MEZ

Autor: Volker Kasten