Monatssternenhimmel

Selten sichtbarer Merkur steht in der Abenddämmerung

Der Sternenhimmel im April/Der Frühlingsvollmond und das Osterdatum/Der Mond als Wegweiser zu Uranus/Sternbild Löwe steht hoch im Süden

Am Frühlingsanfang hatte die Sonne den Himmelsäquator überschritten und wird sich nun für die nächsten sechs Monate oberhalb davon aufhalten. Sie wandert im April zunächst durch das Sternbild Fische und erreicht am 19. das nächste Tierkreissternbild, den Widder. Dabei nehmen die Mittagshöhen der Sonne kräftig zu und der Tagesbogen, den sie über unseren Himmel zieht, wird entsprechend höher und weiter. So zeigt sich die Sonne zum Monatsende rund zwei Stunden länger am Himmel als noch Anfang April. Sternfreunde müssen nun abends schon recht lange warten, ehe es am Firmament vollständig dunkel geworden ist. In den ersten Apriltagen tritt die astronomische Dunkelheit zwar noch gegen 22 Uhr ein, aber zum Monatsende sind die letzten Dämmerungsreste erst um 23.20 Uhr verschwunden.

Der Mond steht gleich am 1. April als Neumond bei der Sonne. Aber schon am Abend des 2. kann man die haarfeine Sichel des jungen Mondes wieder für kurze Zeit tief im Westen in der Dämmerung erspähen. Am nächsten Abend, dem 3., bleibt der Erdtrabant schon länger sichtbar und steht bei Ende der astronomischen Dämmerung (gegen 22 Uhr) noch knapp eine Faustbreite hoch über dem Westhorizont. An diesem Abend kann der Mond als Wegweiser zum fernen Planeten Uranus dienen. Allerdings braucht man ein Fernglas, um den lichtschwachen Uranus zu erkennen. Wenn man den Mond in die Mitte des Gesichtsfeldes bringt, sieht man einen guten Monddurchmesser schräg recht oberhalb zwei ähnlich helle Sternchen. Das obere ist ein Fixstern, das untere ist Uranus.

Uranus wurde am 17. März 1781 von dem gebürtigen Hannoveraner und später in England lebenden Astronomen Wilhelm Herschel durch Zufall entdeckt, als er von seinem Garten im englischen Bath aus mit einem selbstgebauten Spiegelfernrohr eine Gegend im Sternbild Stier beobachtete. Hierdurch wurde das seit alters her bekannte Planetensystem (von Merkur bis zum Saturn) erstmals um ein weiteres, noch ferneres Mitglied erweitert. Uranus braucht für einen Umlauf um die Sonne rund 84 Jahre und zählt, wie wir heute wissen, zu den Gasplaneten. Bald nach seiner Entdeckung gab Uranus den Astronomen allerdings Rätsel auf und zeigte immer wieder kleine Abweichungen von seiner vorausberechneten Position, so dass die Vermutung aufkam, es müsse jenseits von Uranus noch einen weiteren Planeten geben, der für diese Störungen verantwortlich sei. Nach langwierigen Störungsrechnungen durch Le Verrier in Frankreich und John Adams in England kamen beide schließlich zu einem ähnlichen Ergebnis: der vermutete Planet müsste östlich eines gewissen Sterns im Steinbock zu finden sein. Und tatsächlich gelang es dann am 23. September 1846 an der Berliner Sternwarte, den neuen Planeten nahe der angegeben Stelle aufzufinden. Er wurde schließlich Neptun genannt, ist ebenfalls ein Gasplanet und kreist noch weit hinter der Uranusbahn um die Sonne.

Nach seiner Begegnung mit Uranus zeigt sich der zunehmende Mond weiterhin am Abendhimmel und erreicht am 9. das Erste Viertel in den Zwillingen. Der Vollmond tritt am 16. im Sternbild der Jungfrau ein. Dies ist der erste Vollmond nach Frühlingsanfang, und er tritt diesmal recht spät im Jahr ein. Spät liegt auch der Ostersonntag am 17. April, und beides hängt unmittelbar zusammen. Auf dem Konzil von Nikäa im Jahr 325 wurde nämlich festgelegt, dass Ostern auf den ersten Sonntag fallen soll, der dem ersten Vollmond im Frühling folgt. Da der erste Frühlingsvollmond diesmal auf Samstag, den 16., fällt , ergibt sich der 17. als Ostertermin. Das spätest mögliche Osterdatum ist übrigens der 25. April. Dieser Fall ist aber sehr selten und tritt erst wieder im Jahr 2038 ein.

Bald nach Vollmond zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück, wo man ihn am 23. bei Sonnenaufgang tief im Süden als Halbmond beobachten kann. In den Tagen vom 25. bis 27. wandert die immer schmaler werdende Mondsichel dann an gleich vier Planeten vorbei, die in der Morgendämmerung wie auf einer Kette aufgereiht sind. Diese Begegnungen würden sicher hübsche Anblicke bieten – wenn sie nicht in heller Dämmerung und sehr horizontnah stattfänden! Mit bloßen Augen wird sich wahrscheinlich nur das Trio aus Mondsichel, Venus und Jupiter am Morgen des 27. erkennen lassen, zu sehen gegen 5.30 Uhr dicht über dem Osthorizont. Der Mond beschließt den Monat am 30. mit dem zweiten Neumond im April. An diesem Morgen stehen Venus und Jupiter dicht nebeneinander und sind als eine Art „Doppelplanet“ bald nach 5 Uhr tief im Osten zu bewundern.

In der zweiten Aprilhälfte ergibt sich in der Abenddämmerung die beste Möglichkeit des Jahres, den selten sichtbaren Planeten Merkur zu beobachten. Dieser nur 4900 Kilometer große Gesteinsplanet steht der Sonne von allen Planeten am nächsten und kann sich daher auch an unserem Himmel gesehen nie weit von der Sonne entfernen. Daher zeigt er sich, wenn überhaupt, nur jeweils in der Dämmerung und erscheint dann als ein nicht besonders auffälliges Sternchen. Wer die Gelegenheit nutzen und ihn einmal selbst aufsuchen möchte, sollte klare Horizontsicht haben und auch die richtige Beobachtungszeit wählen. Das ist zur Monatsmitte kurz nach 21 Uhr der Fall und um den 25. von 21.20 Uhr bis 22.15 Uhr. Merkur steht dann ungefähr eine Faustbreite hoch im Westen, über der Stelle, an der zuvor die Sonne untergegangen ist.

Unsere Karte gibt den Anblick des Sternenhimmels wieder, wie er sich gegen 23 Uhr bietet. Am Westhimmel sind dann mit dem Fuhrmann und den Zwillingen noch letzte Wintersternbilder zu sehen. Hoch im Süden steht jetzt mit dem Löwen das von den Umrissen her wohl einprägsamste Frühlingssternbild. Ihm folgt die Jungfrau, in der vor allem ihr Hauptstern Spica auffällt. Richtung Osten und fast im Zenit findet man den Großen Wagen, und darunter leuchtet der helle Arktur im Sternbild Bärenhüter.

Der Himmel über Hannover am 15.04.22 um 23.00 Uhr MESZ
Der Himmel über Hannover am 15.04.22 um 23.00 Uhr MESZ