Warum der „Erdbeermond“-Hype vollkommener Unsinn ist

Aktuell geht gerade mal wieder ein kurzlebiger Astrohype durch die Mainstream-Medien… und wie so häufig entbehrt er leider jeder astronomischen Grundlage. Es ist wunderbar, das Interesse für das All zu wecken, aber doch bitte nicht so… mit dem ach so seltenen „Erdbeermond“ im Juni 2016. Eine Google-News-Suche findet aktuell diese Ergebnisse, die sich alle um das angeblich so exquisite Himmelsschauspiel drehen.

Unsinn mit dem Erdbeermond.
Unsinn mit dem Erdbeermond.

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Hype jedoch als genau solcher. Der Vollmond war ein vollkommener normaler Vollmond. Das war alles. Immer noch begeistert? Hätte darüber irgendeine Zeitung geschrieben, irgendein Onlinemagazin Leserbilder publiziert? Wohl eher nicht.

Aber langsam. Was genau stimmt denn alles nicht?

  1. Der Mond ist immer bei jedem Auf- oder Untergang rötlich verfärbt. Das heißt „atmosphärische Extinktion“.
  2. Der Mond muss nicht voll sein, damit er von der atmosphärischen Extinktion beinflusst wird und bei seinem Aufgang rötlich schimmert.. Das passiert bei jeder Mondphase.
  3. Der Name hat auch nichts mit der Verfärbung zu tun. Jeder Juni-Vollmond ist ein Erdbeermond, siehe die Liste der traditionellen angelsächsischen Namen für Vollmonde in der englischen Wikipedia.
  4. Die Seltenheit „Erdbeermond alle X Jahre“ ist auch Quatsch – siehe vorheriger Punkt. Da geht’s höchstens um die Häufigkeit eines Vollmonds zu Sommeranfang, aber auch das stimmt nicht einmal, denn:
  5. Sommeranfang 2016 ist am 21. Juni um 00:34 MESZ, Vollmond war aber am 20. Juni 2016 um 13:03 MESZ – das ist nicht mal am selben Tag!

Was also bleibt nach dieser Betrachtung vom seltenen Erdbeermond? Ein Vollmond. Auch immer wieder schön, aber den kann man jeden Monat mindestens einmal sehen.

Es ist toll, wenn die Astronomie ihren Weg in die großen Medien findet, die von vielen, vielen Menschen gelesen werden. Es wäre aber noch toller, wenn dann das was dort berichtet wird auch nur ein bisschen mit der Realität zu tun hätte.

Update: Ich habe Punkt 5 noch einmal genauer nachgerechnet. Dazu gibt es Tabellen der Anfangszeiten der Jahreszeiten und der Mondphasen im Netz. Aus denen lässt sich dann haarklein vergleichen, wann Sommeranfang und Vollmondtermin im Juni zeitlich besonders nah beieinander liegen. Das Ergebnis für den Zeitraum 1900 bis 2100 lautet (wenn man mal einen Zeitfenster von ±14 Stunden um den Sommeranfang erlaubt):

1948 Sommeranfang 0,74 Stunden vor dem Vollmond. 1967 Sommeranfang 2,60 Stunden vor dem Vollmond. 1929 Sommeranfang 6,26 Stunden vor dem Vollmond. 1986 Sommeranfang 11,23 Stunden vor dem Vollmond. 2016 Sommeranfang 11,48 Stunden nach dem Vollmond. 1910 Sommeranfang 12,39 Stunden vor dem Vollmond. 1997 Sommeranfang 13,15 Stunden nach dem Vollmond.

Auch daraus wird klar, dass das Zusammenfallen von Vollmond und Sommeranfang und damit auch „Erdbeermond“ bei Sommeranfang bei weitem nicht so selten sind, wie es hieß.

Autor: B. Knispel

2 Gedanken zu „Warum der „Erdbeermond“-Hype vollkommener Unsinn ist

  1. Danke!
    Punkt fünf finde ich aber ein bisschen haarspalterisch: Es ist nicht mal 12 Stunden auseinander, also schon sehr nah. Und nach UTC, britischer, US- und Hawaiianischer Zeit ist es auch am selben Tag 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wichtig! Beweise mit dem Lösen der folgenden einfachen Rechenaufgabe, dass Du ein Mensch bist :-)

Wieviel ist 6 + 13 ?
Folgende zwei Felder nicht verändern: