Monatssternenhimmel

Der Dämonenstern und die Perseussage

Der Sternenhimmel im November/Sternenfinsternisse im Algolsystem/Mars und Jupiter sind Glanzlichter am Nachthimmel

Im November wandert die Sonne zunächst durch das Sternbild der Waage, hält sich dann ab dem 23. für eine Woche im Skorpion auf und erreicht am letzten Tag des Monats den Schlangenträger. Dabei nähert sie sich schon den niedrigsten Abschnitten des Tierkreises, und am Monatsende ist der Tagesbogen, den sie über unseren Himmel zieht, bereits fast so flach wie zur Wintersonnenwende.

Der Mond zeigt sich am 1. November als zunehmender Halbmond am Abendhimmel und steht dabei unterhalb vom Ringplaneten Saturn. Auffälliger ist allerdings seine enge Begegnung mit dem hellen Jupiter in der Nacht vom 4. zum 5., die sicher manche Blicke auf sich ziehen wird. Für den Vollmond, am 8. im Sternbild Widder, verzeichnen die astronomischen Jahrbücher eine totale Mondfinsternis. Aber leider findet dieses Ereignis statt, wenn in Mitteleuropa heller Tag ist und sich der Mond für uns unbeobachtbar unter dem Horizont aufhält. Zu sehen ist diese Finsternis dagegen im pazifischen Raum und einigen Anrainerstaaten.

Nach Vollmond passiert der inzwischen abnehmende Mond als weiteren hellen Planeten den Mars und ist dabei in der Nacht vom 10. zum 11. rechts vom Roten Planeten und eine Nacht später links davon zu sehen. Bald nach dem Letzten Viertel, am 16. im Sternbild des Löwen, zieht sich der Mond an den Morgenhimmel zurück und erreicht schließlich am 23. die Neumondstellung. Anders als im Oktober verfehlt der Neumond diesmal die Sonnenscheibe knapp, so dass es zu keiner Finsternis kommt. Nach Neumond erscheint die schmale Sichel des zunehmenden Mondes erstmals wieder am 26. nach Sonnenuntergang tief im Südwesten und am 30. tritt zum zweiten Mal in diesem Monat das Erste Viertel ein.

Unsere Karte gibt den Anblick des Novemberhimmels wieder, wie er sich gegen 22 Uhr bietet. Zu dieser Zeit findet man das bekannteste Sternbild, den Großen Wagen, niedrig am Nordhimmel. Im Westen zeigen sich noch die drei hellen Sterne Wega, Deneb und Atair des Sommerdreiecks, allerdings neigt sich das Sternbild Adler, dessen Hauptstern Atair ist, bereits dem Untergang zu. Den Raum im Süden und Südwesten nehmen nun die typischen Herbststernbilder Wassermann, Fische, Walfisch und Pegasus ein. Sie alle sind ziemlich unauffällig und daher vom Stadtgebiet aus schwierig zu erkennen. Aber es gibt in dieser Himmelsgegend zur Zeit ein wirkliches Highlight: Das ist der Planet Jupiter, der jetzt das hellste Objekt am gesamten Nachthimmel ist. Im Osten ist gerade der Orion aufgegangen, und darüber leuchtet mit dem rötlich getönten Mars ein weiterer heller Planet am Novemberhimmel. Der “Rote Planet” steht im Sternbild Stier und übertrifft dessen ähnlich getönten Hauptstern Aldebaran deutlich an Helligkeit. Im Dezember kommt Mars in Opposition zur Sonne und ist schon jetzt die ganze Nacht über zu sehen.

Hoch über Mars und dem Stier erkennt man das Sternbild des Perseus. Wie auf unserer Karte zu sehen ist, verzweigt sich diese Sternbildfigur nach unten hin in zwei Äste. Der rechte Ast endet an einem zwar nur mittelhellen, aber besonders interessanten Stern. Er heißt Algol und ist Sternfreunden als ein sogenannter “veränderlicher Stern” wohlbekannt. Dabei bezieht sich die Veränderlichkeit auf die Helligkeit von Algol. Der Stern leuchtet nämlich nicht immer gleichbleibend hell, sondern seine Helligkeit sinkt im Rhythmus von knapp drei Tagen innerhalb von 4 Stunden deutlich auf ein Minimum ab, um anschließend wieder in 4 Stunden zur ursprünglichen Helligkeit anzusteigen. Man kann diesen Lichtwechsel mit eigenen Augen verfolgen, wenn man den Stern über einige Stunden wiederholt beobachtet und dabei Algols Helligkeit zum Beispiel mit dem in der Nähe stehenden Stern Almach vergleicht, der in unserer Karte als linker Endpunkt in der Sternenkette der Andromeda eingezeichnet ist. Im Normallicht leuchtet Algol ähnlich hell wie Almach, aber im Lichtminimum wirkt er erheblich schwächer. Wer den Lichtwechsel selbst verfolgen möchte, muss natürlich die entsprechenden Tage und Uhrzeiten kennen. Zum Beispiel tritt ein Algol-Minimum am 2. November gegen 23 Uhr ein, so dass man in den vorangehenden Abendstunden das Absinken der Helligkeit gut verfolgen kann. Am 5. tritt ein Minimum gegen 20 Uhr ein, und anschließend lässt sich der Helligkeitsanstieg miterleben.

Die Entdeckung der Veränderlichkeit von Algol wird dem italienischen Astronomen Geminiano Montanari im 17. Jahrhundert zugeschrieben, aber sie war vermutlich schon weit früher bekannt. Der Name stammt vom arabischen al-gul und bedeutet “der Dämon”.Wir wissen heute, dass Algol kein Einzelstern, sondern ein 90 Lichtjahre entferntes System aus einem engen Sternpaar und einer weiter entfernten, dritten Komponente ist. Die beiden eng umeinander kreisenden Sterne bedecken sich bei ihrem Umlauf gegenseitig und erzeugen auf diese Weise so etwas wie Sternenfinsternisse, die wir dann als Lichtwechsel beobachten.

Algol und das zugehörige Sternbild spielen auch eine zentrale Rolle in der antiken Perseussage, deren Akteure alle als Sternbilder in der gleichen Himmelsgegend wie der Perseus zu finden sind. Demnach war Perseus ein Halbgott. Um seinen Mut zu demonstrieren, kämpfte er gegen die Gorgonen, das waren drei scheußlich anzuschauende Wesen, bei deren direktem Anblick jeder zu Stein erstarren musste. Perseus schaute aber nur auf deren Spiegelbild auf seinem Schild, und so gelang es ihm, der Medusa, der einzig sterblichen unter den Gorgonen, das Haupt abzuschlagen. Am Sternenhimmel stellt man sich den Stern Algol als das abgeschlagene Medusenhaupt vor, das Perseus in der Hand hält. Das Medusenhaupt nahm Perseus nach seinem siegreichen Kampf mit und begegnete auf dem Rückweg der wunderschönen Andromeda, Tochter von Kepheus und Kassiopeia. Andromeda war jedoch an eine Felsklippe geschmiedet und sollte einem Walfisch (ebenfalls als Sternbild am Himmel) zum Opfer gebracht werden. Natürlich befreite unser Held die Andromeda und nahm sie schließlich zur Frau, nicht ohne vorher einem Mitbewerber das Medusenhaupt gezeigt und ihn dadurch aus dem Rennen geworfen zu haben.

Der Himmel über der Sternwarte am 15.11.22 um 0.00 Uhr MEZ.
Der Himmel über der Sternwarte am 15.11.22 um 0.00 Uhr MEZ.