Monatssternenhimmel

Ein hübsches Gestirnstrio in den Morgenstunden

Der Sternenhimmel im August/Ein großer Vollmond/Saturn kommt in Opposition/Viele Perseiden fallen dem Mondlicht zum Opfer

Im August setzt die Sonne ihren Abstieg im Tierkreis fort. Bis zum 11. hält sie sich dabei im Sternbild Krebs auf und wechselt dann zum nächsten Tierkreissternbild Löwe. Der sinkende Sonnenstand macht sich spätestens ab Mitte August auch im Alltag deutlich bemerkbar, und zum Monatsende sind die Tage bereits um gut zwei Stunden kürzer als Anfang August. Während Sternfreunde zum Monatsanfang noch bis nach Mitternacht auf astronomisch dunklen Himmel warten müssen, sind Ende August die letzten Reste der Abenddämmerung schon bald nach 22 Uhr verschwunden.

Der Mond beginnt den August in zunehmender Phase und zeigt sich in den ersten Tagen als zunehmende Sichel in der Abenddämmerung. Beim Ersten Viertel, am 5. im Sternbild Waage, bleibt er schon länger zu sehen und geht erst kurz vor Mitternacht unter. Am 12. wird der Vollmond erreicht. Kurz nach dem Aufgang gegen 21.45 Uhr wird die voll beleuchtete Mondscheibe wie schon im Vormonat imposant groß über dem Horizont stehen, denn der Mond befindet sich noch in den erdnahen Teilen seiner Umlaufbahn, wenn auch sein geringster Erdabstand diesmal schon zwei Tage vor Vollmond erreicht wird. Nach seinem Aufgang bleibt der Vollmond die gesamte Nacht über am Himmel und geht erst am nächsten Morgen unter, wenn schon längst die Sonne aufgegangen ist.

Besonders die lichtdurchfluteten Vollmondnächte haben schon immer einen besonderen Reiz auf die Menschen ausgeübt und tragen zu den vielen Mythen rund um den Mond bei. Nach einer Forsa-Umfrage glauben 92 Prozent der Bevölkerung an einen Einfluss des Mondes auf ihr Leben, auf die Gesundheit, auf das Pflanzenwachstum oder auch auf das Wetter. Die meisten dieser Vorstellungen halten jedoch einer wissenschaftlichen Nachprüfung nicht stand. Dass es zum Beispiel bei Vollmond oft zu einem Wetterwechsel mit anschließendem Regen käme, lässt sich leicht widerlegen, indem man sich einmal die Klimadaten des Instituts für Meteorologie und Klimatologie (MuK) der Leibniz-Universität im Internet anschaut. Oft hört man auch das Argument: wenn der Mond mit seiner Anziehungskraft sogar Flutberge auf der Erde erzeugen kann, warum sollte er dann nicht auch auf den Menschen einwirken können? Dies lässt jedoch die Größenordnung der Effekte völlig außer Acht. Denn selbst das Frühstücksei vor sich auf dem Tisch übt eine tausendmal größere Gezeitenkraft auf den eigenen Körper aus, als es der Mond tut!

Nach dem Letzten Viertel, am 19. im Sternbild Stier, verlagern sich die Aufgänge des abnehmenden Mondes an den Morgenhimmel. Bis zum 26. kann man dort seine immer schmaler werdende Sichel verfolgen, ehe der Mond dann am 27. als Neumond gemeinsam mit der Sonne über den Taghimmel zieht. Bei klarer Horizontsicht zeigt sich dann die haarfeine Sichel des jungen Mondes bereits am 28. wieder für kurze Zeit tief im Westen in der Abenddämmerung und eine neue „Lunation“ (der Zyklus von einem Neumond bis zum nächsten) beginnt. Eine Lunation dauert durchschnittlich 29,5 Tage, man nennt diese Zeitspanne auch die synodische Umlaufszeit des Mondes. In diesem Abstand wiederholen sich also die gleichen Mondphasen. Hiervon zu unterscheiden ist Zeitspanne, nach der der Mond bei seiner Wanderung durch den Tierkreis wieder im selben Sternbild ankommt. Diese sogenannte siderische („auf die Sterne bezogene“) Umlaufszeit beträgt nur 27,3 Tage.

Weil sich der Mond ebenso wie die Planeten stets in der Nähe des Tierkreises aufhalten, kommt es im Laufe eines Monats immer wieder zu engen Begegnungen des schnelleren Mondes mit den viel langsameren Planeten. Bei solchen Begegnungen kann der Mond als Wegweiser dienen, so dass es sternkundlichen Anfängern dann leichter fällt, auch einmal selbst die helleren Planeten zu entdecken. So zeigt sich in der Vollmondnacht vom 11./12. eine knappe Faustbreite oberhalb des Mondes der Planet Saturn, bleibt allerdings in dieser Nacht wegen des hellen Mondlichts eher unscheinbar. Der Ringplanet kommt am 14. in Opposition zur Sonne. Unter der Oppositionstellung eines Planeten versteht man in der Astronomie, dass sich Planet und Sonne dann am Himmel genau gegenüberstehen. Aus geometrischen Gründen können nur die außerhalb der Erdbahn umlaufenden Planeten in Opposition zur Sonne kommen. Oppositionszeiten sind vor allem für beobachtende Sternfreunde interessant, weil die Planeten dann die ganze Nacht über am Himmel zu sehen sind und sie außerdem der Erde auch noch relativ nahe stehen.

Als nächstem Planeten begegnet der inzwischen zwar abnehmende, aber immer noch recht rundliche Mond in den Nächten vom 14./15. und 15./16. dem Jupiter, wobei er in der ersten Nacht rechts neben dem hellen Planeten steht und in der Folgenacht links von ihm. Ein besonders hübscher Himmelsanblick bietet sich am Morgen des 19.. Dann erscheint bald nach Mitternacht über dem Osthorizont ein hübsches Gestirnstrio aus dem abnehmenden Halbmond, dem Planeten Mars und dem Sternhaufen der Plejaden. Frühaufsteher können aber auch noch später in der Morgendämmerung gegen 5 Uhr hoch im Südosten nach diesem Trio Ausschau halten. Als letztem Planeten begegnet die nur noch haarfeine abnehmende Mondsichel am 26. dem Morgenstern Venus, zu beobachten in der Dämmerung gegen 5.30 Uhr niedrig im Osten.

Wer gegen 23 Uhr nach den Sternbildern Ausschau hält, findet den Großen Wagen im Nordwesten. Links davon zeigt sich noch der Bärenhüter mit seinem hellen Hauptstern Arktur. Hoch über sich erkennt man die weiß strahlende Wega in der Leier, die zusammen mit Deneb und Atair das Sommerdreieck markiert. Im Nordosten steigen Perseus und Cassiopeia höher. Zwischen diesen beiden Sternbildern liegt der Ausstrahlungspunkt der Perseiden-Sternschnuppen, die sich etwa vom 7. bis 15. deutlich bemerkbar machen, mit einem kräftigen Maximum in der Nacht vom 12. zum 13. August. An sich zählen die Perseiden zu den stärksten Meteorströmen des Jahres. In diesem Jahr wird allerdings leider der volle Mond den gesamten Nachthimmel aufhellen, so dass nur die hellsten Perseiden sichtbar werden.

Der Himmel über der Sternwarte am 15.08.22 um 0.00 Uhr MESZ
Der Himmel über der Sternwarte am 15.08.22 um 0.00 Uhr MESZ