Monatssternenhimmel

Der Mond begegnet dem kupferroten Mars

Der Sternenhimmel im Oktober/Ende der Sommerzeit am 28./Neue Jupitermonde/Orioniden-Sternschnuppen

Vor wenigen Tagen hat nach unserem Kalender der Herbst und damit auch das Winterhalbjahr begonnen. Für das nächste halbe Jahr hält sich unsere Sonne nun in jenen niedrigen Teilen des Tierkreises auf, die unterhalb des Himmelsäquators liegen. Sie durchquert im Oktober das Sternbild der Jungfrau und erreicht erst am Monatsletzten das nächste Tierkreissternbild, die Waage. Dabei werden die Bögen, die unser Tagesgestirn über den Himmel zieht, zunehmend flacher und die Dauer der hellen Tagstunden nimmt im Monatsverlauf um rund zwei Stunden ab.

Am Sonntag, dem 28. Oktober ist es wieder so weit: Die Sommerzeit endet, und unsere Uhren werden morgens um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Zeitumstellung war von Beginn an umstritten und ist gerade jetzt wieder ein aktuelles Thema. Bei einer EU-weiten Umfrage haben sich über 80 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellungen ausgesprochen. Dabei bevorzugte eine Mehrheit eine durchgehende Sommerzeit statt einer ständigen Winterzeit. Der Begriff „Winterzeit“ ist zwar eingängig und wird häufig verwendet, das täuscht aber darüber hinweg, dass diese Zeit (eigentlich Mitteleuropäische Zeit, MEZ) die natürliche, von der Sonne vorgegebene Zeit ist, nach der sich Mensch und Natur seit jeher gerichtet haben.

Der Mond beginnt den Oktober in abnehmender Phase. Beim letzten Viertel, am 2. im Sternbild der Zwillinge, geht er gegen Mitternacht auf und zeigt sich in der Folge nur noch am Morgenhimmel, ehe er bei Neumond am 9. zusammen mit der Sonne über den Taghimmel zieht. Bereits am 10. kann man die haarfeine Sichel des jungen Mondes dann wieder für kurze Zeit dicht über dem abendlichen Westhorizont erspähen, der Monduntergang erfolgt an diesem Abend allerdings bereits um 19.40 Uhr. Am nächsten Abend, dem 11., steht die Mondsichel tief im Südwesten neben dem Planeten Jupiter, der jedoch in der hellen Dämmerung noch nicht recht zur Geltung kommt.

Auf seinem weiteren Weg durch den Tierkreis begegnet der Mond am Abend des 14. dem Ringplaneten Saturn. Bei Einbruch der Dunkelheit findet man Mond und Saturn eine Faustbreite hoch über dem Horizont im Südwesten. Am 16. wird das Erste Viertel erreicht. Der Halbmond steht dabei im Sternbild des Schützen, also in den niedrigsten Teilen des Tierkreises, und erreicht deshalb selbst bei seiner Südstellung um 19.20 Uhr keine großen Höhen am Himmel. Es lohnt sich aber immer, den Halbmond einmal im Fernglas anschauen. Besonders interessant ist dabei der Anblick nahe dem Terminator – das ist die linke, geradlinige Begrenzung der hellen Mondhälfte. Im oberen Teil sind dann die gewaltigen Gebirgszüge der (Mond-)Apenninen und des Kaukasus zu erkennen, die bis in Höhen von fünftausend Kilometern aufragen. In der unteren Mondhälfte, dem lunaren Hochland, zeigen sich terminatornah zahlreiche eindrucksvolle Einschlagskrater.

Eine hübsche Konjunktion ergibt sich am Abend des 18., wenn der zunehmende Mond dicht beim hellen Planeten Mars steht. Gegen 22 Uhr sind beide Gestirne recht niedrig am Südhimmel zu finden. Der Vollmond tritt am 24. Oktober im Sternbild der Fische ein. Er kommt an diesem Abend um 18.37 Uhr über den Osthorizont und ist dann die ganze über am Himmel zu sehen, eher er am nächsten Morgen um 8.29 Uhr im Westen wieder untergeht. Man könnte meinen, dass die Vollmondszeit am besten geeignet ist, um unseren Trabanten im Fernglas oder Fernrohr anzuschauen, doch das ist ein Irrtum. Denn bei Vollmond scheint die Sonne auf große Teile der Mondoberfläche fast senkrecht, so dass die Krater und Berge keine Schatten werfen und dadurch so kontrastarm erscheinen, dass sie kaum wahrzunehmen sind. Nach Vollmond verspäten sich die Aufgänge des abnehmenden Mondes immer mehr, und beim Letzten Viertel am 31. geht der Mond erst gegen Mitternacht auf.

Der Planetenriese Jupiter beendet im Oktober seine Abendsichtbarkeit. Man wird ihn allenfalls bis zur Monatsmitte bei sehr klarer Horizontsicht noch kurz in der Dämmerung dicht über dem Südwesthorizont erspähen können. Kürzlich meldeten Forscher die Entdeckung von gleich zwölf neuen Jupitermonden, so dass nun insgesamt 79 Monde dieses Riesenplaneten bekannt sind. Die neu entdeckten Monde sind aber nur wenige Kilometer groß und daher extrem schwierig zu beobachten.

Besser als Jupiter lassen sich an Oktoberabenden Saturn und vor allem Mars beobachten. Saturn steht im Sternbild des Schützen und ist bei Einbruch der Dunkelheit als mäßig helles Gestirn niedrig im Südwesten zu finden. Zum Monatsende geht der Ringplanet aber bereits gegen 21 Uhr (Sommerzeit) unter. Der ein gutes Stück weiter links im Sternbild Steinbock stehende Mars ist erheblich heller als Saturn und fällt auch durch seine kupferrötliche Farbe auf. Der „Rote Planet“, der sich der Erde zur Opposition im Juli bis auf eine Entfernung von 58 Millionen Kilometer genähert hatte, ist inzwischen schon wieder fast doppelt so weit von uns entfernt. Bei Einbruch der Dunkelheit ist er mäßig hoch im Süden nicht zu übersehen.

Wer gegen 22 Uhr nach den Sternbildern Ausschau hält, findet den Großen Wagen niedrig am Nordhimmel. Gegenüber, im Südwesten, steht das Sommerdreieck immer noch hoch am Himmel. Wenig Attraktives bietet jetzt der Himmel im Süden und Südosten, wo sich die lichtschwachen Herbststernbilder Wassermann, Pegasus und Fische versammelt haben. Im Osten kommen mit Stier, Perseus und Fuhrmann schon die Vorboten des Winterhimmels herauf. Bis in die Morgenstunden entwickelt sich dann bereits eine hochwinterliche Himmelsszenerie. Gegen 5 Uhr steht der prachtvolle Orion im Süden. In diesem Sternbild liegt auch der Ausstrahlungspunkt der Orioniden, eines Meteorstroms, der in jedem Jahr einige Tage um den 21. Oktober tätig ist. Die Partikel, die hierbei in unserer Atmosphäre verglühen, stammen ursprünglich vom berühmten Halleyschen Kometen. Wer frühmorgens vor Anbruch der Dämmerung nach Orioniden Ausschau halten möchte, sollte allerdings etwas Geduld aufbringen, denn sie sind nicht so zahlreich wie etwa die Perseiden vom August.

Der Sternenhimmel über Hannover am 15.10.18 um 0.00 Uhr MESZ.
Der Sternenhimmel über Hannover am 15.10.18 um 0.00 Uhr MESZ.

Autor: Volker Kasten